P. Marian (Wolfgang) Koller
von P. Augustin Reslhuber


Koller

MARIAN (WOLFGANG) KOLLER,

Capitular des Benedictiner-Stiftes Kremsmünster, Ritter des kaiserl. Österr. Leopold-Ordens, k. k. Ministerial-Rath im h. Staatsministerium, Consistorial-Rath des Bisthumes Linz, Doctor der Philosophie, wirkliches Mitglied der kais. Akademie der Wissenschaften, des Doctoren-Collegiums der philosophischen Facultät der k. k. Universität in Wien etc. etc.; emeritirter Professor der Naturgeschichte und Physik, em. Prodirector der philosophischen Studienanstalt, em. Director des Convictes und der Sternwarte zu Kremsmünster etc. etc.

Von Dr. Augustin Reslhuber.

Wolfgang Koller war am 31. October 1792 um 3 Uhr Morgens zu Feistritz (krainerisch Bistritza) in der Wochein in Krain geboren; sein Vater Andreas Koller war Verweser der Baron von Zois'schen Eisengewerke daselbst; die Mutter Josepha, geborne Edle von Seethal. Die erste Erziehung erhielt Koller im elterlichen Hause, den ersten Unterricht in der Schule seines Geburtsortes.
Im Jahre 1802 kam Koller an die k. k. Normalschule zu Laibach und trat in dem Jahre 1803 an das dortige Gymnasium über, welches er im Jahre 1808 mit sehr guten Fortschritten absolvirte; im letzteren Jahre unterzog er sich auch der Prüfung für Hauslehrer.
In den Jahren 1809 und 1810 hörte Koller die beiden philosophischen Curse am k. k. Lyceum zu Laibach mit eminentem Erfolge und legte im Jahre 1809 die Prüfung als lateinischer Privat- und Haus-Instructor für alle Classen des Gymnasiums ab.
Im Jahre 1810/11, während der französischen Occupation Krain's, studirte Koller an der École centrale de médecine de Laibach allgemeine Chemie, Naturgeschichte und Mathematik (mit der Note „l'optime") und oblag während dieser Zeit auch eifrig dem Studium der italienischen und französischen Sprache. Koller's besonderer Gönner, Freiherr von Zois, wollte den Jüngling in der k. k. Bergakademie zu Schemnitz zum Montanisten bilden lassen, welchen Plan aber die ungünstigen Zeitverhältnisse vereitelten; Koller ging an die k. k. Universität nach Wien, widmete sich daselbst im Jahre 1811/12 dem Studium der Mathematik unter dem berühmten Astronomen Bürg (cum nota „eminentiaeu) und hörte im Jahre 1812/13 die Vorlesungen ex maihesi forensi (mit der Note „primam cum eminentia").
Koller machte während dieser Zeit mehrere Concurs-Prüfungen um Erlangung einer Lehrkanzel für Mathematik, wurde aber immer, da man ältere Competenten berücksichtigen zu müssen glaubte, auf die Zukunft vertröstet.
Wie manchmal kleine, scheinbar an sich unbedeutende Umstände entscheidend für die Zukunft eines Menschen werden, bewährte sich ganz vorzüglich bei Koller. Ein großer Freund des Schachspieles saß er eines Abends in einem Kaffeehause bei einer Partie Schach mit einem der ersten Meister Wien's in diesem Fache; nebenan befanden sich an einem Tische mehrere Herren, deren einer erwähnte, daß er schon seit längerer Zeit, leider vergebens! für seine Kinder einen Lehrer der französischen und italienischen Sprache suche und er nicht wisse, an wen er sich wenden solle, um seinen Zweck zu erreichen. Koller, der dieses hörte, ließ sich nach vollendeter Schachpartie mit dem Herrn in ein Gespräch ein, erkundigte sich um alle Umstände und Bedingungen und erklärte zuletzt, „er biete sich für diese Stelle an", nachdem er früher mit sich überlegt hatte, daß er ja, wenn irgendwo in der Folgezeit eine Lehrkanzel seines Lieblingsfaches erlediget würde, dieses auch außerhalb Wien's aus den Zeitungen erfahre und in Competenz treten könne. So kam Koller nach Steinbach an der Steyer in Oberösterreich zu dem Eisenwaarenverleger Joseph Ludwig, wo er sich bald nicht blos die Zuneigung und Liebe seiner Zöglinge, sondern auch die Achtung der Eltern und der Freunde und Bekannten der Familie erwarb. Aus dieser Zeit datirt sich auch das freundschaftliche Verhältniß Koller's zur Familie Redtenbacher in Kirchdorf, deren Chef, Joseph Redtenbacher, den jungen Mann sehr liebgewann und hoch verehrte, dazumal noch nicht ahnend, wie wichtig für seine eigene, mit Kindern reich gesegnete Familie in der Folgezeit Koller werden sollte. (Es sei hier bemerkt, daß drei Söhne des Herrn Joseph Redtenbacher, Joseph, Ludwig, Wilhelm, deren Erster, Dr. Joseph Redtenbacher, gegenwärtig Professor der Chemie an der k. k. Wiener-Universität, der Zweite, Dr. Ludwig Redtenbacher, Director des k. k. zoologischen Hof-Cabinetes, der Dritte, Dr. Wilhelm Redtenbacher, practischer Arzt in Wien, Marian Koller's Schüler aus der Physik an der philosophischen Lehranstalt zu Kremsmünster waren.) Während der Zeit seines Verweilens in Steinbach (1814 bis 1816) besuchte Koller mehrmals das Stift Kremsmünster, lernte dessen wissenschaftliche Institute und das Wirken der Benedictiner kennen und entschloß sich, da er hier Befriedigung seines literarischen Strebens fand (1816), um die Aufnahme in das Stift anzusuchen, welche ihm bei seinen vorzüglichen Zeugnissen mit der Zusicherung seiner dereinstigen Verwendung zu den naturwissenschaftlichen Studien gerne gewährt wurde. Koller trat am 5. October 1816 in's Noviziat und erhielt den Stiftsnamen Fr. Marianus. Nach zurückgelegtem Probejahre studirte Koller in den Jahren 1817 bis 1821 Theologie am k. k. Lyceum zu Linz mit eminentem Erfolge; seine Mussestunden füllte er mit eifrigem Studium der ihm so lieb gewordenen Mathematik aus.
Am 13. Juni 1821 verband sich Koller für immer dem Stifte durch Ablegung der feierlichen Ordensgelübde, wurde am 18. August zum Priester geweiht und brachte am 8. September 1821 in der Pfarrkirche seines Geburtsortes dem Herrn zum ersten Male das heil. Messopfer dar.
Im November 1821 kam P. Marian Koller als Cooperator in die Seelsorge auf die dem Stifte incorporirte Pfarrei Sipbachzell, woselbst er sich durch seine vortreffliche Verwendung als Seelsorger, Katechet und ausgezeichneter Kanzelredner die allgemeine Liebe und Achtung der Pfarrkinder, und in Folge dessen im Jahre 1824 eine Allerhöchste Belobung erwarb.
Von Koller's Eifer in diesem Berufe zeugen drei Jahrgänge von ihm ausgearbeiteter, im Manuscripte vorfindlicher Kanzelvorträg in welchen die Lehren der christlichen Religion ebenso faßlich für den Verstand wie zum Herzen sprechend, in einfacher edler Sprache auseinandergesetzt werden.
Nach dem Tode des P. Thaddäus Derflinger (18. April 1824), Decanes der philosophischen Studien, Directors des Convictes und der Sternwarte, wurde Koller in das Stift zurückgerufen, um sich für die Professur der Naturgeschichte an der philosophischen Studienanstalt, welche er mit Beginn des Schuljahres 1824/25 übernehmen sollte, vorzubereiten. Mit Anfang Novembers 1824 trat er diese Professur provisorisch an, übernahm nach gehöriger Vorbereitung im Jahre 1826 auch die Professur der Physik und legte am 17. Februar 1827 die strenge, concursartige Prüfung für beide Lehrfächer an einem Tage am k. k. Lyceum in Linz mit sehr gutem Erfolge ab, worauf die Bestätigung als ordentlicher Professor für beide Lehrgegenstände von der k. k. Studien-Hofcommission erfolgte.
Nach dem unerwartet schnellen Tode des Astronomen P. Bonifacius Schwarzenbrunner (29. April 1830) übernahm Koller die Leitung der Sternwarte, gab dagegen die Professur der Naturgeschichte mit Ende des Schuljahres 1830 ab, während er die der Physik bis Ende des Studienjahres 1839 beibehielt, von wo an Koller seine Kräfte ungetheilt dem Dienste der Sternwarte widmete.
Bei der nach dem Tode des hochw. Abtes, Joseph Altwirth (4. Mai 1840) vorgenommenen Wahl eines neuen Stiftsvorstandes (23. September 1840) hatte P. Marian Koller eine bedeutende Zahl von Vota für sich; die absolute Majorität der Wählenden entschied sich nur aus dem Grunde nicht für ihn, weil sie glaubte, daß Koller bei seiner streng wissenschaftlichen Richtung nicht das entsprechende Talent für die Temporalienverwaltung besässe, obgleich er in seiner bescheidenen Stellung bisher einen Beleg weder für noch gegen eine solche Ansicht zu geben in der Lage war; auch besorgten Manche, daß er als Vorsteher seine ganze Sorgfalt nur der Studienanstalt und der Sternwarte zuwenden, andere Zweige aber stiefmütterlich behandeln würde; kurz, die abteiliche Würde mit ihren Sorgen war Koller nicht bestimmt, da ihn die Vorsehung für eine Stelle aufbewahren wollte, in welcher er seine Kenntnisse und Erfahrungen ungetheilt zum allgemeinen Besten in einem noch ausgedehnteren Wirk[u]ngskreise verwerthen sollte.
Koller's Charakter bewährte sich bei diesem Anlasse in der edelsten Weise, ohne irgend eine Gehäßigkeit gegen die, welche sich nicht zu seiner Fahne bekannt[e]n, blieb er unverändert der Mann, wie er immer war, und stieg dadurch um so höher in der Achtung seiner Mitbrüder.
Der neuerwählte Abt, Thomas Mitterndorfer, von jeher ein inniger Freund und Verehrer P. Marian Koller's, trat ihm mit aufrichtiger Herzlichkeit entgegen, das brüderliche Verhältnis zwischen Beiden blieb ungeändert, welcher Umstand auch von dem wohlthätigsten Einflüsse auf den Geist und die Eintracht der ganzen geistlichen Gesellschaft war.
Als es sich nach dem am 29. November 1840 erfolgten Tode des Directors der k. k. Sternwarte in Wien, J. J. Edlen v. Littrow um die Wiederbesetzung dieser Stelle handelte, reichte der hochw. Abt Thomas bei der k. k. Studien-Hofcommission ein Gesuch ein, in welchem er unter Hervorhebung der Kenntnisse und Verdienste P. Marian Koller's diesen für die Verleihung der Directorsstelle bestens empfahl. Nach langen Verhandlungen wurde das Gesuch „ablehnend," jedoch unter voller Würdigung der Verdienste Koller's um die Astronomie erlediget.
Hierauf ernannte der hochw. Abt Thomas am 1. März 1843 P. Marian Koller zum Prodirector der philosophischen Studienanstalt, und Director des k. k. Convictes unter gleichzeitiger Beibehaltung des Directorates der Sternwarte.
Bei seiner ausgezeichneten Fachkenntniß leitete Koller die Studien- und Erziehungsanstalt mit solcher Umsicht, daß sein Wirken von den hohen k. k. Behörden mehrmals, und am 13. December 1846 ganz besonders von Sr. k. k. Majestät allerhöchst belobt wurde.
Da Koller's Kenntnisse und Leistungen als Professor und Astronom, seine Erfahrungen und Verdienste als Leiter einer viel besuchten Studien- und rühmlichst bekannten Erziehungsanstalt in den weitesten Kreisen einen vortrefflichen Klang hatten, so geschah es, daß nach dem Tode des Herrn Hofrathes Cassian Hallaschka bei der Wiederbesetzung der Stelle des Referenten für die philosophischen Studienanstalten des Reiches bei der k. k. Studien-Hofcommission das Augenmerk der hohen und höchsten Behörden auf Koller geleitet wurde, und am 30. October 1847 dessen Ernennung zum k. k. Regierungsrathe, Referenten für die philosophischen Studienanstalten bei der k. k. Studien-Hofcommision, und Präses der philosophischen Facultät der k. k. Wiener Universität von Sr. k. k. apost. Majestät, Ferdinand I., erfolgte.
In der Freude seines Herzens über diese Auszeichnung Koller's ernannte ihn der hochwürdigste Bischof von Linz, Gregorius Thomas Ziegler, wegen seiner Verdienste um die religiös-sittliche Erziehung der studierenden Jugend zum wirklichen Consistorialrathe.
Koller trat das ehrenvolle Amt Anfangs Decembers an, und fand sich in seinem neuen einflußreichen Wirkungskreise bald zurecht.
Zur Anerkennung und Auszeichnung der Verdienste Koller's um die Wissenschaften erwählte ihn die kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien am 26. Jänner 1848 zu ihrem wirklichen Mitgliede, welche Wahl am 1. Februar von Sr. k. k. apostol. Majestät bestätiget wurde.
Bei seinem Abgange von Kremsmünster hatte Koller keine Ahnung, wie verhängnißvoll das Jahr 1848 für Österreich, insbesondere für Wien, werden sollte; aber er hielt inmitten aller Gefahren und Wirren wacker auf seinem Platze und im Amte aus, und zog sich nur Ende Octobers auf wenige Tage in das Stift Melk zurück, von wo er gleich Anfang Novembers wieder zurückkehrte.
Als im Jahre 1849 die k. k. oberste Studien-Hofcommission aufgelöst und ein Ministerium für Cultus und Unterricht an deren Stelle provisorisch errichtet wurde, kam Koller in dasselbe als k. k. Sectionsrath mit dem Referate über die Realschulen, polytechnischen, nautischen und astronomischen Institute.
Da am 29. October 1849 in Folge des provisorischen Gesetzes über die Organisirung der akademischen Universitätsbehörden Koller's Wirksamkeit als Präses der philosophischen Facultät der k. k. Wiener Universität zu Ende ging, wollte das Doctorencollegium derselben seinen verehrten und vielfach verdienten Vorstand nicht aus seiner Mitte scheiden lassen, sondern ernannte ihn „in Anerkennung der vielen und wichtigen Verdienste sowohl um die Wissenschaften als um das Unterrichtswesen, mit dem Ausdrucke der innigsten Verehrung für dessen persönliche Eigenschaften" durch Acclamation zum wirklichen Mitgliede des Doctorencollegiums der philosophischen Facultät der Wiener Universität, und überreichte ihm das Doctordiplom mit dem Beisatze „de republica literaria optime meritus".
Bei der definitiven Organisirung des Ministeriums für Cultus und Unterricht im Jahre 1851 wurde Koller mit allerhöchster Entschließung vom 7. Mai zum k. k. Ministerialrathe unter Belassung seines bisherigen Referates ernannt.
Im Jahre 1859 (27. Mai) belohnte Se. k. k. apostol. Majestät Franz Joseph I. Koller's Verdienste, (wie es im Diplome heißt)
„welche er sich als Professor der Naturwissenschaften und Director der Sternwarte, der philosophischen Lehranstalt und des Convictes zu Kremsmünster durch 23 Jahre, dann seit dem Jahre 1847 im Staatsdienste als Regierungsrath und Referent bei der bestandenen k. k. Studien-Hofcommission, nach deren Auflösung im k. k. Unterrichtsministerium als Sectionsrath und seit dem Jahre 1851 als Ministerialrath und Referent über die Realschulen, technischen, nautischen und astronomischen Institute, besonders um den raschen Aufschwung der Realschulen in Österreich in glänzender Weise erworben hat," durch die Verleihung des Ritterkreuzes des kais. österr. Leopoldordens; auch rückte Koller im November 1859 in die höhere Gehaltsstufe der Ministerialräthe vor, und arbeitete in dieser Stellung bis zum unerwartet schnellen Abschlusse seines Lebens am 19. September 1866.
Koller hatte sich bei seinen ausgezeichneten Geistesanlagen und dem unermüdeten Eifer gründliche tiefe Kenntnisse in allen Fächern erworben, die er in Angriff genommen, in der Naturgeschichte, Mathematik, Physik, Astronomie, Meteorologie, im terrestrischen Magnetismus und in den modernen Sprachen.
Als Lehrer der Naturwissenschaften war er ausgezeichnet durch klaren präcisen Vortrag, elegante Sprache, strenge logische Consequenz, Schärfe des Urtheiles und erschöpfende Gründlichkeit; ein tüchtig geschulter Theoretiker und vorzüglicher Experimentator; jede neuere Entdeckung und Erfindung griff er begierig auf, verwerthete sie bei seinen Vorträgen, und zeigte deren Wichtigkeit in theoretischer oder praktischer Beziehung. So, um nur eines Falles zu erwähnen, erzählen sich Koller's Schüler aus der Physik (in den letzten Jahren des dritten Decenniums von diesem Jahrhunderte): „als uns der Herr Professor das Experiment von der dazumal noch sehr neuen Entdeckung „Ablenkung der Magnetnadel durch einen elektrischen Strom" machte, sagte er: „Meine Herren, diese Entdeckung hat eine große Zukunft für sich!" Mehrere Schüler lachten, nicht einsehend, wie diese ihnen anscheinend große Kleinigkeit je zu einer Bedeutung gelangen sollte; und siehe da, schon wenige Jahre darnach folgte deren Anwendung auf die Telegraphie, durch welche die Gedanken der Menschen mit Blitzesschnelle an die entferntesten Punkte getragen werden.
Koller verschaffte sich zur Demonstration die nöthigen Apparate und Hilfsmittel, und wurde so der eigentliche Regenerator unseres physikalischen Cabinetes und der naturwissenschaftlichen Sammlungen, deren Reichthum und Vollständigkeit manche Universität beneiden möchte.
Als Koller im Jahre 1830 die Leitung der Sternwarte übernahm, war es seine erste Sorge, unter Zuratheziehung der Herren, Director J. J. v. Littrow und Professor S. Stampfer, dem durch die Munificenz Sr. Majestät des Kaisers Franz I. erhaltenen zweischuhigen Meridiankreis eine feste Aufstellung zu geben, was bei der Schwierigkeit, welche die eigentümliche Bauart der Sternwarte bot, bis dahin nicht vollkommen gelungen war, und führte dieselbe zur vollsten Befriedigung durch, so daß im Juli 1831 die regelmäßigen Beobachtungen begonnen werden konnten, welche bis nun ohne Unterbrechung fortgesetzt werden, wie z. B. Bestimmungen über den Stand und Gang der Normaluhr, der Lage und der Fehler des Meridiankreises, der geographischen Breite des Ortes, Ortsbestimmungen des Mondes, der Sterne im Parallele des Mondes, der Planeten und vieler Fixsterne.
Im Jahre 1831 ließ Koller auf der obersten Zinne der Sternwarte eine Rotonde mit steinernem Pfeiler und Drehkuppel zur Aufnahme des durch die Gnade des Abtes Joseph Altwirth erworbenen tragbaren Äquatoreales mit 28 Linien Objectivöffnung, 9 zölligen Stunden- und 12 zölligen Declinationskreise aus der Werkstätte des k. k. polytechnischen Institutes in Wien herstellen, und vollendete in Gemeinschaft mit Herrn Professor Simon Stampfer noch in demselben Jahre die Aufstellung und Rectification des Instrumentes, mit welchem fortan Beobachtungen außerhalb des Meridianes, besonders von Kometen durchgeführt wurden; das Fernrohr mit Linsen vom unsterblichen Fraunhofer zeichnet sich durch Präcision aus. Schuhmacher's „astronomische Nachrichten" Bände VIII bis XXV enthalten die zahlreichen Resultate von Koller's Arbeiten.
Vom Jahre 1831 bis 1834 unterstützte Koller bei den astronomischen Beobachtungen und deren Reduction der Professor der Mathematik an der philosophischen Lehranstalt P. Wolfgang Danner, dem er selbst wie schon früher in der Mathematik Unterricht in der theoretischen und praktischen Astronomie ertheilte; im November 1834 wurde P. Augustin Reslhuber, welcher auf Koller's Veranlassung gleichzeitig mit den theologischen Studien in den Jahren 1831 und 1832 an der Universität in Wien unter Professor Andreas v. Ettingshausen höhere Mathematik, im Jahre 1833 unter Director J. J. v. Littrow Astronomie studierte, Koller als Adjunct der Sternwarte, und im Jahre 1840 P. Sigismund Fellöcker als Assistent beigegeben.
Durch diese Vermehrung der Hilfskräfte wurde es ermöglicht, daß der Kreis der Arbeiten auf der Sternwarte erweitert werden konnte.
In den Ferienmonaten besuchte vom Jahre 1831 an bis zum Jahre 1847 fast alljährlich Professor Simon Stampfer als getreuer aufrichtiger Freund und Rathgeber die Sternwarte wobei die mannigfaltigsten Untersuchungen und Bestimmungen gemeinschaftlich durchgeführt wurden, wie beim Meridiankreise:
a) Werthsbestimmung der Theilstriche der Libellen;
b) Erbauung einer neuen Meridian-Mire auf der Südseite des Observatoriums in einer Entfernung von 918 Wiener Klaftern, welche für Nachtbeobachtungen zur Beleuchtung mit einer Lampe eingerichtet wurde;
c) Trigonometrische Bestimmung der Entfernung der neuen Mire vom Centrum des Meridiankreises;
d) Anbringung von schiefen Fäden am Mikrometer des Meridiankreises (je einen von beiden Seiten in ziemlich gleichen Abständen vom Mittelfaden, und möglichst gleichen Neigungswinkeln gegen denselben) zur Bestimmung der Azimuthalveränderungen des Rohres durch Einstellung der Mire auf die schiefen Fäden und Ablesung am Höhenkreise;
e) Untersuchung über die Biegung des Fernrohres;
f) Untersuchung über die Gestalt der Zapfen der Rotationsaxe des Meridiankreises und Bestimmung der nach ermittelter Zapfengestalt an die Beobachtungen anzubringenden Correctionen;
g) Anbringung eines Fühlhebelapparates an die Alhidade des Höhenkreises zur bequemen und genauen Bestimmung der Änderungen in der Lage der Alhidade;
Alle diese Untersuchungen und Bestimmungen wurden nach größtenteils neuen vom Herrn Professor Stampfer ersonnenen Methoden vorgenommen.
Im Jahre 1837 führte Stampfer zum ersten Male seine Idee eines Lichtpunkt-Mikrometers in der Mitte des Gesichtsfeldes zur leichteren Beobachtung lichtschwacher Gegenstände an dem transportablen Äquatoreale aus, welches bei Kometen-Beobachtungen sehr gute Dienste leistet.
Als im Jahre 1836 die erwartete Wiederkehr des Halley'-schen Kometen (mit einer Umlaufszeit von 76a.676 Jahren) die allgemeine Aufmerksamkeit der Astronomen auf sich zog, waren Koller und Stampfer in der Nacht vom 21. zum 22. August (fast in derselben Minute) so glücklich, als die Ersten in Deutschland, des Kometen ansichtig zu werden, welcher dann eifrigst und unausgesetzt beobachtet wurde, bis wegen zunehmender Lichtschwäche desselben unsere optischen Hilfsmittel nicht mehr ausreichten.
In den Jahren 1837 und 1838 nahm die Sternwarte auf Einladung der königl. brittischen astronomischen Gesellschaft auch Theil an der Neubestimmung der Positionen einer Anzahl von Fixsternen zur Verbesserung des Sternkataloges der „British Association for the advancement of science".
Koller theilte im Jahre 1842 ein Verzeichniß von 208 am Meridiankreise zu Kremsmünster neu bestimmten, auf das Jahr 1840.0 reducirten Fixsternen mit, welches im 12. Bande der „Memoirs of the Britt. Royal Astronom. Society" abgedruckt ist.
Unter Koller's Leitung bearbeitete und vollendete der Assistent der Sternwarte, P. Sigismund Fellöcker, auf Einladung des Herrn Directors der Berliner Sternwarte, J. Fr. Encke, das sehr sternenreiche Blatt (Stunde VII) der Berliner akademischen Sternkarten, welches nach der Approbirung von der hiezu aufgestellten Commission in Druck gelegt wurde.
Im Frühlinge des Jahres 1838 erhielt Koller vom Herrn Prof. A. v. Ettingshausen eine Einladung zu einer Reise durch Norddeutschland über Hamburg nach London und Paris; so erwünscht und höchst anlockend ihm diese Gelegenheit erschien, den Kreis seiner Kenntnisse zu erweitern und zu bereichern, und die Männer der Wissenschaft, mit deren Vielen er bereits im gelehrten brieflichen Verkehre stand, persönlich kennen zu lernen, so gab es für den bescheidenen einfachen Ordensmann nur einen Anstand, nämlich: woher das Geld nehmen zur Bestreitung der Kosten einer so bedeutenden Reise? Der Anstand wurde glücklich behoben, indem der hochw. Herr Abt Joseph Altwirth eine bedeutende Reisesumme anwies, für das Abgängige und noch mehr stellten die dem P. Marian im Alter nahestehenden und andere ihm besonders befreundete Mitbrüder ihre Sparpfennige mit Bereitwilligkeit zur Verfügung.
Am 18. Juli reisten die Herren, Prof. Andreas V. Ettingshausen, Marian Koller, und Dr. Aug. Kunzek, Professor der Physik an der Universität in Lemberg, von Wien ab nach Prag, woselbst sie Heßler, Wersin und Doppler besuchten, und dann die Reise nach Berlin fortsetzten.
Koller's erster Besuch galt der Sternwarte, deren berühmten Director J. F. Encke er aber leider nicht traf; Herr Observator Galle, welcher im Jahre 1846 den von U. J. J. Leverrier durch Berechnung vermutheten Hauptplaneten Neptun zum Staunen aller Astronomen wirklich auf dem ihm nach den Calcul am Himmel angewiesenen Platze glücklich auffand, war der freundliche Führer durch die Räume der vortrefflich eingerichteten Sternwarte.
Die Tage bis zum 25. verwendeten die Reisenden zu Besuchen bei den Mechanikern Oertling, Schick, Hirschmann, bei Dr. Mädler, Mitscherlich, Rieß, bei Magnus, in dessen reich ausgestattetem Cabinete mehrere Versuche, wie über die Compression des Wassers und verschiedener Gase, über das Tönen der Syrene unter Wasser etc. angestellt wurden.
Am 25. Nachts verließen sie Berlin und gingen nach Hamburg wo sie am 27. ankamen.
Bei einem Spaziergange durch und um die Stadt bemerkten die Wanderer ein Gebäude, das sie sogleich als eine Sternwarte erkannten; es war das Observatorium der Navigations-Schule, deren Vorstand, Director Rümker, die Österreicher sehr freundlich empfing, und ihnen die Einrichtung seiner Sternwarte bereitwilligst zeigte.
Um 11 Uhr Vormittags Besuch beim Conferenzrathe H. Schumacher in Altona, dem berühmten Herausgeber der „Astronomischen Nachrichten", welcher den Reisenden, nach der herzlichsten Begrüßung, eröffnete, daß er für den nächsten Tag Sir John Herschel auf Besuch bei sich erwarte, und sie einlud, die Abreise nach London um ein paar Tage zu verschieben, auf welchen Vorschlag bereitwilligst eingegangen wurde.
Inzwischen machten die Herren Bekanntschaft mit Heinrich Kessels in Altona, und den Gebrüdern Repsold in Hamburg und besichtigten die ausgezeichnete Instrumenten-Sammlung Schumacher's. In dieser sah Koller das erste Planimeter.
Am 29. Juli vereinigte bei Schumacher ein freundliches Diner unsere Reisenden mit Sir John Herschel, Kessels Petersen, Rümker und den Gebrüdern Repsold.
Am anderen Tage wurde die Werkstätte der Gebrüder Repsold besucht, in welcher eben der große Meridiankreis für die Sternwarte zu Pulkowa in Arbeit war, dessen Objectiv, aus dem berühmten Fraunhofer'schen Institute in München, Sir John Herschel einer genauen Prüfung unterziehen wollte.
Am 1. August, nach einem herzlichen Abschiede von den Freunden in Altona und Hamburg, trat man in Gesellschaft Sir John Herschel's die Überfahrt nach London an. Das Schiff hatte mit Gegenwind zu kämpfen, so daß die Reisenden erst am 3. August Abends 6 Uhr in London ankamen.
Am 4. August Besuch der Adelaide Galerie, des seit 1834 bestehenden Institutes of practical sciences for the exhibition of objects blending instruction with amusement; mit zahlreichen Gegenständen der Maler- und Bildhauerkunst, der Physik, Naturgeschichte, Chemie und der technischen Wissenschaften. M. Clarke war der freundliche Führer durch die Galerie.
Am 6. August waren die Herren bei Sir John Herschel zum Frühstück, welchem Baily, Wheatstone und Babbage anwohnten; letzterer führte die Gäste in sein Haus und erklärte ihnen seine projectirte Rech[n]enmaschine.
Am folgenden Tage wurde Wheatstone's Kabinet in Somersethouse besucht, wo dieser seinen elektro-magnetischen Telegraphen, seine Sprachmaschine, den Apparat zur Bestimmung der Geschwindigkeit des Lichtes, einen Apparat zur Interferenz des Schalles etc. vorzeigte; dann Besuch bei Roberton in der Royal Society, an den Koller die in Kremsmünster gemachten meteorologischen Terminsbeobachtungen für Herschel abgab; Besichtigung der Bibliothek der Society, in welcher Newton's Manuscript und dessen erstes Teleskop aufbewahrt werden; später Besuch bei Baily, dem Koller das Verzeichnis von 208 am Meridiankreise zu Kremsmünster neubeobachteten Fixsternen übergab.
Es folgten nun Besuche bei Babbage und Dollond, wo sie viele schöne optische und andere physikalische Instrumente, besonders ein neues Polarisations-Instrument nach Airy's Construction sahen.
Am 9. Ausflug nach Slough, Windsor, Eton.
Im Garten Herschel's zu Slough, besahen die Reisenden das altehrwürdige Riesenteleskop Sir William Herschel's.
Am 10. bewunderten sie bei Faraday, Davy's große Batterie.
Am 11. August besuchte Koller die Sternwarte in Greenwich.
Die folgenden Tage widmeten die Reisenden der Besichtigung der Merkwürdigkeiten Londons und besuchten nochmals die Adelaide-Galerie wo eben mit dem Hydro-Oxygen-Gas-Mikroscope experimentirt wurde.
Am 15. besuchte Koller den Lieutenant S. W. Stratford, Superintendent of the Nautical Almanac, welcher alle bisher erschienenen Bände dieses astronom. Jahrbuches Koller für die Sternwarte in Kremsmünster zum Geschenke machte und auch die Sendung der folgenden in Aussicht stellte. (Hielt auch getreulich zu unserem großen Danke Wort.)
Am 17. ging Koller noch einmal nach Greenwich, um den berühmten Director Airy zu besuchen von dem er auf's freundlichste empfangen wurde.
Nachdem die Reisenden die hervorragendsten Merkwürdigkeiten London's, die wissenschaftlichen Institute und Museen besichtiget, und mit den Koryphäen der Naturwissenschaften persönliche Bekanntschaft gemacht hatten, verließen sie höchst zufrieden mit ihrer allseitigen Aufnahme, nach einem sechzehntägigen Verweilen, die Metropole Englands und segelten am 19. August nach Antwerpen, nach dessen Besichtigung sie die Reise nach Brüssel fortsetzten.
Am 21. August besuchten sie Director Quetelet, besichtigten die Sternwarte und das Museum; am Tage darauf wurden bei Plateau Versuche über die Irradiation und mit dem Anorthoskope angestellt.
Am 22. August Abends erfolgte die Abreise nach Paris, wo sie am 24. August 8 Uhr Morgens ankamen.
Am 27. August, nach einem Besuche bei Gambey und Breguet ging Koller in die Sitzung der Academie des sciences, wo er Arago, Bouvard, Savary, Poisson, Sturm, Chevreul, Dumeril, Brongniart, Bory St. Vincent, Babinet, Cagniard de la Tour, und den eben in Paris anwesenden Alex. v. Humboldt kennen lernte.
Am 28. Besuch der Sternwarte, wo Bouvard gefälligst die Instrumente zeigte.
Am 3. September brachte man den Abend bei Babinet zu, wo verschiedene sehr interessante optische Versuche angestellt wurden.
Am 4. September zeigte Savart den Reisenden das Museum du College de France, wo auch Péclet zugegen war. Später Besuch bei Pouillet im Conservatoire des arts et manufactures.
Die folgenden Tage brachten die Reisenden noch mit Besuchen, bei Arago, Cauchy, Charles Chevallier u. A. zu und machten Ausflüge in die Umgebung von Paris. Am 12. wurde die Abreise angetreten und zwar über Freiburg im Breisgau, woselbst die Versammlung der deutschen Naturforscher und Ärzte in den nächsten Tagen abgehalten werden sollte und wo sie am 16. September ankamen. Nachdem die Herren einigen Sitzungen beigewohnt und die Bekanntschaft mit Leop. v. Buch, M. Buckland, Dr. v. Martius, Dr. Schönbein, Munke, Osann, Eisenlohr u. a. gemacht hatten, reisten sie am 20. September über Augsburg, wo sie den um die Astronomie und Meteorologie so verdienten Canonicus Stark besuchten, nach München. Der erste Besuch galt hier Professor Steinheil, welcher den Reisenden, den von ihm construirten Telegraphen, eine Centrifugal-Maschine, das Heliotrop, ein Magnetometer vorzeigte, und die Idee zu einen neuen Heliostaten auseinandersetzte; der übrige Theil des Tages wurde einigen Sehenswürdigkeiten Münchens gewidmet.
Am 27. Morgens zu Lamont, woselbst neben den schönen optischen Instrumenten aus Fraunhofer's berühmter Werkstätte, Instrumente zur Bestimmung des stündlichen Druckes der Luft und der Temperatur, eine Maschine zur Berechnung der Refraction, eine Andere zur Reduction der mittleren Orte der Sterne auf scheinbare, ein neues Mikrometer am großen Refractor die besondere Aufmerksamkeit auf sich zogen.
Am Abende desselben Tages verließen die Reisenden München; Koller kehrte von Linz aus nach Kremsmünster zurück, während v. Ettingshausen und Kunzek ihre Reise nach Wien fortsetzten.
Koller's Reise brachte die erfreulichsten Früchte; wenn gleich selbst schon ein ausgezeichneter Naturforscher, bewegte er sich dennoch bisher im engeren Kreise; obgleich ihm für jene Zeit sehr schöne Lehrmittel zu Gebote standen, war er doch bei der isolirten Lage seines Berufsortes größtenteils auf sich selbst angewiesen, in Theorie und Praxis ein Autodidact; in der Beischaffung neuer Instrumente stand ihm ein nur mittelmäßig geschulter Mechaniker zur Seite; in der Handhabung und Behandlung von Instrumenten, die er aus der Ferne bezogen, war er sich selbst Lehrer. Auf der Reise sah und lernte Koller sehr viel Neues; Instrumente wurden, so weit die Geldmittel reichten, sogleich angekauft, Andere bestellt, Viele nach Kollers Angabe in der Werkstätte der Sternwarte angefertigt, so daß das physikalische Kabinet bald ein dem Stande und den Fortschritten der Naturwissenschaften angemessene Einrichtung erhielt.
Dem persönlichen Bekanntwerden mit den ausgezeichnetsten fachlichen Autoritäten folgte ein reger brieflicher Verkehr mit Vielen derselben, neuere Erfindungen und Entdeckungen wurden besprochen, Zweifel und Anstände behoben. Reich an Büchergeschenken kehrte Koller heim, die fernere Zusendung von Fortsetzungen wurde in Aussicht gestellt.
Koller selbst war mit dem Erfolge seiner Reise höchst zufrieden, und diejenigen, welche ihm die Mittel zu selber verschafften, gratulirten sich, dieses Capital zu so schönen Zinsen angelegt zu haben.
Im Jahre 1842 stattete der dänische Conferenzrath C. H. Schumacher, welcher zur Beobachtung der totalen Sonnenfinsterniß am 8. Juli die Reise nach Wien unternahm, Koller in Kremsmünster einen Gegenbesuch ab, und verweilte durch mehrere Tage im Stifte. Dieser Besuch erlangte für unser Observatorium dadurch eine besondere Wichtigkeit, daß Schumacher acht Chronometer mit sich führte, mittels welcher durch Zeitübertragung die Längendifferenz zwischen Wien und Kremsmünster = 8" 59s.11 (Kremsmünster westlich von Wien) bestimmt wurde, welches Resultat mit den anderen bisherigen Bestimmungen bis auf = 0s.05 harmonirt.
Auch führte Schumacher ein Normal - Barometer mit sich, welches mit dem des Pariser Observatoriums genau verglichen war. Eine mehrmalige Vergleichung mit unserem Hauptbarometer ergab für dieses die Correction = + 0.432 Pariser Linien, welche seither an alle Beobachtungen angebracht wird, und um welche auch die älteren Beobachtungen verbessert wurden.
Eine besondere Aufmerksamkeit widmete Koller gleich bei Übernahme der Leitung der Sternwarte den meteorologischen Beobachtungen, und legte diesen und einer zweckmäßigen Anstellung derselben ein weit größeres Gewicht bei, als dieses zu jener Zeit nach der Ansicht mancher sonst ganz tüchtiger Naturforscher der Fall war. Zu diesem Zwecke wurden neue Instrumente angeschafft, deren Correctionen nach den besten Methoden ausgemittelt, die bisher in Verwendung gestandenen Apparate mit den neuen genau verglichen zur Ermöglichung der Verbesserung älterer Beobachtungen; die Zahl der täglichen Aufzeichnungen wurde vermehrt und das System der Beobachtungen erweitert, so daß vom Jahre 1831 angefangen Luftdruck, Temperatur, Dunstdruck, Feuchtigkeit der Luft, Wolken - Art-, Zug-, Dichte, Windes-Richtung und Stärke, Art und Menge der Niederschläge, Anmerkungen besonderer Erscheinungen und eine kurze Charakteristik der Witterung jedes Tages einbegriffen wurden.
Damit ein solches Materiale nicht unbenutzt blieb, wurden die Tages-, Monats- und Jahresmittel aller Beobachtungsdaten berechnet und am Schluße eines jeden Jahres in einer Übersichtstabelle zusammengestellt und veröffentlicht.
Vom Jahre 1836 an nahm die Sternwarte auch Theil an den meteorologischen Terminsbeobachtungen, welche auf Sir John Herschel's Anregung zu den Zeiten der Äquinoctien und Solstitien ausgeführt, im Jahre 1840 auf alle Monate ausgedehnt wurden.
In den Jahren 1840 und 1841 vollführte Koller eine sehr verdienstliche Arbeit, indem er aus dem reichen Materiale der Temperaturbeobachtungen von den Jahren 1820 bis 1839 den stündlichen Gang der Wärme für Kremsmünster nach Bessel's Methode für Berechnung periodischer Naturerscheinungen ermittelte, und im Jahre 1841 in dem Jahresberichte des Museums „Francisco-Carolinum" in Linz veröffentlichte; in einem Anhange zu diesem Aufsatze gab er auch einen Bericht „Über die Temperatur des Quellwassers von Kremsmünster".
Eine ähnliche Arbeit vollendete Koller im Jahre 1843: „Über die stündlichen Änderungen des Dunstdruckes und der Feuchtigkeit der Luft" aus zehnjährigen Psychrometer-Beobachtungen (1833 bis 1842) zu Kremsmünster (veröffentlicht in dem Jahresberichte des Museums „ Francisco-Carolinum" in Linz vom Jahre 1843); eine um so verdienstlichere Arbeit, als zu jener Zeit noch wenige so lange ununterbrochen fortgesetzte Reihen von Beobachtungen über Dunstdruck und relative Feuchtigkeit vorlagen.
Als im vierten Decennium dieses Jahrhunderts auf Anregung der großen Gelehrten Alexander's v. Humboldt und Friedrich's Gauß die Untersuchungen über den Erdmagnetismus die allgemeine Aufmerksamkeit der Naturforscher auf sich zogen, und binnen wenigen Jahren dieser Zweig der Naturforschung zu einer selbstständigen Wissenschaft herangebildet wurde, wollte auch Koller nicht zurückbleiben, sondern, da seit mehr als einem Jahrhunderte naturwissenschaftliche Studien an unserem Orte mit besonderer Vorliebe betrieben werden, nach Thunlichkeit das Seinige zur Erforschung der so geheimnißvoll wirkenden magnetischen Erdkraft beitragen, und gründete im Jahre 1839 (August) das magnetische Observatorium (der Zeit des Entstehens nach das Zweite im Kaiserstaate, in Mailand das Erste durch Kreil) durch Aufstellung eines Gauß'-schen Magnetometers (in dem großen schönen Observationssaale der Sternwarte) mit vierpfündigem Stabe zur Beobachtung der Variationen der magnetischen Declination, dem bald (1840) ein Bifilar - Apparat mit 25pfundigem Stabe für die Beobachtung der Variationen der horizontalen Intensität folgte.
Seit dem Jahre 1815 wurden wohl von Zeit zu Zeit, seit dem Jahre 1832 regelmäßig am Anfange oder Ende jeden Monates Vor- und Nachmittags Bestimmungen der magnetischen Declination mit einem Brander'schen Declinatorium gemacht, welche aber bei der unvollkommenen Einrichtung des Instrumentes nicht die erwünschte Verlässlichkeit gewährten. Die ersten Beobachtungen mit dem Variations-Declinatorium wurden im Augusttermine des Jahres 1839 gemacht (abgedruckt in „Gauß und Weber's Resultaten des magnetischen Vereines" vom Jahre 1839); vom Octobertermin des Jahres 1840 angefangen wurde an beiden Apparaten mitbeobachtet und seit jener Zeit keiner der Termine (sowohl der von Göttingen aus, als der von der königl. Gesellschaft in London veranlassten) verabsäumt, wenn nicht besondere Hindernisse dazwischentraten.
Koller wurde bei diesen mühsamen Arbeiten von dem Personale der Sternwarte, vielen Professoren und jüngeren Mitgliedern des Stiftes auf das kräftigste unterstützt. Die Ergebnisse finden sich in „Gauß und Weber's Resultaten des magnetischen Vereines" und „in Lamont's Annalen für Meteorologie und Erdmagnetismus" abgedruckt.
Im Jahre 1854 erschien eine vollständige Zusammenstellung aller vom Jahre 1839 bis 1850 (inclusive) gemachten magnetischen Beobachtungen und Bestimmungen in Kremsmünster unter dem Titel:
„Über das magnetische Observatorium in Kremsmünster und die vom Jahre 1839 bis 1850 aus den Beobachtungen abgeleiteten Resultate von P. Augustin Reslhuber, Director der Sternwarte." 1854. Wien, aus der k. k. Hof- und Staatsdruckerei.
Im Juni des Jahres 1841 erbaute Koller im großen Stiftsgarten, ferne von allen Gebäuden, eine eisenfreie Localität aus Holz, in welcher zur Bestimmung der absoluten Declination und Horizontal-Intensität ein Gauß'sches Unifilar-Magnetometer mit vierpfündigem Stabe bleibend aufgestellt wurde, mit welchem von Zeit zu Zeit absolute Bestimmungen der magnetischen Größen und Vergleichungen der Angaben dieses Apparates mit den in der Sternwarte befindlichen Variations-Apparaten ausgeführt werden.
Mit dem Anfange des Jahres 1841 wurde begonnen, den Stand der Variations-Instrumente täglich dreimal zu den Stunden 8h Morgens, 2h und 8h Abends nach mittlerer Göttinger Zeit aufzuzeichnen, was bis zum heutigen Tage noch in gleicher Weise fortgesetzt wird, so daß unsere Sternwarte die längste ununterbrochene Reihe täglicher magnetischer Beobachtungen im Kaiserstaate besitzt.
Koller leitete vor seiner Berufung nach Wien auch noch die Erwerbung eines Repsold'schen Inclinatorium's ein, welches aber erst im Jahre 1848 vollendet wurde. Koller machte mit diesem Instrumente in den Jahren 1848 und 1849 mehrfache Bestimmungen der Inclination in Wien und übersendete dasselbe im Juni 1850 an die Sternwarte. Es sei hier noch bemerkt, daß Koller mit gnädiger Unterstützung des Abtes Thomas Mitterndorfer ein transportables Passage-lnstrument mit 19'''5 Linien Objectivöffnung und einer Focallänge von 21 Zollen für das eisenfreie magnetische Observatorium, so wie ein goldenes Taschenchronometer von H. Kessels (No. 1304) für die Sternwarte erwarb.
Aus dem Angeführten ist ersichtlich, daß die Sternwarte und alle mit ihr verbundenen wissenschaftlichen Sammlungen (die naturhistorischen Sammlungen, das physikalische Cabinet, die naturwissenschaftliche Bibliothek) eine ungemeine Bereicherung, manche Zweige eine völlige Umgestaltung, das magnetische Observatorium seine Neubegründung Koller verdanken, so daß die Periode seiner Wirksamkeit immer als eine der glänzendsten in den Annalen der Lehranstalt und der Sternwarte verzeichnet bleiben wird.
Mit seinem Abgange nach Wien trat Koller nicht aus dem Verbände mit dem Stifte und der ihm so theuer gewordenen Sternwarte, sondern blieb fortan der anhänglichste Mitbruder, aufrichtige Freund, Rathgeber und Wohlthäter der Sternwarte. Alljährlich, wenn es Berufsgeschäfte und Gesundheit erlaubten, besuchte er sein liebes Stift und die Sternwarte, immer in Begleitung seines ihm treu ergebenen Freundes Prof. S. Stampfer und ward Veranlassung, daß sich während seiner Anwesenheit im Stifte ein schöner Kreis wissenschaftlicher Notabilitäten in Kremsmünster zusammenfand.
Als Wohlthäter der Sternwarte erwies sich Koller, indem er (1857) zur Anschaffung eines neuen Refractors von 68 Par. Linien Objectivöffnung eine bedeutende Summe beisteuerte, der Sternwarte ein dialytisches Fernrohr von Ploeßl mit 37 Linien Objectivöffnung und 40 Zollen Focallänge und im Jahre 1861 ein nach den neuesten Grundsätzen vom Herrn Gustav Starke, Vorsteher der astronomisch-mechanischen Werkstätte des k. k. polytechnischen Institutes in Wien, verfertigtes Passage-Instrument mit einem Fernrohre von 24 Linien Objectivöffnung und 24 Zollen Focallänge, mit zehnzölligem Vertical- und achtzölligem Horizontalkreise zum Geschenke machte und die Bibliothek mit zahlreichen kostbaren Werken naturwissenschaftlichen Inhaltes bereicherte.
Koller entsagte nach seiner Berufung in den Staatsdienst der Wissenschaft keineswegs; diese war ihm vielmehr durch langjährige Pflege zur Notwendigkeit, in seinen Mussestunden zur Erhohlung geworden, wie es mehrere während dieser Zeit im Drucke erschienene und andere im Manuscripte vorfindliche Abhandlungen darthun. Im Jahre 1849 trat Koller sogar als Docent an der Wiener Universität auf und hielt Vorträge „über sphärische Astronomie", die sich durch Präcision, Klarheit und schöne Sprache auszeichneten und vielfach besucht waren. Auch besuchte Koller gerne die Vorträge jüngerer Professoren, theils zu seiner eigenen Belehrung, theils um dieselben in ihrem regen Streben zu ehren (so besuchte Koller die Vorträge der Professoren Dr. Jos. Petzval, Dr. Fr. Moth, Dr. Carl Hornstein, Dr. Jos. Stefan und noch im letzten Sommersemester die des Dr. Theodor Oppolzer, welche er sich nicht blos im Collegio skizzirte, sondern zu Hause vollständig ausarbeitete und rein niederschrieb); zudem richtete er sich selbst in seiner Wohnung, insoweit es die Räumlichkeit gestattete, ein kleines Observatorium für Astronomie und Meteorologie ein und versah sich mit Instrumenten von den besten Meistern.
Koller war ein sehr thätiges und selten in den Sitzungen fehlendes Mitglied der kais. Akademie der Wissenschaften; nur in den letzten zwei Jahren erschien er seltener, wozu wohl die Trauer über den Tod so vieler ihm sehr nahe gestandener Mitglieder, wie des Prof. Zippe, Dir. Kreil, Sr. Excellenz des Präsidenten Freiherrn von Baumgartner und besonders des mit ihm so innig verbundenen Prof. Stampfer viel beigetragen haben mochte.
Koller's Wirksamkeit im Staatsdienste dem vollen Umfange nach entsprechend darzustellen, ist für den Schreiber dieser Zeilen sehr schwierig, da ihm hiezu die näheren Behelfe fehlen, Koller selbst gegen seine vertrautesten Freunde das Amtsgeheimniß heilig bewahrte und ämtliche Gegenstände überhaupt nicht in den Bereich der gewöhnlichen Conversation zu ziehen pflegte. Soviel ist gewiß, daß schon seine Berufung auf den ehrenvollen Posten ungeteilten Beifall fand. „Das ist der rechte Mann!" lautete die allgemeine Stimme; „selbst ein ausgezeichneter Lehrer, der jeder Universität zur Zierde gewesen wäre; als Vorsteher einer Studien- und Erziehungsanstalt kennt er am besten das Gute so wie die Mängel des bisherigen Unterrichtssystemes; er ein Mann der strengen Wissenschaft weiß am besten, was der Wissenschaft noththut."
An dem großen und wohlthätigen Umschwunge, den das Unterrichtswesen in Österreich seit dem Jahre 1849 erfuhr, nahm Koller den lebhaftesten Antheil; ihm war mit seinem Referate im neuorganisirten Unterrichtsministerium die Aufgabe, ein Feld mit einer Neusaat in Österreich zu bestellen übertragen, die Gründung der Realschulen. Im Jahre 1851 traten die sechsclassigen Realschulen ins Leben, welche Schöpfung fast ausschließlich das Werk Koller's war, das er bis ans Ende seines Lebens wie sein Pflegekind cultivirte und zur möglichsten Vollkommenheit zu bringen bestrebt war. Rasch erstanden im weiten Kaiserreiche theils aus Staatsmitteln, theils durch Beiträge von Corporationen Realschulen, die erste und sicherste Grundlage für den gedeihlichen Aufschwung der Industrie Österreichs.
Für Heranbildung eines tüchtigen Lehrstandes, für Anschaffung der Lehrmittel, für Herstellung zweckmäßiger Localitäten wurde die umfassendste Sorgfalt verwendet; im Verlaufe kaum eines Jahrzehntes geschah, und wurde in guten Gang gebracht, was man früher kaum für möglich hielt.
Wenn auch heut zu Tage Rufe nach Reform dieser jungen Lehranstalten und mit Recht laut werden, so waren dieselben für damals, wo es in Österreich mit dem Unterrichtswesen besonders in diesem Zweige noch so kümmerlich bestellt war, gewiß ein nicht zu unterschätzendes Werk. Wer die Früchte kennt, welche diese Schulen während ihres fünfzehnjährigen Bestandes getragen haben, wer weiß, wie viele Tausende von jungen gut geschulten Kräften den verschiedenen technischen und industriellen Etablissements durch diese zugeführt wurden, der wird die Verdienste würdigen können, welche sich Koller um den nationalen Wohlstand Österreichs erworben hat. Daß diese Verdienste auch allerhöchsten Ortes gewürdiget wurden, beweisen die Auszeichnung, welche ihm Se. k. k. apostol. Majestät Franz Joseph I. durch Verleihung des Ritterkreuzes des Leopoldordens Koller angedeihen ließ. In dem Vortrage des damaligen Ministers für Cultus und Unterricht, Sr. Excellenz des Herrn Grafen Leo Thun, sind ausdrücklich die Verdienste, welche sich Koller „um den raschen Aufschwung der Realschulen in Österreich in glänzender Weise erworben hat," hervorgehoben.
Mit welchem Eifer Koller seinem Amte oblag, wie gewissenhaft er bemüht war, ja nichts zu versäumen, sondern das begonnene Werk schnell vorwärts zu führen, bewies er im Jahre 1852, in welchem ihm das Unglück wiederfuhr, durch einen Fall den rechten Oberarm zu brechen, und er durch mehrere Monate zum Schreiben unfähig war; um mit seinen Arbeiten, die sich gerade damals sehr häuften, ja nicht in Rückstand zu kommen, hielt er sich auf eigene Kosten einen Beamten, dem er dictirte.
Koller's Aufmerksamkeit und Umsicht genügte dieser erste Schritt, die Gründung der Realschulen nicht; er sah sehr wohl ein, daß diese Schulen für eine der zahlreichsten Classen, die Mittelclasse von großem Vortheile und Segen sind; sollte aber Industrie und Handel gründlich und allseitig gehoben werden, so müsse auch für jene, welche zu einer höheren Bildung nicht geeignet sind, oder wegen Mittellosigkeit sich eine solche nicht verschaffen können, gesorgt werden. Er veranlaßte daher, daß an vielen Orten mit den Realschulen Mittelcurse, praktische Curse für Handwerker und Lehrlinge (an den Abenden, an Sonn- und Festtagen) sogenannte niedere Fachschulen in Verbindung gebracht, oder an Orten, wo Realschulen nicht bestehen, eigens errichtet wurden.
Nachdem die Realschulen organisirt und in guten Gang gebracht waren, schritt man zur Reorganisirung des Wiener Polytechnikums, welches über den Realschulen zur Fortbildung in den verschiedenen Fächern in eine technische Hochschule umgestaltet werden sollte, welcher Aufgabe sich Koller in den letzteren Jahren mit unermüdeter Thätigkeit, Umsicht, großer Vorliebe und dem glücklichsten Erfolge unterzog. Am 28. November 1860 überreichte das Professoren-Collegium des Polytechnikums das von demselben ausgearbeitete Reorganisationsstatut dem Ministerium; die Verhandlungen begannen; das Statut wurde im Sommer 1865 von Sr. Majestät sanctionirt, und das Professoren-Collegium hatte nun seine Anträge zu stellen. Antrag auf Antrag kam an das Ministerium; alle mußten durch Koller's Hand gehen; doch seiner Arbeitskraft, seinem Geiste war nichts zu viel; mit gewohntem sicheren Tacte faßte er seine Entschlüsse, und legte sie seinem Minister vor. Schon waren mehr als 20 Professoren ernannt, schon war bestimmt, daß mit 1. October 1866 das neuorganisirte Institut ins Leben zu treten habe; es fehlten nur noch wenige Ernennungen, und das neue Gebäude war hergestellt, und Koller's lebhafter Wunsch erfüllt; ihm war jedoch die Freude nicht beschieden, den schönen Festtag der Eröffnung mitfeiern zu können.
So wie keine neue Schöpfung gleich vom ersten Anfange in allen ihren Theilen vollkommen ist, so ging es auch mit den Realschulen; ein Werk von der Größe und dem Umfange, wie es die Gründung der so tief ins praktische Leben eingreifenden Realschulen ist, mußte erst auf die Probe gestellt werden, in einer Zeit, welcher der öconomische Fortschritt der Nationen bei der raschen Aufeinanderfolge wunderbarer Entdeckungen und Erfindungen mit jedem Schritte eine neue Aufgabe zur Lösung vorlegte. Die Erfahrung lehrte, daß an dem Systeme des Realschulwesens Manches zu ändern und zu verbessern sei; auch daran wollte Koller gehen. Es ließen sich Stimmen vernehmen, die da meinten, Koller wäre einer Reform der Realschulen abhold; doch dem ist nicht so. Bereits Anfangs des Jahres 1865 wurde im Unterrichtsrathe ein Reorganisationsplan für die Realschulen ausgearbeitet, welcher dem Ministerialrathe Koller zur Begutachtung zukam; dieser ließ denselben, nachdem er seine entsprechenden Änderungen angebracht hatte, einstweilen bei sich liegen, da er wollte, daß früher die Reorganisation des Polytechnikums durchgeführt werde. Koller äußerte sich mehrmals zu seinen Freunden: „diese beiden Aufgaben, die „Reorganisirung des Polytechnikums und die Reform der Realschulen, möchte ich noch lösen, dann ziehe ich mich in die „Ruhe meines lieben Kremsmünsters zurück." Die erste hat er glücklich gelöst, die zweite seinem Nachfolger zur Durchführung hinterlassen.
Koller wurde während seiner Amtstätigkeit von seinem Minister mit mehreren Ehren-Aufträgen betrauet. So ging er im Jahre 1854 nach Triest, um die dortige Akademie für Nautik und Handel einer eingehenden Inspection zu unterziehen; auf Grund derselben legte Koller ein detaillirtes Elaborat über die nothwendige Reorganisation dieser Anstalt allerhöchsten Ortes vor, welches nicht nur die vollste Anerkennung erhielt, sondern auf dessen Basis die Reorganisation auch ausgeführt wurde.
Im Jahre 1857 besuchte Koller das eben vollständig organisirte Josephs-Polytechnikum in Pest, und die Oberrealschulen in Pest, Ofen und Preßburg. Im Jahre 1857 wurde Koller über Ansuchen des Ministers des Innern vom Unterrichtsministerium als Repräsentant zu den Berathungen bezüglich der Errichtung von land- und forstwirtschaftlichen Mittelschulen abgeordnet.
Im Jahre 1859 ging Koller im Auftrage seines Ministers nach Graz, wo er das Joanneum und die dortige ständische Oberrealschule einer eingehenden Prüfung unterzog.
Koller, begnügte sich bei solchen Inspectionen nicht mit dem blossen persönlichen Besuche und Augenscheine, sondern legte jederzeit über die Ergebnisse des Befundes genaue und umfassende Berichte vor, die stets von seiner Hand geschrieben waren.
Diese Berichte bestätigen, welch wohltuenden Einfluß es übt, wenn an der Spitze der Unterrichtsbehörde nicht ein bureaukratischer Beamter, sondern ein ausgezeichneter Schulmann steht, welcher die speciellen und oft sehr eigentümlichen Verhältnisse mit dem rechten Maaßstabe zu würdigen versteht.
Koller hat auch wesentlichen Anteil an der Gründung der k. k. Central-Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus in Wien genommen, und diesem rühmlichst wirkenden Institute fortwährend die größte Aufmerksamkeit gewidmet; ihm verdankt unter Anderem in den letzteren Jahren die Anstalt den Ankauf der Bibliothek des ersten Directors derselben, Dr. Carl Kreil; die Einführung der täglichen telegraphischen Witterungsberichte von mehreren gutgewählten Beobachtungsstationen in Österreich; die Erwirkung einer Dotation zur Fortsetzung der Drucklegung der meteorologischen Jahrbücher etc.
Koller's Verdienste um den Staat, besonders um das Unterrichtswesen und die Wissenschaft fanden die allgemeinste Anerkennung, wie es das Vertrauen und die Auszeichnung von Seite des Allerhöchsten Monarchen, des hohen k. k. Staatsministeriums und die ungeschmeichelte Hochachtung und Verehrung von Seite der ihm unterstehenden Lehrkörper, so wie nach seinem Tode die allgemeine Trauer und die warmen, wahrhaft rührenden Nachrufe aller öffentlichen Blätter ohne Unterschied der Farbe beweisen.
Koller war ein durchaus edler, biederer Charakter; als Priester, als Lehrer, Gelehrter und Staatsmann zugleich bewährte er sich in seinem Wirken stets als Mensch im edelsten Sinne des Wortes; „er war, wie sich ein Geschichtsschreiber ausdrückt, die verkörperte Humanität, diese die Triebfeder seines Handelns, die Fortbildung derselben das Ziel seines Strebens; in seinem Geiste fand der Dünkel, in seinem Herzen die Selbstsucht keinen Raum;" bei allen seinen Verdiensten, Auszeichnungen, bei seiner einflußreichen Stellung zierte ihn die einfachste Bescheidenheit; sich nirgends vordrängend, zwang seine anspruchlose Haltung Jedermann Achtung ab; strenge gegen sich, war er höchst milde im Urtheile über Andere; Gerechtigkeit gepaart mit Billigkeit war die Richtschnur seines Handelns; nicht servil gegen Höherstehende, war er sehr herablassend gegen Jedermann, freundlich, dienstfertig; Jemanden einen Gefallen zu erweisen, ein gutes Wort einzulegen, ward ihm Freude; wo er Hilfe, Unterstützung schaffen konnte, ruhte er nicht, bis sie, wenn möglich, gewährt wurde; seinen Verwandten, besonders dürftigen Studierenden und wahrhaft Armen war er stets ein freigebiger Wohlthäter; daher auch die allgemeine Achtung bei Hoch und Niedrig, so daß P. Marian Koller's Name überall den besten Klang hatte, und ehrenvoll in der Geschichte der Kirche, des Staates, der Wissenschaft und ganz besonders in den Annalen des Stiftes verzeichnet bleiben wird.
Koller erfreute sich einer festen und dauerhaften Gesundheit, welche im Laufe von 74 Jahren nur drei wesentliche Störungen erlitt; in seiner Jugend überstand er die Blatternkrankheit; im Jahre 1828 zog er sich auf der Heimreise von seinem Geburtsorte in das Stift durch Verkühlung ein nervöses Fieber zu, von welchem er nach einigen Wochen wieder glücklich vollkommen genas; am 3. Juni 1852 hatte er das Unglück, auf einer Eisenbahnfahrt von Wien nach Brunn am Gebirge beim Aussteigen aus dem Waggon des noch nicht ganz stillestehenden Trains zu stürzen und den rechten Oberarm zu brechen; hätte den Gefallenen nicht ein Eisenbahnwärter schnell genug zurückgezogen, wäre das größte Unglück zu besorgen gewesen. Von diesem Unfalle hatte sich Koller nach einigen Wochen wohl wieder soweit erholt, daß er seinem Amte obliegen konnte, aber eine Schwäche und Empfindlichkeit der Bruchstelle für Witterungseinflüsse erhielt sich noch längere Zeit, welche erst durch den Gebrauch der Bäder in Baden, Teplitz und Pischtian nach Jahren gänzlich gehoben wurde. Obgleich mit zunehmendem Alter die Körperkraft langsam abnahm, war sein Geist frisch, sein Urtheil sicher und scharf, das Gedächtniß sehr getreu, seine Umsicht klar und ungetrübt, sein Eifer im Amte unermüdlich; mit Jünglingseifer hing er im Greisenalter noch an der Wissenschaft und ihrer Pflege. (Am letzten Abende vor seiner Erkrankung beschäftigte ihn noch die Beantwortung einer Frage eines jüngeren Gelehrten über einen astronomischen Gegenstand.)
Am 17. September 1866 wohnte Koller Nachmittags dem Leichenbegängnisse des an der Cholera verstorbenen jubilirten Professors der Naturgeschichte Dr. Friese mit mehreren Freunden und Bekannten des Dahingeschiedenen bei; in der Kirche nahe hinter dem Sarge stehend, ekelte ihn der üble Leichengeruch an; es überfiel ihn ein Schüttelfrost, das Angesicht wurde blaß; sein nächster Begleiter dies bemerkend, fragte: „Herr Hofrath, fehlt Ihnen etwas?" Antwort: „der Geruch ist wirklich ekelhaft! ich werde ins Freie gehen." Koller machte hierauf einen längeren Spaziergang in den Prater, kam vom Schweiße ganz durchnäßt nach Hause, und wechselte die Wäsche; die darauffolgende Nacht war unruhig. Am 18. September arbeitete Koller noch bis tief in die Nacht, als mit Gewalt die Cholera zum Ausbruch kam; der eiligst gerufene Arzt erkannte die höchste Gefahr. Um 10 Uhr Morgens des 19. Septembers wurde der Kranke bei vollem Bewußtsein mit den heiligen Sterbsacramenten versehen.
Um 11 Uhr verlangte Koller Papier und Bleistift; die Umgebung meinte, er wolle eine letztwillige Verfügung niederschreiben. Mit großer Anstrengung und mit Unwillen über seine Unbehilflichkeit schrieb Koller seine letzten schwer entzifferbaren Zeilen :
„Beim Übergange aus dem Allgemeinen in das Fachwissen ..............(diese Worte unleserlich) das man vorfindet."
„Jedes Stück hat eine wissenschaftliche und eine administrative Seite, deßwegen braucht es mehr Zeit als anderswo." Ohne Zweifel beziehen sich diese Gedanken auf die Reorganisirung des Polytechnikums, welche Koller's volle Thätigkeit in letzterer Zeit in Anspruch nahm.
Um Mittag wurde Koller von den Ärzten aufgegeben, Abends 6 Uhr ward er eine Leiche, welche am 21. September Nachmittags in der Augustiner Hofpfarrkirche von dem hochw. Herrn Abte zu den Schotten Othmar Helferstorfer unter der allgemeinsten, aufrichtigsten Theilnahme feierlich eingesegnet und im Matzleinsdorfer Friedhofe zur ewigen Ruhe bestattet wurde.
Koller hatte auf Montag den 23. September seine Abreise von Wien zu einem Besuche in Kremsmünster festgesetzt; der Herr fügte es anders, er ließ ihm sein Stift nicht noch einmal sehen, sondern rief ihn nach wohlgethaner Arbeit zu sich ins bessere Jenseits ab.
Die Kirche hat an Koller einen der gewissenhaftesten Priester, der Staat einen seiner loyalsten, treuesten und eifrigsten Diener, die Wissenschaft einen unermüdlichen Pfleger und Förderer, das Stift Kremsmünster seine größte Zierde verloren.
Er ruhe sanft im Frieden!


Verzeichniss der Schriften
von
Dr. Marian Koller,

wirkliches Mitglied der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien (26. Jänner 1848); wirkliches Mitglied des oberösterreichischen Museums „Francisco-Carolinum" in Linz; correspondirendes Mitglied der k. k. Landwirthschafts-Gesellschaft in Krain; wirkliches Mitglied der k. k. Landwirthschafts-Gesellschaft in Ober-Österreich; Ehrenmitglied der „Academia di scienze, lettere ed arti di Padova": Ehrenmitglied des „Ateneo di scienze, lettere ed arti di Bergamo; wirkliches Mitglied der k. k. Nieder-Österr. Landwirthschafts-Gesellschaft; wirkliches Mitglied der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien; Ehrenmitglied des naturforschenden Vereins in Brünn; stiftendes Mitglied der meteorologischen Gesellschaft in Wien; Mitglied des Wiener „Alterthums-Vereins zu Heidelberg"; wirkliches Mitglied der „astronomischen Gesellschaft"; wirkliches Mitglied mehrerer gemeinnützlicher und wohlthätiger Vereine.

A. In den „Astronomischen Nachrichten",

Biographische Notizen über P. B. Schwarzenbrunner. Bd. VIII.
Beobachtungen der Kometen v. J. 1830 und v. J. 1831. Bd. IX.
Beobachtungen von Sternbedeckungen. Bd. IX.
Abhandlungen „über den Meridiankreis und das neue transportable Äquatoreale" der Sternwarte zu Kremsmünster. Bd. X.
Beobachtungen des Jupiters in den Jahren 1831 bis 1838;
Beobachtungen des Saturnus in den Jahren 1832 bis 1838;
Beobachtungen des Uranus in den Jahren 1831 bis 1838;
Beobachtungen der Vesta in den Jahren 1832 bis 1838;
Beobachtungen des Juno in den Jahren 1832 bis 1838;
Beobachtungen der Pallas in den Jahren 1832 bis 1837;
Beobachtungen der Ceres in den Jahren 1832 bis 1837; in den Bänden X bis XVI.
Beobachtungen des Biela'schen Kometen im Jahre 1832; Bd. XI.
Bestimmung der Längendifferenz zwischen Kremsmünster und Altona aus corresp. Meridian-Mondbeobachtungen. Bd. XI.
Beobachtungen vom Monde und Mondsternen in den Jahren 1832 bis 1838. Bde. XI bis XVI.
Beobachtungen des Mars in den Jahren 1832 bis 1835. Bd. XIII.
Auffindung des Halley'schen Kometen zu Kremsmünster in der Nacht vom 21. zum 22. August im Jahre 1835, und Beobachtungen desselben vom 21. August bis 15. October. Bd. XII bis XIII.
Über die im Jahre 1835 zu Kremsmünster angestellten meteorologischen Beobachtungen. Bd. XIV.
Beobachtungen des Encke'schen Kometen im Jahre 1838. Bd. XVI.
Beobachtung der Sonnenfinsterniss am 15. März 1838. Bd. XVI.
Beobachtungen und Elemente des am 2. December 1839 entdeckten Kometen. Bd. XVII.
Monat- und Jahresmittel des Luftdruckes und der Temperatur vom Jahre 1825 bis 1839 zu Kremsmünster. Bd. XVII.
Höhenunterschied zwischen Krakau und Kremsmünster. Bd. XVII.
Beobachtungen u. Elemente des am 25. Jänn. 1840 entd. Kometen;
Beobachtungen u. Elemente des am 6. März 1840 entd. Komenten;
Beobachtungen u. Elemente des am 26. Octob. 1840 entd. Kometen, Bd. XVIII.
Formeln für den täglichen Gang der Temperatur in den einzelnen Monaten, für den jährlichen Gang, für die Zeiten der höchsten, tiefsten und mittleren Temperatur, aus siebzehnjährigen Beobachtungen zu Kremsmünster abgeleitet. Bd. XVIII. Beob. des am 28. Oct. 1842 von Laugier entdeckten Kometen. XX.
Beobachtung der grossen Sonnenfinsterniß am 7. Juli (astronom.) 1842 zu Kremsmünster. Bd. XX.
Beobachtungen des grossen Kometen vom März 1843;
Beob. des am 3. Mai 1843 von Mauvais entdeckten Kometen. XXI.
Resultate aus den meteorologischen Beobachtungen zu Kremsmünster im Jahre 1845;
Allgemeine meteorologische Resultate aus vieljährigen Beobachtungen zu Kremsmünster;
Beobachtung der Sonnenfinsterniß am 25. April 1846 zu Kremsmünster. Bd. XXV.

B. In Gauß' und Weber's Resultaten des magnetischen Vereins. (Göttingen.)

Beobachtungen der Variation der magnetischen Declination im August- und November-Termine 1839 zu Kremsmünster; Jahrgang 1839.
Beobachtungen der Variation der magnetischen Declination im Februar-, Mai-, August-Termine; der Declination und Horizontal-Intensität im November-Termine des Jahres 1840; Jahrgang 1840.
Beobachtungen der Variation der magnetischen Declination und Horizontal-Intensität an den Terminstagen des Februar, Mai, August und November im Jahre 1841; Jahrgang 1841.

C. In Dr. J. Lamont's Annalen für Meteorologie und Erdmagnetismus. (München.)

Magnetische Terminsbeobachtungen zu Kremsmünster vom October 1840 bis December 1841; Hft. II.
Über die horizontale Intensität zu Kremsmünster; Hft. IV.
Terminsbeobachtungen vom Jänner und Februar 1842 zu Kremsmünster; Hft. VI.
Resultate mehrjähriger zu Kremsmünster angestellten Beobachtungen über die Feuchtigkeitsverhältnisse der Atmosphäre; Hft. X.
Magnetische Terminsbeobachtungen zu Kremsmünster vom März 1842 bis December 1843; Hft. IX.
Meteorologische Terminsbeobachtungen zur Zeit der Aquinoctien und Solstitien zu Kremsmünster im Jahre 1844; Hft. XII.

D. In den Annalen der k. k. Sternwarte zu Wien.

Sternschnuppen-Beobachtungen zu Kremsmünster im Jahre 1839

E. In den „Memoirs of the British Royal astronomical Society".

A Catalogue of 208 fixed stars; Vol. XII.

F. In den Jahresberichten des Museums „Francisco-Carolinum" in Linz.

Berichte über die meteorologischen und magnetischen Beobachtungen zu Kremsmünster vom Jahre 1839 bis 1845; in den Jahrgängen 1840 bis 1846.
Beiträge zu Ortsbestimmungen aus gleichzeitigen Barometer-Beobachtungen.
Abhandlung „über den Gang der Wärme in Oberösterreich" aus zwanzigjährigen Temperaturbeobachtungen (1820 — 1839) zu Kremsmünster, nebst einem Anhange „Untersuchung über die Temperatur des Quellenwassers zu Kremsmünster["]; Jahrg. 1841.
Abhandlung „über die Feuchtigkeitsverhältnisse der Luft" aus, zehnjährigen Beobachtungen (1833—1842) zu Kremsmünster; Jahrgang 1843.

G. In den Denkschriften der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien.

Abhandlung „über die Berechnung periodischer Naturerscheinungen". Bd. I. 1849.

H. In den Jahresheften des naturforschenden Vereins zu Brünn.

Abhandlung „über das Passage-Instrument". 1863.
Abhandlung „über die Theorie des August'schen Heliostaten". 1864.
Beitrag „zur Theorie der Röhrenlibelle". 1864.
Abhandlung „über die Änderungen, welche der Stundenwinkel eines Sternes in einem gegebenen Verticale durch die Fehler des Instrumentes erleidet". 1866.

I. Manuscripte.

1. Beobachtungen am Meridiankreise und deren Reductionen. 25 Bde. (vom Jahre 1831—1847).
2. Beobachtungen am Äquatoreale. 6 Bde. vom Jahre 1831—1843.
3. Tagebücher der meteorologischen Beobachtungen. 18 Bde. (vom Jahre 1830-1847).
4. Magnetische Beobachtungen und Bestimmungen. 20 Bde. (vom Jahre 1839—1847).
5. Abhandlung „über den Meridiankreis",
6. Abhandlung „über das Äquatoreale".
7. Abhandlung „über den Theodolyten".
8. Abhandlung „über das Kreismikrometer".
9. Abhandlung „über die Bestimmung der Polhöhe aus den Durchgangszeiten der Sterne durch den ersten Vertical".
10. Abhandlung „über das Brander'sche Inclinatorium".
11. Abhandlungen „über den Erdmagnetismus und die Bestimmung der Elemente der magnetischen Kraft".
12. Notizen aus einer Reise durch Norddeutschland über Dresden, Berlin, Hamburg nach London und Paris im Jahre 1838.
13. Vorlesungen über „sphärische Astronomie" an der k. k. Universität in Wien von Dr. Marian Koller. 1849.
14. Vortrag „über die Vorausberechnung von Sonnenfinsternissen" gehalten in der Conversation der Mitglieder des Doctoren-Collegiums der philosophischen Facultät in Wien, am 24. November 1855, von Dr. Marian Koller.
15. Vorlesungen „aus der Naturgeschichte" an der philosophischen Lehranstalt zu Kremsmünster (1825—1830), von P. Marian Koller.
16. Vorlesungen „aus der gesammten Physik" an der philosophischen Lehranstalt zu Kremsmünster (1826—1839) von P. Marian Koller.
17. Abhandlung „Bestimmung des Weges eines homogenen Lichtstrahles durch mehrere brechende Flächen".
18. Differenzial- und Integral-Rechnung.
19. Grundzüge der Variations-Rechnung.
20. Integration der partiellen Differenzialgleichungen.
21. Ableitung der Grundformeln der sphärischen Trigonometrie.
22. Vorlesungen Prof. und Dr. Joseph Petzval's:
a) Vorlesungen „Über Mechanik des Himmels". 1850/51.
b) Vorlesungen „Über Mechanik". 1852.
c) Vorlesungen „Über Integration d. linearen Differenzial-Gleich. 1853/54.
d) Vorlesungen „Über Optik". 1854/55.
e) Vorlesungen „Über Dioptrik". 1855/56.
23. Vorlesungen Dr. Karl Hornstein's:
„Über die Theorie der Planeten-Störungen". 1859.
24. Vorlesungen Dr. und Prof. Franz Moth's:
„Über Fourier'sche Reihen und Integrale, und deren Anwendung zur Auflösung höherer Gleichungen." 1863.
25. Vorlesungen von Prof. und Dr. Jos. Stefan:
a) „Theorie der Elasticität". 1862.
b) „Über die Theorie der Wärme". 1862/63.
c) „Über Elektrodynamik und Theorie der Induction". 1863.
d) „Über die Theorie des Lichtes". 1863/64.
e) „Über Interferenz, Beugung, Polarisation". 1864.
26. Vorlesungen von Dr. Theodor Oppolzer: „Über Bahnbestimmungen" 1866.
Ausser diesen Angeführten
a) noch viele Aufsätze über Gegenstände der Mathematik, Physik, Astronomie;
b) Lösungen von Problemen;
c) Erläuterungen und Zusätze zu vielen classischen Werken obgenannter Wissenschaften;
so daß die Zahl sämmtlicher (nicht abgedruckten) Manuscripte Koller's, deren manche sehr umfangreich sind, die Summe von neunzig Numern übersteigt, welche den schönsten Beweis für dessen Eifer und Liebe zur Wissenschaft liefern.


Quellen und Literatur:

RESLHUBER, Augustin, 1867: Marian (Wolfgang) Koller, in: Almanach der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, 17. Jg., Wien, 201-239

Weitere Literatur zu Kollers Biographie:

ANONYMUS, 1866: Marian Wolfgang Koller, in: Vierteljahrsschrift der Astronomischen Gesellschaft, II. Jg., Leipzig, 149-153

BUZOLICH, Vincenzo, 1866: Cenni Biografici nell' occasione delle solenni esequie celebrate il 20 Novembre 1866 nella chiesa di Santa Croce in suffragio dell'or defunto Cav. Mariano Dottor Koller per cura della scuola reale superiore di Spalato, Spalato

PHILLIPS, Edward C., 1913: Marian Wolfgang Koller, The Catholic Encyclopedia, [Electronic version 1997]

PIRINGER, P. Beda, 1867: Nachruf an den hochw. Herrn Ministerialrath Dr. Marian Koller, in: Programm des kaiserl. königl. Gymnasiums zu Kremsmünster für das Schuljahr 1867, 3-4

POGGENDORFF, J. C., 1859: Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften. Barth, Leipzig. Koller, P. Marian: 1,1302.

RESLHUBER, P. Augustin, 1866: Eine Lebensskizze von Dr. Marian (Wolfgang) Koller. Zeitschrift d. Österr. Gesellschaft f. Meteorologie, Wien 1, 353-361. 375-382

SCHUMACHER, H.C. (Hrsg.), 1848: Beförderung (P. Marian Kollers zum Wirklichen k.k. Regierungsrat). Astronom. Nachrichten, 26, 335

WURZBACH, K. (Hrsg.), 1856-1891: Koller, P. Marian, in: Biographisches Lexikon, 12. Wien, 346



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Letzte Änderung: 2012-09-15