Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Jänner 2002


Illinger Ölgemälde, Johann Baptist Illinger darstellend,
pinxit Anna Maria Gürtlerin, ... Styriae anno 1772
Format : 95 x 69 cm

Das Porträt des Sternwarte-Mechanikers Johann Baptist Illinger

Das von Anna Maria Gürtlerin 1772 gemalte Porträt des Sternwarte-Mechanikers Johann Illinger hängt jetzt im Kapellenzimmer. Es stellt den "Turmhansl" - so wurde Illinger von der Bevölkerung in Kremsmünster genannt - dar, wie er an der Teilung eines Fadenmikrometers arbeitet. In der rechten Hand hält er einen Zirkel, in der Linken eine Lupe.
Illinger war gelernter Zimmermann und wurde von P. Eugen Dobler in der Bearbeitung von Messing ausgebildet. Illinger war als Mechaniker der Sternwarte zuständig für den Bau und die Einrichtung und Reparatur von Instrumenten. Daneben fungierte er auch als Beobachter im Bereich der Meteorologie (ab September 1763 stammen die Eintragungen im Klimatagebuch von seiner Hand) und Astronomie.

Klimabuch
Illingers Eintragungen im Klimabuch der Sternwarte
P. Placidus Fixlmillner äußerte sich zweimal schriftlich über ihn:
Im Brief an Bernoulli am 1. Oktober 1780: Heureusement j'ai reçu un Artisan dont le genie et l'habilité sont digne d'étre admirés. Car quoique son metier fusse la charpenterie, il s'est exercé à travailler très élegamment en laton, et il est parvenu par son zéle et son industrie jusqu' à ce qu'il s'est rendu capable de faire des instrumens astronomiques le plus considerables avec toute la précision, pourvu qu'on lui explique bien la construction d'une semblable machine. C'est à l'aide de cet artisan que j'avais été en état de fournir successivement les grandes machines representées dans la planche suivante. (Fellöcker, 58)
und in seinem Werk "Decennium", S. 55: In quo ei fidem adhibendam censeo, quum jam antehac ei saepius permiserim, ut una mecum eclipses satellitum et emersiones stellarum observaret, et alias in altitudinibus solis correspondentibus observandis satis accuratum invenerim. (Fellöcker, 65)

Inschrift am Quadranten
Illingers Inschrift am Quadranten
Illingers Schriftzug
Illingers Schriftzug am Quadranten

In Karl Ehrenbert von Molls Beschreibung des Stiftes Kremsmünsters in Bernoullis Sammlung kurzer Reisebeschreibung 1782 wird ebenfalls des Johann Illingers und seines Sohnes Erwähnung getan. Moll schreibt: "Viele mathematische Instrumente, die sich in der Sternwarte befinden, sind von der Arbeit eines Mannes, der von Anfang nichts weiter als ein Zimmermann war: durch natürliche Anlage und seltene Bemerkungsfähigkeit hat Illinger es unter der Leitung des Prof. Fixlmillner so weit gebracht, daß er nun selbst mathematische Instrumente, z. B. sehr große Mauerquadranten sowohl sehr genau als reinlich verfertigt. Sein Sohn, der nach der Physiognomik betrachtet, sehr wenig verspricht, hat sehr viel Geschicklichkeit im Zeichnen. Er hat zu den Kupferplatten über diese Sternwarte in dem IVten Bande der Bernoullischen Sammlung die Zeichnungen gemacht." (Moll, 313-314)


Quellen und Literatur:

FELLÖCKER, P. Sigmund 1864: Geschichte der Sternwarte der Benediktiner-Abtei Kremsmünster, Linz

FIXLMILLNER, P. Placidus 1776: Decennium astronomicum, continens observationes praecipuas ab anno MDCCLXV ad annum MDCCLXXV in specula Cremifanensi factas una cum calculis, quibus partim ad tabulas astronomicas novissimas referuntur, partim ad definiendam longitudinem et latidudinem ipsius speculae applicantur. Adiectis insuper variis adnotationibus cum ad theoriam tum ad usum calculorum astronomicorum accomodatis, Styrae

MOLL, Karl Ehrenbert von 1783: Briefe an den Herrn Professor Heinrich Sander in Karlsruhe über eine Reise von Kremsmünster nach Moßheim im Salzburgischen. Im Herbste 1780, Erste Abteilung. Reise bis Salzburg, in: Bernoulli, Johann, Sammlung kurzer Reisebeschreibungen und anderer zur Erweiterung der Länder- und Menschenkenntnis dienender Nachrichten, Jg. 1783, 11. Bd. Berlin, 283-358

ZINNER, Ernst, Deutsche und niederländische astronomische Instrumente des 11. - 18. Jahrhunderts, 2. Aufl. München 1972, S. 396-397


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Letzte Änderung: 2014-01-02