Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Oktober 2003


Spiegelteleskop Spiegelteleskop nach Gregory von P. Eugen Dobler, 1771
Maße: Holzkästchen: 21,5 x 9,5 x 7,5 cm,
Länge des Tubus incl. Okularrohr: 245 mm,
Spiegeldurchmesser: Objektivspiegel: 37 mm, Fangspiegel: 12,5 mm,
Tubusdurchmesser: 43 mm
Inv. Nr.: Fell. 133, 11100807
Foto: P. Amand Kraml


Spiegelteleskop nach Gregory von P. Eugen Dobler

P. Eugen Dobler aus Irsee in Bayern war in den Jahren 1746 - 1761 als Lehrer für Physik und als Kustos der Mathematischen Stube in Kremsmünster. 1761 musste er auf Befehl seines Abtes in sein Heimatkloster Irsee zurückkehren.

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Spiegelteleskop
Die Schatulle dient der Aufnahme des Gerätes und als Fuß für das Stativ.
Foto: P. Amand Kraml

Im Jahr 1771, am 10. Juni, wurde Erenbert Meyer zum Abt unseres Stiftes gewählt. Dobler und Erenbert waren fast Altersgenossen und mehrere Jahre auch Kollegen an der hiesigen Ritterakademie. Den ersten Namenstag des Abtes (24. Juni) nahm Dobler zum Anlass, dem neugewählten Abt zusammen mit freundlichen Wünschen dieses kleine Spiegelteleskop nach Gregory zu verehren.

James Gregory (1638 - 1675) war schottischer Mathematiker. Er beschreibt sein Spiegelteleskop in dem Werk Optica promota 1663. Im Gegensatz zum Newton'schen Spiegelteleskop hat der Objektivspiegel in seiner Mitte ein Loch. Die einfallenden Strahlen werden vom Objektivspiegel auf den kleineren Fangspiegel reflektiert. Dieser, in der optischen Achse verschiebbar montiert, wirft das Licht durch die Öffnung des großen Spiegels. Sein reelles Bild wird durch das mit Linsen bestückte Okular betrachtet. Das Gerät liefert ein aufrechtes Bild, was seine Einsatzmöglichkeiten natürlich erweitert.
Unser Spiegelteleskop hat ein einlinsiges Okular mit einer Filterscheibe für die Sonnenbeobachtung.

Ein ganz ähnliches Spiegelteleskop, als dessen Hersteller John Dollond in London genannt wird, wird im Deutschen Museum in München gezeigt (Inv. Nr. 35974). Es ist ganz leicht möglich, dass dieses das Vorbild für P. Eugen Dobler war.

Es sei hier angemerkt, dass sich die Spiegel unseres Gerätes in einem erstaunlich guten Zustand befinden. Es kann daher durchaus noch als voll funktionsfähig bezeichnet werden.



Quellen und Literatur:

FELLÖCKER, P. Sigmund, Physikalisches Cabinett, Catalog, [MS] Kremsmünster 1871

FELLÖCKER, P. Sigmund, Geschichte der Sternwarte der Benediktiner-Abtei Kremsmünster, Linz 1864

KRAML, P. Amand, P. Eugen Dobler OSB. Mathematiker, Naturforscher, Tierpräparator und Gründungsmitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, in: Katholische Aufklärung im Benediktinerreichsstift Irsee. Hrsg. von Markwart Herzog, Alois Schmid, Irseer Schriften N. F. 13, Konstanz – München 2018, 171-187

RABENALT, P. Ansgar, P. Eugenius Dobler OSB und Kremsmünster, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktiner-Ordens und seiner Zweige, hrsg. von der Bayerischen Benediktinerakademie, Bd. 93 Jg. 1982, Heft III-IV, St. Ottilien 1982, S. 959-1009

SEIPEL, Wilfried, Mensch und Kosmos. OÖ. Landesausstellung 1990, Bd. II, Linz 1999

ZINNER, Ernst, Deutsche und niederländische astronomische Instrumente de 11. - 18. Jahrhunderts, 2. Aufl. München 1972


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(c) P. Amand Kraml 2003-10-14

Letzte Änderung: 2017-12-03