Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

August 2007


Dr. August Genczik
Ölgemälde Dr. August Genczik darstellend
Foto: P. Amand Kraml


Ölgemälde Dr. August Genczik darstellend

Wir haben bereits im August 2004 und im Zusammenhang mit der Sammlungsgeschichte von Dr. August Genczik berichtet. Seit einigen Monaten hängt nun das Bild des Afrikaforschers in den Arbeitsräumen der Direktion. Aus den Zugangsberichten des Zoologischen Kabinetts im Jahresbericht des Gymnasiums sind wir davon unterrichtet, dass "Herr Notar Alfred Fischer-Colbrie ... dem Kabinette ein Ölporträt unseres einstigen Wohltäters Dr. August Genczik" 1815 spendete. (Angerer, 27)

Zur Charakterisierung Gencziks sei hier die Beschreibung von P. Beda Pieringer angefügt. Er schreibt als Chronist des Stiftes Kremsmünster am 19. April 1859:
„Im Flaus, mit ledernen Beinkleidern und Wasserstiefeln tritt er auf, sein Charakter gleicht seinem Anzüge: einfach, derb, gerade, ehrlich, mit dem gesündesten, praktischen Verstände, nicht ohne Schalkheit, die sich am liebsten gegen Zimpferlichkeit und theoretische Aufgeblasenheit äußert, ohne bestimmte Heimat, er ist überall daheim und heimisch, wo es gute und redliche Menschen gibt. Sein bester Paß ist seine ganze Persönlichkeit, seine liebste Unterhaltung Sport jeder Art, besonders Angelfischerei, und in Ermanglung Lektüre naturwissenschaftlicher Werke oder was sonst eine kräftige Gedankenkost bietet. Morgenländische Sprachen lernte er praktisch, wie man sagt, mit großer Leichtigkeit; und, wir möchten fast sagen, ein halber Beduine, wie er ist, geht er von Europa nach Afrika und von Afrika nach Europa. Daß er nicht unglücklich ist, ist gewiß, ob er glücklich sei, wird er selbst am besten wissen; manchem dünkt, er sei bei aller scheinbaren Rauheit sehr zartfühlend."

Recht gut scheint auch die Geschichte Genczik zu charakterisieren, die Angerer von Nordmann übernimmt: Ein deutscher Gelehrter „aus dem Reiche" kam auf dem Donaudampfer mit Doktor Genczik, der „einen brummigen Tag" hatte, zusammen, erfuhr vom Kapitän von den Weltfahrten Gencziks und wollte durchaus ein Gespräch mit dem interessanten Manne anfangen. Durch viele Kreuz-und Querfragen, die Genczik möglichst kurz beantwortete, brachte er heraus, daß jener auf einer wissenschaftlichen Reise nach Neapel begriffen sei. Der Gelehrte fragte nun hartnäckig und zudringlich nach dem Zwecke dieser Reise und wurde von Genczik unter allgemeinem Gelächter mit der Äußerung abgefertigt, er habe unten eine neue Bohrmaschine für Makkaroninudeln einzuführen. (Angerer, 24-25);


Quellen und Literatur:

ANGERER, P. Leonhard 1910: Dr. Genczik, in: 60. Programm des kais. kön. Obergymnasiums der Benediktiner zu Kremsmünster für das Schuljahr 1910, Linz, 3-28

ANGERER, P. Leonhard 1915: Naturhistorische Sammlungen, in: 65. Programm des kais. kön. Obergymnasiums der Benediktiner zu Kremsmünster für das Schuljahr 1915, Linz, 26-28

FELLÖCKER, P. Sigmund 1864: Geschichte der Sternwarte der Benediktiner-Abtei Kremsmünster, Linz

KRAML, P. Amand 1997: Die Sammlungen der Sternwarte Kremsmünster. Sieben Objekte als Spiegel der Sammlungsgeschichte zwischen Kuriositätenkammer und Museum eines Museums, Linz

KRAML, P. Amand 2008: 250 Jahre Sternwarte Kremsmünster, in: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster 151. Jahresbericht, 33-83, Thalheim

NORDMANN, Johannes 1804: Ein Original, in: Waldheims Illustrierten Blättern, 1804, 205

PIERINGER, P. Beda: Stiftschronik, Kremsmünster, Stiftsarchiv


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(c) P. Amand Kraml 2007-06-19
Letzte Änderung: 2010-11-09