Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

September 2007


Doppelmayr-Globen
Himmels- und Erdglobus von J. G. Doppelmayr
Foto: P. Amand Kraml


Erd- und Himmelsglobus von Johann Gabriel Doppelmayr

Beschreibung aus P. Daniel Sihorsch, Die Globensammlung der Sternwarte Kremsmünster, ADV-Berichte 36:

Johann Gabriel DOPPELMAYR (1671-1750) Geboren 1671 in Nürnberg[1], wo er am 30. 9. 1677 [2] getauft wurde. Am 1. 12. 1750 starb er in seiner Heimatstadt. Ab 1704 lehrte er als Professor der Mathematik am Gymnasium Aegidianum in Nürnberg. Er war Mitglied zahlreicher gelehrter Gesellschaften Europas und hatte im Verlag Homann den Posten eines wissenschaftlichen Beraters inne. Er schrieb eine "Einleitung in die Geographie" (1714), verfasste seine inhaltsreiche "Historische Nachricht von den Nürnbergischen Mathematicis und Künstlern" (1739) und gab 1742 einen "Atlas coelestis" heraus [3]. Daneben betätigte sich Doppelmayr auch als Übersetzer mathematischer und astronomischer Werke des französischen Mathematikers Nicolai Bion. Die von ihm angefertigten Globen zeugen von der hohen Qualität seiner Arbeiten. Dabei zählen sie, besonders die mit einem Durchmesser von 32 und 19,5 cm, zu den meist verbreiteten der deutschen Produktion.
Als Stecher scheint oft der Name des Nürnbergers Johann Georg Puschner (1680-1749) auf, der ebenso Feinmechaniker war und wahrscheinlich auch die Kugeln und die Armierung gefertigt hat [4].

Doppelmayr-Globen
Inschrift des Erdglobus
Foto: P. Amand Kraml
12. ERDGLOBUS, Nürnberg 1728,
Durchmesser 32 cm; (alte Nummer: 14)
HÖHE: 46 cm
KARTENBILD: Kolorierter Kupferstich - 12 Segmente, am Äquator geteilt, Polkappen ab 85°. KUGEL: Papiermaché mit Gipskreidegrund.
MERIDIANRING: Messing mit Gradteilung, Stundenring und Stundenzeiger.
HORIZONTRING: Holz, achteckig, aufgeklebter Stich (vierteilig) zeigt: Gradteilungen, Tierkreiszeichen (Symbole), Kalender: Monatstage, Monate (lat.) des Julianischen ("Calend. Iuliani") und des Gregorianischen ("Calend. correcti et Gregoriani") Kalenders, Monatstage, christl. Fest- und Heiligentage, 32 Himmelsrichtungen (4 Hauptrichtungen lat., die anderen deutsch).
GESTELL: Holz, vierbeinig mit Bodenplatte.
INSCHRIFT: GLOBUS TERRESTRIS, / in quo locorum insigniorum situs ter- / raeque facies, secundum praecipuas celeber- / rimorum nostri aevi Astronomorum et Geographorum observationes / opera / IOH. GABR. DOPPELMAIERI / Mathem. Prof. Publ. Norib. / exhibentur, concinnatus / á / Ioh. Georg Puschnero / Chalcographo Norib. / A. C. / 1728. (im nordöstlichen Pazifik: 202°-248°, 39°-62°N, Kartusche aufgeklebt).
Doppelmayr-Globen
Kartusche am Nullmeridian
Foto: P. Amand Kraml
Erläuterung des Nullmeridians: Exprimit Glo- / bus hic noster quicquid / Geographia recens ex Obser- / vationibus fide dignis suppeditat, / tam in situ locorum plurium, quam / in terrarum, novarum etiam, marium- / que ambitu. Meridianus primus / per Insulam Fer inter Canarias / (quae olim Fortunatae dicebantur) oc- / cidentalissimam ductus, á quo Pa- / risensis Meridianus, probatissi- / marum Observationum testimo- / nio, 20 Gradibus, Noriber- / gensis vero 28 Gr. 40 / Min: distat. (auf der Südhalbkugel, westl. von "Nova Zelandia").
BESCHREIBUNG: Die Globen Doppelmayrs bieten ein kritisch überprüftes Kartenbild, "das aus den besten und aktuellsten damals erreichbaren Quellen erstellt wurde. Gerade in Amerika zeigen sich zahlreiche neue Eintragungen, Kalifornien endlich wieder als Halbinsel und das Mississippi-Gebiet aufgrund der Erfahrungen von René-Robert de La Salle (1687). Spitzbergen wird (...) richtig als Insel wiedergegeben." [5] "Im Pazifik sind mehrere Routen von Forschungsreisen wiedergegeben, etwa jene Ferdinand Magellans (1519-1522), Olivier van Noorts (1600), Abel Tasmans (1642, 1644) und Jacob Roggeveens (1722)." [6]
In den verschieden kolorierten Ländern erscheinen Bäume und Berge als sprechende Signaturen. Äquator, Ekliptik, Polar- und Wendekreise weisen eine rot-schwarze Gradteilung auf. Der Nullmeridian, der die Insel Ferro kreuzt, wird in einer aufgeklebten Kartusche erläutert. Diese Kartusche wird von 12 Medaillons mit Porträts berühmter Forschungsreisender umrahmt. Eine spätere Auflage in den 1790er Jahren fügt ein Bildnis Cooks hinzu.

Doppelmayr-Globen
Inschrift des Himmelsglobus
Foto: P. Amand Kraml
13. HIMMELSGLOBUS, Nürnberg 1728, Durchmesser 32 cm; (alte Nummer: 6)
GEGENSTÜCK zum EG von 1728 Nr. 12
HÖHE, KUGEL, HORIZONTRING und MERIDIANRING: identisch mit Nr. 12
KARTENBILD: Kolorierter Kupferstich - 12 Segmente bis zu den Ekliptikpolen, an der Ekliptik geteilt. GESTELL: Holz, vierbeinig, mit Bodenplatte, Öffnung für Kompass, der jedoch fehlt. INSCHRIFT: GLOBUS / COELESTIS NOVUS / Stellarum fixarum Loca secundum / celeberrimi Astronomi Dantiscani / IOHANNIS HEVELII / Catalogum ad anum Chr. 1730 compl. sistens, / opera / IOH. GABR. DOPPELMAIERI. M.P.P. / exhibitus / à Iohanne Georgio Puschnero / Chalcographo Noribergensi. / A.C. 1728. (nordöstlich des Phoenix: 350°-10°, 26°-39°S; Kartusche aufgeklebt).

Globus weist Sterne bis zur 6. Größe sowie Nebel aus.
"Sie sind zusammengefasst in 84 Konfigurationen, nämlich: 48 ptolemäische, 'Antonius' und 'Coma Berenices', 4 des Plancius, 14 von Keyser und Houtman, 'Robur Carol.' nach Halley, 13 des Hevelius; dazu gibt es Sternbildteile mit eigenem Namen und zwar 'Caput Medusae' und 'Procyon'. Die künstlerische Gestaltung dieser Bilder, obwohl diese teilweise nur angedeutet sind, weist Parallelen zu Dürers beiden Sternkarten von 1515 auf. Die Sternpositionen, von Doppelmayr für das Jahr 1730 adaptiert, entsprechen ebenso wie die Bilder den Angaben des Hevelius."
Mehrere Kometenbahnen treten als punktierte Linie mit Datums- und Namensangaben auf, z.B. 1590 Tycho Brahe, 1607 und 1618 Kepler, 1632, 1635 und 1683 Hevelius.
Manche Globen müssen trotz der aufscheinenden Jahreszahl 1728 als Herstellungszeit von einer späteren Auflage stammen, da auf ihnen auch der Weg des Kometen von 1744 zwischen Pegasus und Andromeda eingezeichnet ist. Jene Kometenbahn kann auch - wegen ihrer parabolischen Form - nicht vorausberechnet worden sein. Auf unserem Globus ist diese Bahn nicht eingezeichnet. Darüber hinaus findet sich auf dem Meridianring keine Eingravierung, die auf eine spätere Ausgabe hindeuten würde.

Anmerkungen:
[1] Vgl. FAUSER, 80; vgl. ZINNER, 292.
[2] Wird auch als Geburtsjahr angegeben: vgl. WAWRIK, HÜHNEL, 70.
[3] Vgl. Ebd.
[4] Vgl. FAUSER, 80.
[5] WAWRIK, HÜHNEL, 70.
[6] WAWRIK, HÜHNEL, 71.


Quellen und Literatur:

FAUSER, Alois, Ältere Erd- und Himmelsgloben in Bayern, Stuttgart 1964.

SIHORSCH, P. Daniel 1997: Die Globensammlung der Sternwarte Kremsmünster, ADV-Berichte 36, Kremsmünster

WAWRIK, Franz, HÜHNEL, Helga, Das Globenmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek, in: DER GLOBUSFREUND, Nr. 42, Wien 1994, 4-188.

ZINNER, Ernst, Deutsche und niederländische astronomische Instrumente des 11.-18. Jahrhunderts, München 2. Aufl. 1972.


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(c) P. Amand Kraml 2007-10-03
Letzte Änderung: 2008-03-21