Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Juni 2010


Schleuderpsychrometer
Schleuderpsychrometer
Thermometerlänge: 14 cm, Gesamt: 18 x 25 cm
Skalen in Grad Celsius
Eisen, Glas, Quecksilber, Baumwollstrumpf, Holz
Inv. Nr.: 11041601
Foto: P. Amand Kraml


Schleuderpsychrometer

Schleuderpsychrometer
Links: trockenes Thermometer,
rechts : feuchtes Thermometer mit Baumwollstrumpf
Die Differenz der beiden Temperaturen ist ein Maß für den Dampfdruck, aus dem man die relative Luftfeuchtigkeit errechnet.
Foto: P. Amand Kraml
Ein Schleuderpsychrometer ist ein relativ einfaches und präzises Gerät zur Bestimmung der Luftfeuchtigkeit. Es besteht aus einem Rahmen, in dem zwei Thermometer eingespannt sind. Mit Hilfe einer Schnur oder eines ratschenförmigen Handgriffs wird das Psychrometer kreisförmig bewegt, sodass an den Thermometerkugeln viel Luft vorbeiströmt. Die beiden Thermometer sind nun dergestalt eingerichtet, dass eines der beiden einen Baumwollstrumpf über die Quecksilberkugel gestülpt hat. Der Strumpf wird zum Messen mit destilliertem Wasser nass gemacht. Man bewegt im Luftstrom also ein trockenes und ein sogenanntes feuchtes Thermometer. Die Temperaturdifferenz zwischen den beiden ist ein Maß für den Dampfdruck des Wasserdampfes in der Luft. Mit Hilfe der Sprung'schen Formel kann dieser Dampfdruck errechnet werden. In Tabellen schlägt man die relative Feuchtigkeit nach. Solche Schleuderpsychrometer wurden und werden gerne verwendet, da deren Einsatz, wie schon Assmann 1884 (Assmann, 156) anführt, die denkbar billigste Methode darstellt, Lufttemperatur und die relative Luftfeuchtigkeit zu messen.
An den Artikel von Assmann wurde von der Redaktion der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie die Fußnote angefügt: Capt. Rung in Kopenhagen hat ein sehr handliches Schleuderpsychrometer mit Kurbel und Uebersetzung hergestellt (Assmann 162).

Wann unser Schleuderpsychrometer angeschafft wurde, konnte zur Zeit noch nicht recherchiert werden. Leider ist es nicht vollständig, denn das trockene Thermometer ist wohl einmal in Bruch gegangen. Irgendjemand hat in der Vergangenheit versucht, das Gerät wieder - zumindest für das erste Hinschauen - zu komplettieren. Offensichtlich hatte man nur ein (für diesen Zweck völlig ungeeignetes) altes Strahlungsthermometer mit einigermaßen brauchbarer Größe bei der Hand. Wir wollen dieses kleine Strahlungsthermometer mit Reaumur-Skala bald als Objekt des Monats vorstellen.
Für die Präsentation hier haben wir als trockenes Thermometer ein Thermometer eingesetzt, dass dem ursprünglichen wohl einigermaßen entsprechen wird. Es ist ja anzunehmen, dass man für trockenes und feuchtes Thermometer zwei gleiche Instrumente verwendet hat. Dass das erhaltene als feuchtes Thermometer eingesetzt war, ergibt sich aus der Tatsache, dass der Faden zum Befestigen des Strumpfes noch darauf vorhanden ist. Der Baumwollstrumpf, der am Foto zu sehen ist, wurde von uns neu angebracht, um die Funktion dieses Schleuderpsychrometers zu prüfen.
Es hat sich gezeigt, dass man bereits nach zwei Minuten "schleudern" die maximale Temperaturdifferenz an den beiden Thermometern erreicht, die der tatsächlichen relativen Luftfeuchtigkeit entspricht.


Quellen und Literatur:

ASSMANN, R., 1884: Das Schleuderpsychrometer, in: Zeitschrift der Österr. Gesellschaft für Meteorologie, red. J. Hann, XIX. Band, Wien, 154-162


Eine kurze Übersicht zur Geschichte der meteorologischen und geophysikalischen Beobachtungen an der Sternwarte finden Sie auf der Seite zum Objekt des Monats Februar 2002, einen umfangreicheren Beitrag finden Sie auf einer eigenen Internetseite.

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(c) P. Amand Kraml 2010-10-16
Letzte Änderung: 2012-02-21