Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

November 2010


Heliograph
Sonnenscheinautograph
Basis: 19 x 18 cm, Höhe: 20 cm, Kugeldurchmesser: 10 cm
Gusseisen, Messing, Glas, Papier
Inv. Nr.: 11110704
Foto: P. Amand Kraml


Heliograph, Sonnenschreiber

Der Begriff Heliograph wurde bei uns immer für den Sonnenscheinautographen verwendet. Es handelt sich dabei um ein Gerät, das auf einfache Weise die Zeit der Sonnenscheindauer selbständig aufschreibt. Dafür wirkt die große Glaskugel als Brennglas, die nach Süden gerichtet so aufgestellt ist, dass den ganzen Tag die Sonnenstrahlen einen speziell präparierten Papierstreifen anbrennen. Der Papierstreifen hat eine Stundenskala aufgedruckt, so kann an Hand der eingebrannten Spur die Zeit der Sonnenscheindauer abgelesen werden. Da im Lauf des Jahres die Höhe der Sonne variiert, werden je nach Jahreszeit unterschiedliche Registriersreifen in unterschiedlicher Position eingespannt: der längste Streifen in der untersten Führungsrinne für den Sommer, der kürzeste oben für den Winter. Nach Sonnenuntergang wurde täglich der Streifen gewechselt. Mit dem Jahr 1883 begannen an der Sternwarte die Messungen der Sonnenscheindauer mit einem Sonnenschein-Autographen nach Campbell und Stockes. Bis zum April 2008 waren Messgeräte dieses Typs in Verwendung. Seit 1987 übernimmt die TAWES (=Teilautomatische Klimastation) die Messung der Sonnenscheindauer in digitaler Form im Minutentakt.

Protokollbuch Von 1884 bis zum 31. Dezember 1904 hat der Sternwarte-Mechaniker Franz Ecker die registrierten Sonnenstunden in ein Protokollbuch eingetragen, das im Direktions-Archiv der Sternwarte verwahrt ist.

Aufzeichnung der Sonnenstunden Zusammenstellung der Sonnenscheinstunden (4h Früh bis 8h Abends) vom Juli 1887:
31 Tage mit Sonnenschein, Innerhalb von 398 Stunden hat die Sonne 329,9 Stunden gescheint.


Quellen und Literatur:

BIDER, M. 1958: Über die Genauigkeit der Registrierung des Sonnenscheinautographen Cambell-Stockes, in: Archiv für Meteorologie Geophysik und Bioklima, Serie B, Bd. 9, Wien,

ECKER, Franz, 1884..: Sonnen-Autograph 1884 - 31 Dec. 1904, MS Direktions-Archiv der Sternwarte Kremsmünster

KRAML, P. Amand 2001: Geschichte der Wetterbeobachtung in Kremsmünster, Festvortrag anläßlich der Jahresversammlung der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie, ÖGM-bulletin 2001/1, Wien, 4-10

KRAML, P. Amand 2012: 250 Jahre Wetterbeobachtung an der Sternwarte Kremsmünster, in: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster, 155. Jahresbericht, 33-44


Eine kurze Übersicht zur Geschichte der meteorologischen und geophysikalischen Beobachtungen an der Sternwarte finden Sie auf der Seite zum Objekt des Monats Februar 2002, einen umfangreicheren Beitrag finden Sie auf einer eigenen Internetseite.

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(c) P. Amand Kraml 2010-10-22
Letzte Änderung: 2012-06-15