Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Juli 2012


Reisemikroskop
Reisemikroskop von Simon Plössl, Wien
Messing, Eisen, Holz, Leder, Glas
Größe Schatulle: 19 x 15 cm, Gesamthöhe: 39 cm
Inv. Nr.: Fell Optik 121, 12013009
Foto: P. Amand Kraml


Reisemikroskop von Simon Plössl, Wien

Reisemikroskop
Reisemikroskop von Simon Plössl, Wien
Foto: P. Amand Kraml
Schatulle mit Reisemikroskop
Schatulle mit eingeräumtem Reisemikroskop
Foto: P. Amand Kraml
Dieses Reisemikroskop von Plössl in Wien wurde 1850 von Abt Thomas Mittendorfer aus dem Nachlass von P. Basil Schönberger in die physikalischen Sammlungen der Sternwarte übergeben. So gibt die zum Teil beschädigte Aufschrift an: Nro. 2, Abt Thomas dem physikalischen Cabinete des Stiftes Kremsmünster, 1850. Ein weiteres solches Reisemikroskop kam laut Katalog des Physikalischen Kabinetts von P. Sigmund Fellöcker 1856 zwei Jahre nach dem Tod des Hobby-Entomologen P. Nonnos Altwirth ebenfalls durch Abt Thomas in die Sternwarte. Im Katalog vermerkt Fellöcker bei beiden Mikroskopen einen Preis von 50 fl. Das könnte auch der Betrag gewesen sein, den Plössl zu jener Zeit für das Gerät verlangte, als es in die physikalischen Sammlungen der Sternwarte gekommen war.
Das im Mineralogischen Kabinett ausgestellte Reisemikroskop von Schönberger ist bezeichnet als Pater Sigmund Fellöckers Arbeitsmikroskop. Für die Verwendung durch P. Sigmund Fellöcker haben wir noch keinen ganz konkreten Nachweis, es ist aber recht wahrscheinlich, da sich ja beide eingehend der Mineralogie gewidmet haben.

Bei unserem Gerät handelt es sich auf den ersten Blick um das von Plössl in seinem Neuesten Verzeichnis 1834 unter Nr. 4 angeführte: 4. Kleineres zusammengesetztes Reise-Mikroskop mit einem auf den Deckel des Futterals aufzuschraubenden Fusse, dessen Körper auf horizontalem beweglichen Arme stehet; mit einem durch Triebwerk gegen die Linsen beweglichen Objecttische mit offener Federklammer; einem Ocluare und drei achromat. Objectivlinsen zum Uebereinanderschrauben; einem beweglichen concaven Reflexionsspiegel für transparente Objecte, dessen schwarze Rückseite nebst einer beweglichen Beleuchtungslinse zum Aufstecken, zur Beleuchtung opaker Objecte dient. Einem flachen und concaven Glase für flüssige und trockene Objecte; einer Objectnadel zum Aufstecken und einer messingenen Pincette; zwei Objectenschieber mit acht Probeobjecten. Die drei verschiedenen Vergrößerungen sind: 25, 60 und 100 Mal linear, oder 625, 3600 und 10000 Mal der Fläche. Alles in einem mit Sammet gefütterten Futteral von Maroquin. 40 fl. (Sp. 251)

Trieb des Mikroskops
Der Trieb bewegt nicht den Tisch sondern den Tubus
Foto: P. Amand Kraml
Plössl-Reisemikrokop
Gravur von Simon Plössl
Foto: P. Amand Kraml
Einen entscheidender Unterschied stellt allerdings der Trieb dar. Bei unserem Mikroskop wird nicht der Tisch sondern der Tubus bewegt.
Die messingene Pinzette fehlt hier wohl. Wann Schönberger sein Mikroskop erworben hat, konnte noch nicht nachgewiesen werden.


Quellen und Literatur:

ANONYMUS 1837: Biographische Notizen über Simon Plössl, in: Zeitschrift für Physik und verwandte Wissenschaften Hrsg.: A. Baumgarten, 4. Bd. 1837, Wien, 379-384

BANCHER, E., J. HÖLZL & KOTLAN, F 1968: Georg Simon Plößl (Eine Kurzbiographie in Zeugnissen seiner Zeitgenossen), in: Technikgeschichte 35, Wien, 127-147

FELLÖCKER, P. Sigmund o. J.: Physikal. Cabinet. Instrumente und Experimente MS, Archiv der Sternwarte

FELLÖCKER, P. Sigmund 1871: Physikalisches Cabinet. Catalog 1871, MS im Archiv der Sternwartedirektion

HÖLZL, J., E. BANCHER & F. KOTLAN, F. 1969: Simon Plößl (1794-1868) Optiker und Mechaniker in Wien (Zur Entwicklungsgeschichte der Plößl-Mikroskope). Blätter für Technikgeschichte 31, Wien, 45-89

KOTLAN, Franz 1969: Der Optiker Simon Plößl, Vortrag gehalten am 18. Dezember 1968, in Schriften des Vereins zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse Wien, 109. Bd, Wien, 1-24

PLÖSSL, Simon 1831: Verzeichniss der von Herrn Plössl in Wien verfertigten Instrumente, Beilage zu Nr. 188 der Astronomischen Nachrichten, Bd. 8 hrsg. v. H. C. Schuhmacher, Altona, 381-386

PLÖSSL, Simon 1831: Neues Verzeichniss der gangbarsten optischen Apparate, welche von G. S. Plössl, Optiker und Mechaniker in Wien, ... verfertiget werden, Beilage zu Nr. 188 der Astronomischen Nachrichten, Bd. 8 hrsg. v. H. C. Schuhmacher, Altona, 386-392

PLÖSSL, Simon 1834: Neuestes Verzeichniss der optischen Apparate, welche von G. S. Plössl, Optiker und Mechaniker in Wien ... verfertiget werden, Beilage zu Nr. 254 der Astronomischen Nachrichten, Bd. 11 hrsg. v. H. C. Schuhmacher, Altona, 245-252

PLÖSSL, Simon 1844. Verzeichniss der optischen Apparate, welche von Simon Plössl, Optiker und Mechaniker in Wien ... verfertiget werden, Annalen der k. k. Sternwarte in Wien nach dem Befehle Seiner k. k. Majestät auf öffentliche Kosten hrsg. v. C. L. Littrow, 23. Theil, NF. 3. Bd. Wien, 126-134

STEINER, E. & SCHULZ, P. 2006: Plössl-Mikroskpe - ein Vergleich mit modernen Geräten, in: Ann. Naturhist. Mus. Wien, 107B, Wien, 39-55


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Letzte Änderung: 2018-11-15