Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

März 2014


Telemetre

Glasrohr, verschmolzen mit Papierskala und Schwimmer aus zwei Silberplättchen,
in Metallhülse mit Sichtschlitz,
Gesamtlänge: 19 cm, Durchmesser der Metallhülse: 1,5 cm, Inv. Nr.: 14030101
Foto: P. Amand Kraml


Distanzmesser von Le Boulengé

Oberer Teil der Glasröhre, aus der Metallhülse herausgenommen.
Linse von de Piere
Aufschrift der Erzeugerfirma: Ch. Tilliere à Bruxelles. 1875
Teil der 38stelligen Skala und Schwimmer
Linse von de Piere
Aufschrift: Télémètre Le Boulengé
BREVETÉ No 43
Teil eines blaufarbenen Stempels
Linse von de Piere
Hier ist der bewegliche Schwimmer noch besser zu sehen.
Fotos: P. Amand Kraml

Etwas unerwartet findet sich im Depot der doch eher pazifistischen Physikalischen Sammlungen der Sternwarte ein militärisches Messinstrument, das die Erfindung eines belgischen Majors - P. Le Boulengé - darstellt. Funktion und Aufbau dieses Instrumentes lassen sich wohl am besten mit Hilfe der Beschreibung von F. R. Helmert schildern:
Die Idee des Instruments besteht darin, die zwischen dem Sichtbarwerden des Feuers eines Schusses und dem Hörbarwerden des Schalles verstreichende Zeit so zu markieren, dass die Entfernung daraus bestimmt werden kann. Zu dem Zwecke besteht dasselbe aus einer sorgfältig kalibrirten Glasröhre von etwa 1 cm Weite, die mit Schwefeläther gefüllt und an beiden Enden zugeschmolzen ist. In der Glasröhre befindet sich ein Läufer, bestehend aus zwei durch ein kurzes Stäbchen verbundenen Silberscheibchen, welche den Röhrenquerschnitt nahezu ausfüllen. Bei horizontaler Stellung der Röhre ist der Läufer in Ruhe, bei verticaler bewegt er sich mit gleichförmiger Geschwindigkeit abwärts. Die Röhre ist ähnlich gefasst wie eine Libellenröhre und mit einer auf Papier gedruckten gleichförmig getheilten Scale versehen, welche an der dem Schlitze der Fassung gegenüberstehenden Seite der Röhre angeklebt ist und durch dieselbe hindurch abgelesen wird. Die Bewegung des Läufers ist so geregelt, dass 25m Distanz 1mm Scale entsprechen.
Die Temperaturverschiedenheiten, welche bekanntlich die Schallgeschwindigkeit stark beeinflussen, sind gewissermaassen compensiert durch Construction und Wahl des Materials der einzelnen Theile des Instruments...
(HELMERT, 401)
Die Gasblase, die auf den kleinen Bildern links gut zu sehen ist, soll laut Beschreibunng in Dingler's Polytechnischem Journal (S. 196) die Verwendung bis zu einer Temperatur von 50° erlauben, ohne dass das Glasrohr zu Bruch geht.
Dieser Distanzmesser wurde in drei Bautypen verschiedener Länge von der Agencie Ch. Tillière et Cie, 30, rue Plattenstein, à Bruxelles verfertigt. Bei unserem Instrument handelt es sich um den größten Bautyp, den Artilleriedistanzmesser für Entfernungen bis 4000m, der zu einem Preis von 20 Fr ohne Etui feilgeboten wurde.
Wir haben dieses kleine Instrument von einem Freund der Sternwarte zusammen mit einer größeren Anzahl von meteorologischen Geräten als Geschenk erhalten.



Quellen und Literatur:

HELMERT, F. R. 1876: Der Distanzmesser von Le Boulengé, in: Zeitschrift für Vermessungswesen im Auftrag und als Organ des Deutschen Geometervereins, V. Bd. Stuttgart, 401-402

S...e 1875: Der Distanzmesser von Le Boulengé in Lüttich. Mit Abbildungen. in: Dingler's Polytechnisches Journal, hrsg. v. Johann Zeman und Ferd. Fischer, 217. Bd. Augsburg, 195-199


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(c) P. Amand Kraml 2014-03-01
Letzte Änderung: 2014-03-03