Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Jänner 2017


Titelseite
Titelseite von Gielge, Ignaz, Topographisch-historische Beschreibung, Wels 1814


Beschreibung der Sternwarte von Ignaz Gielge aus dem Jahre 1814

Von den vielen Reisebeschreibungen, die die Sternwarte eingehender erwähnen, soll hier wieder einmal eine angeführt werden. Sie ist vom Hofrichter zu Lambach wohl selbständig aus eigener Anschauung verfasst, enthält aber auch den offensichtlichen Fehler, dass neben den drei vorhandenen Astronomen-Statuen auch noch eine vierte angeführt wird. Eine Statue von Nikolaus Kopernikus hatten wir leider nie. Da hat die Erinnerung dem Besucher - genauso wie mit der Anzahl der Stufen - einen Streich gespielt. Im Mezzanin zwischen zweitem und drittem Stockwerk ist der Aufgang ins zur Zeit sog. "Petruszimmer". Dort hängt nämlich ein Bild des hl. Petrus, der heute oft im Volksmund für's Wetter verantwortlich gemacht wird und zugleich befindet sich dort das Archiv und der Arbeitsraum für die Meteorologie. Deswegen hat das Stiegenhaus der Sternwarte nur drei Nischen in den Stiegenabsätzen zwischen den Stockwerken und somit auch nur Platz für drei Statuen von bedeutenden Repräsentanten der Astronomiegeschichte: Ptolemäus, Brahe und Kepler

In dem Hintergrunde eines Ziergartens steht die berühmte Sternwarte; dieses Gebäude ist vom Grunde aus 32 Klafter hoch; man hat 339 Stufen hinauf zu steigen; es hat zwey Geschoße unter der Erde, im Erdgeschoße sieht man ein, einem türkischen Gouverneur errichtetes Monument; den Anfang zu diesem schönen Gebäude hat der Abt Fixlmüller, nach den Entwurf des berühmten Abten Desing im Jahre 1747 gemacht, und der Bau wurde erst im Jahre 1756 vollendet; die Aufsicht und Leitung wurde von den verdienstvollen Eugen Dobler geführt, er war Benediktiner-Mönch von Irrsee, besaß viele Kenntnisse in der Mathematik und Naturgeschichte. Am Absatze der ersten Stiege zum ersten Stockwerke steht die Statue des Ptolomäus in Lebensgröße in einer Niesche, als der Vater der ältesten Astronomie; auf dem Absatze der zweyten Stiege zum zweyten Stockwerke die Statue des Kopernikus; auf dem dritten Absatze Ticho de Brache, und auf dem vierten Stiegenabsatze zum vierten Stockwerke die Statue des Köplers: im ersten Stocke das erste Zimmer links ist der Entomologie gewidmet; die Exemplare sind von der Gegend um Kremsmünster, die Sammlung der Insekten ist nach Fabricius geordnet. In den übrigen Zimmern der ersten Etage wohnt der Maschinist. Im zweyten Stocke das erste Zimmer rechts enthält Gemählde, darunter sind das Portait des Albrecht Dürrer, des Schmid von Krems, von ihm selbst gemahlen, die Portraits der Mahler Brandl und de Nove, ec. In dem zweyten Zimmer sind physikalische Instrumente, Hohl- und Brennspiegel u. s. w. Im dritten mechanische Modelle, Modelle der im Salzkammergut bestehenden Maschinen, eine Maschine zum Ausreissen der Bäume, doppelte Feuerleitern, hydrostetische Maschinen, und andere mehr; ferner ein Tetrakorid, Chlandis, Klangfiguren, eine Aeolsharfe, drey Luftpumpen u. d. gl.

Im dritten Stocke sind Feldmaßinstrumente, zwey Uhren, wovon bey einer der Zeiger durch einen Magnet bewegt wird, und die andere den Lauf der Sonne, Mond und aller Planeten anzeigt; das zweyte Zimmer enthält ebenfalls mathematische Instrumente, einen großen Bücherschrank mit sehr vorzüglichen astronomischen Werken; im dritten Zimmer steht ein Kasten voll sehenswerther Kunststücke aus Elfenbein, die besonders durch ihre Feinheit merkwürdig sind; dann folgen die Schränke der Mineralien-Sammmlung.

Im vierten Stocke ist die Gemälde-Gallerie; oben ist ein niedriges gewölbtes Zimmer, welches dem Beobachtungs-Zimmer mittelst seines Gewölbes zu einer festen Grundlage dient.

Nun kömmt der eigentliche astronomische Saal mit zwey offenen Altanen, eine gegen Mittag, die andere gegen Mitternacht, dann ein Zimmer für den Beobachter zum Zufluchtsort, und zum wärmen; endlich macht eine Gallerie mit Pavillons den Beschluß. Merkwürdig ist eine von der Sternwarte aus gezogene Mittagslinie von säulenartig geformten Steinen, welche mehr oder weniger über der Erde hervorragen, je nachdem es die Abhängigkeit des Bodens mit sich bringt. Unweit der Sternwarte stehen im freyen Boden große Feigenbäume, wie man sie selten sieht, über diese wird bey rauher Jahreszeit ein Haus zusammen gestellt, in welchem durch Heizöfen die nöthige Temperatur erhalten wird.
(Gilge, 54-56)


Quellen und Literatur:

GILGE, Ignaz 1814: Topographische-historische Beschreibung aller Städte, Märkte, Schlösser, Pfarren, und anderer merkwürdigen Oerter des Landes Oesterreich ob der Enns, Zweyter Theil, von J bis P. Wels



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Letzte Änderung: 2017-03-02