Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Jänner 2019


BilderZimmer links BilderZimmer mitte BilderZimmer rechts BilderZimmer hinten

Kopien der einzelnen Blätter des Hängeplanes aus KOLLER, Verzeichnis...
zum besseren Lesen bitte die jeweilige Wand anklicken!


Hängeplan des ehemaligen Bilderzimmers im zweiten Stock

Da der Hohe Saal im vierten Stockwerk der Sternwarte bis zur Einrichtung des Zoologischen Kabinettes die Gemäldegalerie der Sternwarte beherbergte, gerät das ehemalige Bilderzimmer im zweiten Stock leicht in Vergessenheit. In der ersten Sternwarte-Beschreibung von P. Laurenz Doberschitz finden wir keinen Hinweis auf dieses Zimmer. Bei ihm werden die Gemälde nur im vierten Stock angeführt. Es scheint also, dass im zweiten Stock zu Beginn keine Gemälde untergebracht waren.
In den Beschreibungen von Besuchern der Sternwarte zu Beginn des 19. Jhs. findet man jedoch öfters den Hinweis auf dieses Bilderzimmer als Vorraum zu den Physikalischen Sammlungen. Bei Arbeiten an den Archivalien von P. Marian Koller fanden sich vier lavierte Federzeichnungen mit dem Hängeplan der Gemälde in diesem Raum. Auf der Rückseite des vierten Blattes ist vermerkt: Im ganzen 181 Bilder. Leider sind nur einige Flächen mit Malern bezeichnet. Ein paar tragen mit o den Hinweis, dass diese Bilder verdienen in die Gallerie versetzt zu werden.
Zählt man die eingezeichneten Flächen, so erhält man die Zahl 121, wobei drei längere Streifen auffallen, die nicht weiter unterteilt sind. Die angeführten Maler sind - hier alphabetisch geordnet:
Alexander (2x), Altomonte, Brand (2x), Castiglione (2x), Corregio (Copie nach), Dallinger (4x), Dam (4x), Feistenberger (6x), Grafenstein (1 + mehrere), Hauber, Lauterer, Johann Messis (vermeintlicher), Peters, Guido Reni (Copie nach), Rosa da Tivoli (2x), Schinagl (8x), Unterberger.

In Friedrich Hirschings Beschreibung der Sternwarte von 1787 werden im zweiten Stock (noch?) keine Gemälde angeführt:
In dem 3ten Stock [das Erdgeschoß ist das erste Stockwerk] werden ausser einer Naturaliensammlung, (deren Aufseher Georg von Pasterwiz, Professor der Polizey- Finanz und Handlungswissenschaft ist,) verschiedene physikalische, mechanische, hydrostatische, hydraulische ec. Instrumente und Maschinen verwahret.

Die Angaben zu den Bildern im zweiten Stock in den verschiedenen Reisebeschreibungen lauten dann meist recht ähnlich:

Ignaz Gielge, 1814:
Im zweyten Stocke das erste Zimmer rechts enthält Gemählde, darunter sind das Portait des Albrecht Dürrer, des Schmid von Krems, von ihm selbst gemahlen, die Portraits der Mahler Brandl und de Nove, ec. (Gielge, 54)

Franz Sartori, 1818:
Das erste Zimmer rechts enthält Gemählde. Von besonderem Interesse für mich waren die Porträte des Albrecht Dürer von ihm selbst gemacht, des Kremser Schmidtes von ihm selbst, von dem in Oesterreich so viele Arbeiten in den Kirchen zu sehen sind, dann die Porträte der Mahler Brand und de Neve. (Sartori, 159)

Josef Moser, 1821:
In diesem Stockwerk enthält das erste Zimmer rechts Gemählde;

Als Pseudonym Emil schrieb Joseph F. E. Trimmel, 1827:
Zweyter Stock. Erstes Zimmer rechts: Gemählde. Von besonderem Interesse sind die Porträte Albrecht Dürer's (von ihm selbst gemahlt), der Mahler Brand, Kremser-Schmid und Le Neve's.

J. B. Zarbl, 1831:
Die Säle des zweiten Stockwerkes, ... sind bereits mit Kunstgegenständen gefüllet. Ein Gemach ist mit mehr als 150 Gemählden behangen, und mit Hohlspiegeln, mit einer camera obscura u. a. bestellet.

Im Jahr 1856 schreibt der Direktor der Sternwarte P. Augustin Reslhuber, dass der gesamte zweite Stock der Physik gewidmet sei. Die Gemälde sind also eventuell zu dieser Zeit nicht mehr dort:
Die sämmtlichen Räume des zweiten Stockwerkes nimmt das physikalische Cabinett ein, wohl eine der größten und werthvollsten Zierden unserer wissenschaftlichen Sammlungen. Theils freistehend, größtentheils aber in Glasschränken eingeschlossen befinden sich hier an 900 Apparate für alle Zweige der Naturlehre, als: Mechanik, Statik, physikalische Geographie, Akustik, Wärmelehre, Electricität, Magnetismus, Optik, Chemie. (vgl. Objekt des Monats Februar 2011)


Quellen und Literatur:

DOBERSCHITZ, P. Laurenz 1764: Specula Cremifanensis, MS CCn 1048 (Herausgegeben von P. Amand Kraml als Heft Nr. 40 der Berichte des Anselm Desing Vereins, Februar 1999)

GILGE, Ignaz 1814: Topographische-historische Beschreibung aller Städte, Märkte, Schlösser, Pfarren, und anderer merkwürdigen Oerter des Landes Oesterreich ob der Enns, Zweyter Theil, von J bis P. Wels

HIRSCHING, Friedrich Karl Gottlob, 1787: Nachrichten von sehenswürdigen Gemälde- und Kupferstichsammlungen, Münz- Gemmen- Kunst und Naturalienkabineten, Sammlungen von Modellen, Maschinen, physikalischen und mathematischen Instrumenten, anatomischen Präparaten und botanischen Gärten in Teutschland nach alphabetischer Ordnung, 2. Bd. Erlangen

KOLLER, P. Marian o. J.: Verzeichnis der im physikalischen Cabinette befindlichen Apparate sammt den in demselben vorhandenen Gemälde, 2. Stock, zusammengestellt von P. M. KOLLER vom Sept. 1839 bis Mai 1840. (Ergänzt von P. S. Fellöcker, 1869). MS, ASK

MOSER, Josef 1982: Reise ins Salzkammergut im Jahre 1821, bearbeitet und kommentiert von Josef Moser, in: Oberösterreichische Heimatblätter, Jg. 36, Heft 1/2, 81-102

RESLHUBER, P. Augustin 1856: Die Sternwarte Kremsmünster, in: Der Oberösterreicher, 3. Jg., Linz

SARTORI, Franz 1818: Die österreichische Schweiz; oder mahlerische Schilderung des Salzkammergutes in Oesterreich ob der Ens. Mit einer Beschreibung des steyrischen Salzbergwerkes zu Aussee, und der österreichischen Stifte Kremsmünster und St. Florian, Ein Taschenbuch auf Reisen in diesen Gegenden, Wien

Zarbl, J. B. 1831: Erinnerungen aus einer Reise, Regensburg



Zurück zur Homepage
Objekte früherer Monate

(c) P. Amand Kraml 2019-05-11
Letzte Änderung: 2019-05-12