Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Mai 2019


Augsburger Uhr
Augsburger Uhr,
Detail-Abbildung aus P. Placidus Fixlmillners
Sternwarte-Beschreibung in Bernoulli, Tafel 3, 1780


"Augsburger Uhr", Astronomische Uhr von Friedrich Wilhelm Giebicke

Augsburger Uhr
Oberer Teil der Tafel 3 aus P. Placidus Fixlmillners Sternwarte-Beschreibung in Bernoulli
 
Uhren-Korrektur
Erste Seite des Heftchens mit der Überschrift Correctiones Horologiorum ... von P. Plazidus Fixlmillner im Pack Rechnungen, Sternbedeckungen, Coraectionen der Instrumente im Direktions-Archiv
 
Dieses Mal wurde ein Objekt ausgewählt, das sich nicht mehr in den Sammlungen befindet, daher auch nochmals eine besondere Aufmerksamkeit erheischt. Es handelt sich um eine astronomische Standuhr, die zur ursprünglichen Einrichtung der Sternwarte gehörte. Ein Bild von dieser Uhr finden wir in P. Plazidus Fixlmillners kurzer Geschichte und Beschreibung der Sternwarte von 1780 auf der Tafel 3. Dort ist die Situation der alten Drehkuppel dargestellt. Sie befindet sich zwischen den "Pavillons" über dem Schacht und dem Ende der Wendeltreppe. In der Kuppel steht der Azimuthal-Quadrant von Johannes Illinger mit dem vierfüßigen Stativ, der ebenfalls nicht mehr vorhanden ist und im Aufgang zur Kuppel von der Schachtseite - der Südostseite, im Bild links - sieht man unsere Uhr: o. Ist eine ziemlich gute zu Augsburg verfertigte Pendeluhr. (Fixlmillner, 381) Das Uhrengehäuse ist den beiden anderen Uhren im Astronomischen Saal recht ähnlich.

P. Laurenz Doberschitz gibt in seiner Beschreibung der Sternwarte aus dem Jahre 1764 drei Uhren an, die für die astronomischen Beobachtungen Verwendung fanden: 19. Eine Sternenuhr in einem schön eingelegten Kasten, das ist: eine Uhr, die mit den Fixsternen ihren Lauf vollbringet und alle 24 Stunden um 3' und 56" für sich oder früher als andere Uhren gehet. Die Secunden werden eben mit einem eigenen Zeiger angedeutet. Diese Uhr muß so gerichtet seyn, daß, wenn der Stundenzeiger 0h zeiget, der Punct des Widders durch den Meridian gehe.
20. Eine Pariser Secundenuhr mit einem weiß porcellainernen Uhrblatt, worauf die Ziffer oder Stunden blau entworfen sind. Der Kasten, worein diese Uhr stehet, ist gleichfals schön gearbeitet, der Perpendicul wäget beyläuffig 20 Pfund.
21. Eine augspurgische Secundenuhr mit einem schönen weissen Zifferblat, und oben angesetzter Aufschrift: Friderich Willhelm Giebickl Augspurg.
(Doberschitz, 346-347)

In P. Bonifaz Schwarzenbrunners Materialien zur Geschichte der Sternwarte wird die Aufschrift angegeben mit: Friedr. Wilh. Giebicke Ausgspurg und darauf hingewiesen, dass die Uhr wohl von P. Eugen Dobler beschafft wurde, nicht aber in dessen "Pro Memoria" angeführt ist. Wenn Dobler die Uhr nicht vorfinanziert hat, dann ist das auch ganz klar, weil er in der Pro Memoria ja nur Dinge anführt, die er vom Abt abgegolten bekommen wollte.

Im Direktions-Archiv der Sternwarte findet sich in einem Pack handschriftlicher Aufzeichnungen von P. Plazidus Fixlmillner mit der Aufschrift Rechnungen, Sternbedeckungen, Coraectionen der Instrumente ein kleines Heft mit dem Titel Corrctiones Horologiorum per ob-servatos Meridies, in dem Fixlmillner beginnend mit dem 22. Februar bis zum 5. Juni Uhrenvergleiche anstellt zwischen Parisinum, Augustanum und Primi Mobilis. Das Jahr hat er dazu leider nicht notiert.
Über den Uhrmacher Friedrich Wilhelm Giebicke konnten wir vorerst noch nicht mehr herausfinden, als dass er offenbar von Berlin stammte und in Augsburg zwischen 1747 und 1770 aufscheint. Auch das weitere Schicksal dieser frühen astronomischen Uhr der Sternwarte ist zur Zeit noch unbekannt.


Quellen und Literatur:

DOBERSCHITZ, P. Laurenz 1764: Specula Cremifanensis. Beschreibung der in dem mathematischen Thurne zu Kremsmünster befindlichen Naturalien Instrumenten und Seltenheiten, MS CCn 1048, Kremsmünster, hrsg. von P. Amand Kraml, in: Anselm-Desing-Berichte Nr. 40, Kremsmünster 1999

FELLÖCKER, P. Sigmund 1864: Geschichte der Sternwarte der Benediktiner-Abtei Kremsmünster, Linz

FIXLMILLNER, P. Placidus o. J.: Rechnungen, Sternbedeckungen, Coraectionen der Instrumente, Pack von Handschriften im Direktions-Archiv

FIXLMILLNER, P. Placidus 1781: Kurze Geschichte und Beschreibung der Sternwarte zu Kremsmünster. 1780 nebst drey Kupferplatten, in: Bernoulli, J. Sammlung kurzer Reisebeschreibungen, S.372-381 und der dazugehörenden Kupfer, in: Jahrgang 1781, 4.Bd., Berlin

SCHWARZENBRUNNER, P. Bonifaz 1827: Materialien zu einer Geschichte der Sternwarte und der Sammlungen in derselben, MS, Archiv der Sternwarte Bd. VII, XLV, Transkription P. Amand Kraml (Kustodiats-Bibliothek, Sign: 16 484)



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Letzte Änderung: 2019-05-10