Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

August 2020


Ernennungsschreiben
Ernennungsschreiben von Abt Thomas Mitterndorfer an P. Sigmund Fellöcker vom 1859-01-18, Detail
beidseitig beschrieben, Folio, eingeklebt in
FELLÖCKER, P. Sigmund o.J.: Physikalisches Kabinett, Geschichtliche Notizen, zw. S. 56 und 57

Foto: P. Amand Kraml


Ernennung P. Sigmund Fellöckers zum Leiter des Physikalischen Kabinetts durch Abt Thomas Mitterndorfer

Manchmal fragt man sich, wie sollte eine Amtsübergabe und eine Dienstbeschreibung in einem Kloster eigentlich ausschauen. Wie man das um 1859 handhabte, können wir hier zeigen. Seinen äbtlichen Auftrag, die Leitung des Physikalischen Kabinetts nach dem Tod von P. Gregor Haslberger zu übernehmen, hat uns P. Sigmund Fellöcker erhalten, indem er das Ernennungsschreiben von Abt Thomas Mitterndorfer vom 18. Jänner 1859 in seine Notizen zum Physikalischen Kabinett eingeklebt hat.
Der Text dieses Briefes lautet wie folgt:

An
den hochwürdigen Herrn Professor P. Sigismund Fellöcker.

Da es dem Allmächtigen gefallen hat, den gewesenen Gymnasial und Konviktsdirektor und Professor der Physik P. Gregor Haslberger am 2. d. M. aus diesem Leben abzuberufen und Sie denselben seit seiner Erkrankung, d. h. seit Anfang des gegenwärtigen Schuljahres in seinem Lehramte bereits dienstgefällig suppliert haben, so ernenne ich Sie hiermit zum wirklichen Professor der Physik im Obergymnasium, da Sie hiezu vermög der im Jahre 1853 über diesen Lehrgegenstand mit so rühmlichen Erfolge abgelegten Prüfung Befähigung erhalten haben und erwarte zuversichtlich, dass Sie in Ihrem gewohnten Eifer nicht blos die Vorlesungen über Mathematik, sondern auch über Physik mit allem Fleisse halten und Ihre Schüler bei Ihrer sehr guten Mittheilungsgabe mit diesen wichtigen Lehrgegenständen ganz vertraut machen werden.
Mit dieser Anstellung übergebe ich Ihnen zugleich die Oberleitung unseres schönen und umfassenden physikalischen Cabinet und ersuche Sie, demselben Ihre ungetheilte Aufmerksamkeit zu schenken und sobald es Ihre Geschäfte erlauben, über alle vorhandenen älteren und neueren Apparate ein genaues und zweckdienliches Inventarium zu verfassen und im selben jeden nachfolgenden Ankauf einzutragen mit Beisetzung des Ankaufspreises.
Den für das physikalische Cabinet jährlich bewilligten Rentamtsbeitrag zu 150 fl. können Sie jetzt sogleich und in Zukunft mit Anfang eines jeden Schuljahres gegen eine von mir zu unterfertigende Empfangsbestätigung erheben. Am Ende eines jeden Schuljahres ist mir eine genaue und detaillirte Rechnung über die für das physikalische Cabinet gemachten Auslagen vorzulegen. Möge Gott Sie recht gesund erhalten und Ihr gemeinnütziges Wirken segnen

Abtei Kremsmünster den 18. Jänner 1859.

Thomas M Abt

Ein weiterer Brief des Abtes an Fellöcker vom Oktober des gleichen Jahres ist ebenfalls recht interessant:

An
den hochwürdigen Herrn Professor P. Sigismund Fellöcker!

Auf Ihrer vorgelegten Rechnung ersehe ich, dass Sie für den neuen photographischen Apparat von Voigtländer, der 239 f 98 x Ö. W. kostet, erst eine a Conto Zahlung zu 60 f. geleistet haben.
Da ich mich nun gestern überzeugt habe, wie fleißig Sie in den langen Ferien gewesen sind und wie zweckdienlich Sie das physikalische u. mineralogische Kabinet geordnet haben, so finde ich mich in dankbarer Anerkennung dieser Leistungen veranlasst, Ihnen zu einer zweiten a Conto-Zahlung des obigen Apparates einen Beitrag per 79 f 98 x oder vielmehr 80 f hiemit zu verabfolgen, damit dieser Rückstand auf 100 f. herabgemindert werde.
Sie wollen daher diesen Betrag als zweite a Conto-Zahlung an den Herrn Voigtländer gelegenheitlich übersenden.

Abtei Kremsmünster den 6. Oktober 1859

Thomas M Abt

Der Brief ist ebenfalls in den Geschichtlichen Notizen Fellöckers eingeklebt (zw. S. 62 und 63)


Quellen und Literatur:

FELLÖCKER, P. Sigmund o.J.: Physikalisches Kabinett, Geschichtliche Notizen, Manuskript, ASK


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(c) P. Amand Kraml 2020-07-15
Letzte Änderung: 2020-12-09