aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster
August 2021
Schon vor der Errichtung der Sternwarte wurde im Almseegebiet der angeblich letzte Steinbock geschossen.
Sein Gehörn kam ins Stift und wurde vielleicht zuerst im Fischbehälter ausgestellt.
Dort sind ja viele Jagdtrophäen - vor allem kapitale Hirschgeweihe - aufgehängt worden. Diese stammen
aus den Jahren 1620 - 1825.
Wann allerdings das Gehörn in die Sternwarte kam und wann für den Fischbehälter die Holznachbildung verfertigt wurde,
ist nicht dokumentiert.
In der Baugeschichte von P. Theophilus Dorn findet sich jedenfalls die Angabe: Über dem Eingang sieht man
die Nachbildung eines Steinbockhornes (Original in der Sternwarte), eine Erinnerung an den letzten Steinbock,
der im Jahre 1705 im Kremsmünsterer Jagdgebiet geschossen wurde. (DORN, 218)
Dorn verweist dabei auch auf die Beschreibung des Fischbehälters von P. Bernhard Pösinger. (PÖSINGER, 148).
Pösinger wiederum verweist auf Hartenschneider (HARTENSCHNEIDER, 385).
P. Richard Rankl hatte wohl noch weitere Informationen über Abschüsse von Steinböcken im Almseegebiet oder er saß einem Irrtum auf. (vgl. PLASS, 836) Er gibt nämlich
an, der letzte Steinbock sei dort im Jahr 1756 erlegt worden. (RANKL, 18)
Immer wieder ist unser Steinbock-Gehörn seines Alters wegen in den Blickpunkt von zoologischen und faunistischen Untersuchungen
geraten. Zuletzt ist über Vermittlung von Herrn Dr. Andreas Zechner, der sich in seiner Dissertation in Salzburg mit der Ausrottung des Steinbocks in den Ostalpen beschäftigt hat, eine Probe für ein DNA-Sampling genommen worden. An der Universität Zürich wurde ein Projekt in Angriff genommen, das die Entschlüsselung der genetischen Diversität der Arten in den Alpen zum Ziel hat. Die Proben wurden am 4. August 2020 von Herrn Robin Mathieu (Institut für Evolutionsbiologie der Universität Zürich) genommen. Ein Ergebnis der Untersuchungen ist uns noch nicht mitgeteilt worden.
Foto: P. Amand Kraml (202008139995)
AUSSERER, Carl 1946: Der Alpensteinbock. Geschichte, Verbreitung, Brauch- und Heiltum, Sage, Wappen, Aussterben und Versuche zu
seiner Wiedereinbürgerung. 2. Auflage, Wien
BAUER, Karl & SPITZENBERGER, Friederike 2001: Alpensteinbock Capra ibex Linnaeus, 1758, in: Spitzenberger, Friederike.: Die Säugetierfauna Österreichs. - Grüne Reihe des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft 13, Wien, 753‒765.
DORN, P. Theophilus 1929: Abriß der Baugeschichte Kremsmünsters, in: Heimatgaue. Zeitschrift für oberösterreichische Geschichte, Landes- und Volkskunde, 10. Jg. 4. Heft, Linz, 209-244, Tafeln 27-30
HARTENSCHNEIDER, P. Ulrich 1830: Historische und topographische Darstellung des Stiftes Kremsmünster in Österreich ob der Enns. Aus Stiftsquellen gezogen, geordnet, berichtigt, und bis auf das gegenwärtige Jahr fortgesetzt, Wien
PLASS, Jügen 2023: Alpensteinbock. Capra ibex LINNAEUS 1758, in: Atlas der Säugetiere Oberösterreichs. Nachweise - Verbreitungsgeschichte - Rote Liste, Biologiezentrum Linz Sonderpublikationen, Denisia 45, Linz, 834-840
PÖSINGER, P. Bernhard 1920/21: Die Fischbehälter des Stiftes Kremsmünster, in: Heimatgaue. Zeitschrift für
oberösterreichische Geschichte, Landes- und Volkskunde, 2. Jg. 1. Heft, Linz, 142-148, Tafel XVIII
RANKL +, P. Richard 1948: Führer durch den Fischbehälter in Kremsmünster, Wels
ROBIN, Mathieu 2022: Genetics of Bottlenecked Species Through Time: Insights from Ancient Genomes of the Alpine ibex,
Dissertation Universität Zürich, Zürich
ZECHNER A., DEUTZ A. & G. GRESSMANN (2013): Der Steinbock und seine Ausrottung in den Ostalpen. Beiträge zur Jagd
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ZECHNER, Andreas 2022: Steinbock, Mensch und Klima. Das Ende der letzten autochthonen Steinwildpopulation der Ostalpen im Zillertal, 1687-1711, Umwelthistorische Forschungen Bd. 10, Köln