Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

September 2021



Nernstlampe 3fach

Nernst-Lampe für Projektor
Glühstäbchen und Heizung defekt, drei Vorwiderstände in Glaskolben ca. 6 Ohm mit Bajonettsockel, Bodenplatte zum Einschieben in den Projektor, Höhenposition mit Zahntrieb verstellbar
Bodenplatte: 12 x 17 cm, Höhe: 24 cm, Inv. Nr.: 13071309
Foto: P. Amand Kraml (202306254550)


Nernst-Projektorlampe von AEG



Schaltplan der Nernstlampe
Schaltplan der Nernstlampe mit 3 Leuchtstäben
Walter Nernst (1864-1941), Professor in Göttingen und späterer Nobelpreisträger (1920) erfand 1897 die Nernstlampe. Das ist eine elektrische Glühlampe, bei der das Licht nicht durch einen Kohle- oder Metallfaden in einem Glaskolben erzeugt wird, sondern ein erhitztes Porzellanstäbchen spezieller Zusammensetzung kommt durch den Stromfluss zum Glühen. Ein Glaskolben ist dabei nicht von Nöten, denn das Stäbchen glüht bei normalem Luftdruck und verbrennt nicht. Da ein solches Glühstäbchen erst bei einer Temperatur von ca. 700°C entsprechend leitend wird, muss dasselbe auf diese Temperatur gebracht werden. Dies geschieht im einfachsten Fall mit einem Streichholz oder einem Spiritusbrenner (vgl. ZEISS 1909, ..). Für eine gebrauchsfertige Lampe (NERNST 1899, 192) wird die benötigte Temperatur mit Hilfe einer elektrischen Heizung erzeugt und sobald das Glühstäbchen leitet und leuchtet, wird über ein Relais die Heizung abgeschaltet. Dieses Aufheizen benötigt etwa zehn bis zwanzig Sekunden. Jedes der Glühstäbchen braucht einen Vorwiderstand, der bei diesen Lampen immer in Glaskolben montiert war. Bei unserer Nernst-Lampe sind die Widerstände in Bajonettfassungen auswechselbar. Die Farbtemperatur ist mit ca. 3000 K etwas höher als die einer Kohlenfadenlampe (2700 K). Für diese Erfindung erwarb Nernst 1889 das deutsche Reichspatent (Patentschrift Nr. 104872).
Die Allgemeine Elektricitätsgesellschaft (AEG) hat die serienmäßige Produktion der Nernst-Lampe übernommen. Von AEG wurde auch die hier vorgestellte Nernst-Lampe mit drei Glühstäbchen für Projektoren produziert.
GRAETZ bietet eine Abbildung dieser Lampe und weist auf Folgendes hin: Das helle weiße Licht der Nernstlampen macht sie auch sehr geeignet für Zwecke der Projektion von Bildern und Apparaten, für die man sonst in sehr viel umständlicherer Weise nur Bogenlampen benutzen konnte. Die A.E.G. stellt Nernst-Projektionslampen her, wie sie Fig. 466 zeigt. Dieselben enthalten drei Brenner, welche von einer gemeinschaftlichen Heizspirale erwärmt werden. Die Vorschaltwiderstände aus Eisen befinden sich in drei Glasröhren hinten an der Lampe. Ein gemeinsamer Magnet schaltet die Heizspirale aus, sobald die Stäbchen in Weißglut gekommen sind. Die Lampen brauchen 4 Ampere und geben bei 110 Volt Spannung 700 Kerzen Stärke, bei 220 Volt das Doppelte. (GRAETZ, 501-502, Abb 466)
Wie P. Thiemo Schwarz im Jahresbericht des Gymnasiums von 1927 anführt, ist diese Projektionslampe zu 1500 Watt vom Lehrkörper der Volksschule in Kremsmünster den Sammlungen übergeben worden. Nach der Angabe auf der alten Karteikarte der Sammlungen erfolgte die Übergabe wohl über Vermittlung von P. Theophil Dorn.


Quellen und Literatur:


BENDT, Franz 1901: Die neuesten Fortschritte auf dem Gebiete der Beleuchtung, in: Über Land und Meer, III. Bd., Stuttgart, 73-74

GRAETZ, L. 1912: Die Elektrizität und ihre Anwendung, 16. Aufl. Stuttgart, 500-502

NERNST, Walter 1899: Verfahren zur Erzeugung von elektrischem Glühlicht, Kaiserliches Patentamt, Patentschrift Nr. 104872, Klasse 21: Elektrische Apparate und Maschinen. Ausgegeben den 8. Juli 1899.

NERNST, Walter 1899: Die Nernst-Lampe, in: Mutter Erde, Technik, Reisen und nützliche Naturbetrachtung in Haus und Familie, Berlin, 192-193

NERNST, Walter 1899: Nernst's elektrische Glühlampe, in: Mutter Erde, Technik, Reisen und nützliche Naturbetrachtung in Haus und Familie, Berlin, 367-369

NERNST LAMP Co [Hrsg.] 1903: The Nernst Lamp Instruction Book No. 2, More Light for Less Money, Pittsburg, Pa.

NEUNER, Meinhard 2003: Die Glühbirnensammlung des Friedrich Göhlert - eine Rarität der Technischen Sammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. Versuch einer Geschichte der Glühbirne mit Beispielen aus dieser umfangreichen Sammlung, in: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Nr. 83, Innsbruck, 165-184

SCHWARZ, Thiemo 1927: Das physikalische Kabinett, in: 77. Jahres-Bericht des Obergymnasiums der Benediktiner zu Kremsmünster für das Schuljahr 1927, Linz, 25

VOGEL, E. 1922: Taschenbuch der Photographie. Ein Leitfaden für Anfänger und Fortgeschrittene, bearb. v. Karl Weiss 37. Aufl. Berlin, 125 [Elemente "L" und "W" verkehrt beschriftet!]

ZEISS, CARL (Hrsg.) 1909: Gebrauchsanweisung für die Nernstlampe nach Greil, Druckschrift: Mikro 256, Jena

ZEISS, CARL (Hrsg.) 1911: Nernstlampe als Mikroskopierlampe (Mikro-Nernstlampe), Druckschrift: Mikro 277, Jena


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Letzte Änderung: 2025-07-03