Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

November 2021



Klappsonnenuhr
Klappsonnenuhr von I. P. Kleininger
Holz, Papier, Glas und Metall, 5,5 x 9 x 2 cm
Inv. Nr.: 17052057
Foto: P. Amand Kraml (202111225834)


Klappsonnenuhr von I. P. Kleininger


Der Grund, nochmals einen genaueren Blick auf die hier vorgestellte Klappsonnenuhr zu werfen, war eine Anfrage über den Verfasser der vorgestellten Sonnenuhr. Die Fernsehsendung "Bares für Rares" im ZDF vom 19. November, in der eine Kleininger-Sonnenuhr zum Verkauf kam, war dann der Anstoß, gleich einmal das Stück aus der Ausstellung zu holen und sie einer genaueren Betrachtung zu unterziehen.
Die Beschreibung von P. Franz Schwab, die P. Ansgar Rabenalt in seiner Arbeit über die Kremsmünsterer Sonnenuhren wiedergibt, ist wie folgt:

57. Doppelsonnenuhr

Windrose
Angabe des Kompassmachers I. P. Kleininger auf der Windrose
Foto: P. Amand Kraml (202111225843)
Ein zweiteiliges Holzkästchen (5,5 x 9 cm) zum Aufklappen, enthält die Vertikal- und Horizontalsonnenuhr. Die Stundeneinteilungen sind auf Papier gedruckt mit färbigen Verzierungen. Die Uhr ist für Breiten von 40º - 56º verwendbar. Die Einstellung geschieht mittels eines Fadens, der zu der betreffenden im Deckel eingeschriebenen Breite geführt wird. Horizontal sind drei Stundeneinteilungen angebracht, vertikal nur eine, nämlich für die geographische Breite von 48°.
Der Kompaß hat deutsche Aufschriften der Weltgegenden. Die Deklination ist 18º westlich. Auf der Windrose ist der Name T. P. Kleininger zu lesen. Auf der Rückseite ein (sehr beschädigtes) Verzeichnis von Polhöhen verschiedener Orte.
Die Uhr stammt höchstens aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Sie kam am 10. November 1898 durch Ankauf in Linz in unsere Sammlung.
(RABENALT 41-42)

Die genauere Untersuchung der Angabe des Verfertigers auf der Windrose des eingebauten Kompasses ergab, dass dort nicht T. P. Kleininger sondern I. P. Kleininger gelesen werden muss. Die Vermutung von Hans Gaab, dass "der untere Teil des J nicht mehr lesbar" sei, trifft also hier nicht zu. Es wird einfach Johannes als Io(h)annes, wie es der griechischen Schreibweise des neutestamentlichen Ursprungs Ἰωάννης entspricht, abgekürzt. Ob P. Franz Schwab hier einfach schlecht gelesen hat, oder ob er sich von einer früheren Angabe in der Literatur zu einer Änderung hat verleiten lassen, kann jetzt nicht mehr festgestellt werden.
Die Sonnenuhr stammt also von Johann Paul Kleininger (1798-1863), dem Sohn des Johann Georg Kleininger (1763-1824), die beide Kompassmacher in Fürth waren. Ausführliche Angaben zur Biographie der beiden gibt Hans GAAB.


Quellen und Literatur:


GAAB, Hans 2021: Johann Georg und Johann Paul Kleininger. Fürther Sonnenuhrmacher im 18. und 19. Jahrhundert, in: Astronomie in Nürnberg. das Astronomieportal in der Region,

GRIEB, Manfred H. (Hrsg.) 2007: Nürnberger Künstlerlexikon. Bildende Künstler, Kunsthandwerker, Gelehrte, Sammler, Kulturschaffende und Mäzene vom 12. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, Bd. 2, München

LIEBAU, Frank 2020: Die Kompassmacher aus Nürnberg und Fürth. Präzision aus Tradition, Band 1, 4. Aufl. publiziert im Internet (http://die-kompassmacher.de/download.php?page=Kompassmacher [eingesehen 2025-07-01])

RABENALT, P. Ansgar 1955: Die Sonnenuhrensammlung der Sternwarte Kremsmünster, in: 98. Jahresbericht Schuljahr 1955 Obergymnasium der Benediktiner zu Kremsmünster, Wels, 11-60

RABENALT, P. Ansgar + 1995: Die Sonnenuhrensammlung der Sternwarte Kremsmünster, hrsg. von P. Amand Kraml, Berichte des Anselm Desing Vereins, Nr 33, Kremsmünster





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(c) P. Amand Kraml 2021-11-20
Letzte Änderung: 2025-07-03