Uranoscop
Gusseisen, Messing, Stahl
Inv. Nr. 17090929, Globusdurchmesser: 8 cm, Höhe: 26 cm
Foto: P. Amand Kraml (202506282147)
Uranoscop von Josef Georg Böhm, Innsbruck 1851
Die Charakterisierung seines Uranoscops liefert Josef Georg Böhm (1807-1868) wie folgt:
Ich wollte nämlich den zahlreichen Freunden Uraniens ein Instrument in die Hand geben, mit welchem
jeder (der nur jene nothdürftigen Vorkenntnisse besitzt, die bei dem Gebrauche eines jeden
Globus oder einer jeden Sternkarte erfordert werden) selbst in den Stand gesetzt werden soll, den Namen
eines jeden Sternes am Himmel leicht, vollkommen, sicher und schnell kennen zu lernen. Ich glaube
dies erreicht zu haben, wenn es mir gelingen sollte ein Instrument auszuführen, bei welchem, um den
Namen eines Sternes zu erfahren nichts anderes zu thun nöthig wäre, als ein Absehen (ein Rohr) auf
diesen Stern zu richten, d. h. anzuvisiren. Dies wird nun von dem Uranscope vollständig erfüllt.
(BÖHM, 3).
Abbildung eines Astrodicticum simplex,
Detail des Titelkupfers von WEIGEL, Speculum
Die Idee, ein solches Gerät zu bauen, hatte bereits Erhard Weigel (1625-1699). Sein Astrodicticum simplex,
ein Stern-Weiser ermöglicht es Ohne Vorzeigung alle Stern vor sich zu kennen. Es ist eine Regul
[= Visiereinrichtung] auf die gestellte Himmles-Kugel zu appliciren, daß, wenn die Regul auf den begehrten
Stern am Himmel gerichtet wird, wo weiset ein Circkelbogen am Instrument auf der Himmels-Kugel,
was es vor ein Stern sey. (WEIGEL, Idea, 74)
Das Heft Beschreibung des Uranoscop's war ein Geschenk von Prof. Böhm, dessen Übersendung im
Brief an
P. Marian Koller vom 26. März 1847 angeführt wird. Nach
P. Sigmund
Fellöcker wurde das Uranoscop selbst 1853, als Böhm Direktor der Sternwarte in Prag war, von ihm unseren Sammlungen
vermacht. (FELLÖCKER, 310) Aus den Angaben über die Zuwächse der Lehrmittelsammlungen wird ersichtlich, dass das
Gerät durch die Güte des h. k. k. Unterrichtsministeriums zugestellt wurde. (Lehrmittelsammlungen, 28) Da war
nun wohl Koller im Spiel, der ja dort 1851-1866 tätig war.
Böhm brachte verschiedene Versionen seines Uranoscops zum Verkauf.
- Die erste Version kam 1847 auf den Markt, hatte einen
Himmelsglobus von 12 cm (4,5") und wurde vom Innsbrucker Mechaniker M. Reiter gefertigt. (Neue Erfindung, 112) Dafür erhielt
Prof. Böhm 1847-02-25 ein ausschließendes Privileg auf ein Jahr (Privilegien, 237) mit späterer Verlängerung auf drei Jahre.
- 1850 finden wir eine zweite Version angeboten mit einem Globusdurchmesser von etwa 32 cm (12") zu einem Preis von
100 Gulden. (Das Uranoskop, 64)
- Unser Exemplar gehört zur dritten Version aus dem Jahre 1851 mit einem Globusdurchmesser von 8,5 cm (3")
Der Globus trägt im Sternbild des Wassermannes die Inschrift: Prof. Dr. Böhm/Innsbruck, 1851.
1854 stellt Böhm diese Version in einem Vortrag in Prag vor: Diese kleinen Instrumentchen der 3. Ausgabe
unterscheiden sich von den früheren ausser den kleineren Dimensionen nur dadurch, dass die ersteren Ausgaben
Fussschrauben haben, um die Axe des Stativs vertical zu stellen, und dann dass der Träger des Globus einen
Gradbogen trägt und die Globusaxe dadurch auf jede beliebige Polhöhe augenblicklich eingestellt werden kann.
Bei der 3. kleinern Ausgabe mussten diese an sich sehr bequemen und zweckmässigen Einrichtungen fortgelassen werden.
Auch gibt diese Ausgabe nur Sterne bis inclusive der 3. Grösse, was für den gewöhnlichen Gebrauch
vollständig hinreicht. Da ich diese Ausgabe, im Drange anderweitiger Geschäfte, dem öffentlichen
Verkehre noch nicht übergeben habe, so kann ich mit Sicherheit nicht angeben, wie hoch sich die Kosten eines
Exemplars belaufen mögen; doch kann ich annehmen ... dass sich der Preis eines Exemplars auf ...
circa 20 fl. C. M. stellen dürfte. (BÖHM, 1854, 58-59)
- Bei Lehmann in Prag ist 1860 eine neue relativ preiswerte Version im Angebot. Sie hat einen Globusdurchmesser von 16 cm ( 6")
und kostet 39 fl. (Neuigkeiten, 154). Es gab davon zwei Ausführungen eine mit deutschen und eine mit lateinischen
Sternbildnamen.
Quellen und Literatur:
ANONYMUS 1847: Neue Erfindung, in: Kais. Kön. priv. Bothe von und für Tirol und Vorarlberg, 1847, Nr.54, 8. Juli 1847,
Innsbruck, 237
ANONYMUS 1847: Privilegien-Verleihungen. Kundmachung, in: Kais. Kön. priv. Bothe von und für Tirol und Vorarlberg, 1847, Nr.28, 8. April 1847, Innsbruck, 112
ANONYMUS 1850: Das Uranoskop, in: Illustrierte Zeitung, Neue Folge II. Bd. Nr. 343, 26. Januar 1850, Leipzig, 64
ANONYMUS 1853: Lehrmittelsammlungen, in: Programm des kaiserl. königl. akademischen Gymnasiums zu Kremsmünster für das Schuljahr 1853, Linz, 27-28
ANONYMUS 1860: Erschienene Neuigkeiten des österr. Kunsthandels, in: Oesterreichische Buchhändler-Correspondenz, Nr. 28 Wien, am 1. Oktober 1860, Wien, 154
BÖHM, J. G. 1850: Beschreibung des Uranoscop's und Anleitung zu dessen vollständigem Gebrauche, das ist zur leichten, genauen und sichern Kenntniß des gestirnten Himmels und seiner Wunder, Innsbruck
BÖHM, 1854: Section für Naturwiss. und Math. am 20. März 1854, [Vortrag], in: Abhandlungen der königlichen Böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften, 5. Folge, 8. Bd., Prag 1854, 56-59
FELLÖCKER, P. Sigmund 1864: Geschichte der Sternwarte der Benediktiner-Abtei Kremsmünster, Linz
MUCHA, Ludvík 1995: Die Globen des Prager Astronomen Josef Georg Böhm (1807-1868), in: Der Globusfreund, Nr. 43/44, Wien 1995, 227-236
WEIGEL, Erhard 1661: Speculum Uranicum Aquilae Romanae Sacrum, Das ist, Him[m]elsSpiegel: Darinnen Ausser denen ordentlichen, auch die ungewöhnlichen Erscheinungen des Himmels mit gebührenden Anführungen abgebildet, Vornehmlich aber Der im Gestirne des Adlers jüngsthin entstandene Comet, Nebenst einer neuen Himmels-Charte unter dem Adler des H. Römischen Reiches dargestellet wird, Jena
WEIGEL, Erhard 1669: Idea Matheseos universae cum Speciminibus Inventionum Mathematicarum, Jena