Herbarbeleg von Peltigera venosa
Damberg bei Steyr in Oberösterr.
Juni 1849, J. Ganselmayr
Repro: P. Amand Kraml (202506222080)
Flechtenherbar-Beleg von Josef Ganselmayr Peltigera venosa
Josef Ganselmayr
Fotografie im Kustodiatsarchiv
Das gezeigte Bild wird sich aber nicht als Hingucker eignen. So meinte Dr. Franz Berger, den ich bat, mir
eine möglichst interessante Art aus unseren paar Belegen vorzuschlagen. Da hat er sicher recht. Aber dieser
Beleg und sein Foto müssen ja nicht zum Bestimmen der Peltigera venosa herangezogen werden.
Interessanter ist, dass Josef Ganselmayr diese Flechte noch 1849 in der Gegend von Steyr sammeln konnte.
Die Art ist nämlich heute außerhalb der Alpen ausgestorben. Für Berger ist sie zweifelsohne die seltenste
Art aus unserer kleinen Sammlung. Diese ist eigentlich keine Kalkart und wie auch andere Peltigera Arten im Rückgang begriffen - sehr sensibel - sie braucht gleichbleibende Bodenfeuchte und kann vermutlich mit dem N-eintrag nicht zurechtkommen.
(Dr. Franz Berger, eMail vom 2025-06-30)
In den Herbarschachteln des Botanischen Depots gibt es immer noch Dinge zu finden, von denen man allgemein wenig weiß.
Besonders im Bereich der Kryptogamen wurden durch die Anregung des Stifts- und Konviktsarztes Ignaz Sigismund Pötsch in Kremsmünster und
rundherum viele Sammel-Aktivitäten gesetzt. Seine Stelle als Arzt versah Pötsch von November 1854 bis 1875.
Das Gefühl, man könnte bei den Gefäßpflanzen nicht mehr viel Neues ergründen,
war vielleicht auch ausschlaggebend, dass viele Botanik-Interessierte sich den Moosen und Flechten zuwandten.
Eine dieser Herbarschachteln öffneten wir und fanden einige Flechten-Herbarbelege, die von Josef Ganselmayr gesammelt
und von Dr. Pötsch bestimmt worden sind.
Folgende Belege sind eindeutig J. Ganselmayr zuzuordnen: Thelotrema lepadium, Auf dem Schoberstein bei Ternberg in Oberösterreich, 20. Juli 1849, J. Ganselmayr
Solorina saccata, In Vorhölzern von Schoberstein bei Ternberg in Oberösterreich, 20. Juli 1849, J. Ganselmayr
Solorina saccata, In Vorhölzern von Schoberstein bei Ternberg in Oberöst., 20. Juli 1849, J. Ganselmair
Ramalina pollinaria, An Zwetschkenbäumen bei St. Georgen im Attergau ob. Öster, 10. August 1849, J. Ganselmair
Ramalina pollinaria, An Zwetschkenbäumen in Innerlohen bei St. Georgen im Attergau Ob.Öster., 10. August 1849, J. Ganselmayr
Ramalina fraxinea /:Linn:/ Ach., An Obstbäumen in St. Ulrich bei Steyr in Oberöst., 12. Juli 1849, J. Ganselmayr
Ramalina fraxinea Linn Ach., An Obstbäumen in St. Ulrich bei Steyr in Oberöst., 12. Juli 1849, J. Ganselmayr
Physcia pulverulenta /:Schreb:/ Nyl., Auf dem Schoberstein bei Ternberg in Oberösterrich, 20. Juli 1849, J. Ganselmayr
Pertusaria communis variolosa, An alten Zäunen bei Steyr in Oberöstereich, Juni 1849, J. Ganselmayr
Peltigera venosa, Damberg bei Steyr in Oberösterr., Juni 1849, J. Ganselmayr
Peltigera canina, In Vorhölzern am Schoberstein bei Ternberg in Oberösterreich, 20. Juli 1849, J. Ganselmayr
Peltigera horizontalis, In Vorhölzern am Schoberstein bei Ternberg in Oberösterr. 20. Juli 1849, J. Ganselmayr
Josef Ganselmayr[1] ist am 3. August 1807 in Nußdorf am Attersee
als Sohn eines Lehrers geboren. Zu Beginn seiner Lehrertätigkeit ist er in der Mädchenschule in Steyr.
Ganselmayr kam 1862 als Oberlehrer und dann als Schulleiter nach Laussa.
1872 wird ihm sein Sohn Josef dort geboren. Dieser besuchte 1883-1887 das Kremsmünsterer Gymnasium.
(Auch er ergriff den Beruf des Lehrers und wurde, wohl angeregt durch seinen Lehrer P. Anselm Pfeiffer zu einem bedeutenden Malakologen in Oberösterreich). Unser Josef Ganselmayr wurde durch
Anton E. Sauter und den Pfarrer in Gleink Heinrich Engel veranlasst, in der Gegend um Steyr vor allem Flechten
zu sammeln (POETSCH & SCHIEDERMAYR, 1872, IX).
Über den weiteren Lebensweg ist nicht mehr viel bekannt. Da für das Jahr 1887 ein Lehrerwechsel an der
Volksschule Laussa berichtet wird, könnte Ganselmayr in diesem Jahr seinen Dienst beendet haben und nach
Kremsmünster gezogen sein. (vgl. Steyrer Zeitung, 5) Im Sterbebuch der Pfarre Kremsmünster findet sich
nämlich der Todestag 29. Juli 1889 und der Wohnort Markt 3 des Oberlehrers eingetragen. Das Haus Markt 3
war nach Auskunft von Herrn Wendelin Hujber das "Buechauerhaus" bzw. später die "Alten Sparkasse".
Als Mieter wird dort Ganselmayr die letzten Jahre verbracht haben.
Vielleicht sollte auch nicht untergehen, was wir aus der eMail von Dr. Berger noch erfahren können:
Gyalecta ulmi (als Phialopsis rubra)
im selben Herbar-Faszikel
Repro: P. Amand Kraml (202506232088)
Weiters Gyalecta ulmi (als P[hialopsis] rubra), allerdings von Poetsch als Anschauungsmaterial für G[anselmayr]
gesammelt, wird schon damals selten gewesen sein und ist eine Rarität geworden, zumindest im Alpenvorland
(Letzter Fund im AVL [=Alpenvorland] im Rannatal, auch schon vor der Jahrtausendwende). RL: [=Rote Liste] 1
Ramalina fraxinea, ist aus dem oö. Alpenvorland weitgehend verschwunden !! , taucht aber im Mostviertel
um Seitenstetten an "geeigneten" Stellen wiederholt auf (uralte Birnbaum - Alleen - abseits von
Agrarchemie, gut durchlüftet), Das würde sich gut eignen, vielleicht kann man die Leser auf diese
Arte sensibilisieren. [1]
Die Schreibweise des Familiennamens ist recht unterschiedlich. Im Taufbuch von Nußdorf steht Joseph Ganselmayer.
Wir halten uns hier an die Schreibweise wie wir sie meist auf den Herbarbelegen finden: Josef Ganselmayr
ANONYMUS [Mehrere Eltern im Namen Aller] 1887: Nachruf [Abschied von Lehrer Pribitzer in Mühlbach bei Garsten],
in: Steyrer Zeitung, Nr. 58, 21. Juli 1887, Steyr, 5
ANONYMUS 1938: Verzeichnis der Kremsmünsterer Studenten 1871 - 1938. Hrsg. von der Direktion des Obergymnasiums der Benediktiner zu Kremsmünster, Wels.
BERGER, Franz, PRIEMETZHOFER, Franz & TÜRK, Roman 2009: Atlas der Verbreitung der Flechten in Oberösterreich –
Stapfia, 90, Linz
GÜLL, Georg 1951: Josef Ganslmayr + (Nachruf) in: Jahrbuch des OÖ. Museal-Vereins 96, Linz, 84-86
POETSCH, Ignaz. S. & SCHIEDERMAYR, Karl. B. 1872: Systematische Aufzählung der im Erzherzogthume Oesterreich ob der Enns bisher beobachteten samenlosen Pflanzen (Kyptogamen), Wien
POETSCH, J. S. & SCHIEDERMAYR, C. B. 1894: Nachträge zur systematischen Aufzählung der im Erzherzogthume Oesterreich ob der Enns bisher beobachteten samenlosen Pflanzen (Kryptogamen), Wien
TAUFBUCH, Nußdorf, TOM. I, 1784-1831, S. 28
Duplicat-Bogen des Sterbebuches der Pfarre Kremsmünster im Dekanat Thalheim im Jahre 1889