Decke des Raumes im zweiten Stock
Ansatzweise sind die Reste der geschwungenen Stuck-Zierleisten zu erkennen, die zeigen,
dass der Raum früher größer war. (Kontur nachgezogen)
Raumfläche: 557 x 647 cm, Raumhöhe: 510 cm
Foto: P. Amand Kraml
Die neue Wohnung für den Adjunkten, 1892
Für einen Außenstehenden vielleicht nicht so bedeutend, so ist dieses Objekt doch für die Geschichte
der Raumverteilung in der Sternwarte nicht unwichtig. Vor allem, weil man ja zum Stiftsjubiläum 1977
immer wieder von der Sternwarte als gebaute Idee geschwärmt hat. Bei den Führungen wurde stets betont,
dass man in der Sternwarte von der unbelebten Natur über die belebte Natur hinauf zu den Errungenschaften des Menschen in Technik und Kunst und weiter mit dem Blick auf den gestirnten Himmel in der Kapelle nun auf den Schöpfer verwiesen würde.
Das ist zwar ein sehr reizvoller
Gedanke, hat aber - wie so oft bei solch schönscheinenden Illusionen - nichts mit der Wirklichkeit zu tun.
Vor allem hätte man 1977 wissen können, dass die Raumverteilung noch bis zu diesem Zeitpunkt doch
eine andere gewesen war.
2. Stock, Südseite, alt
Raumsimulation am Modell der Sternwarte von Anselm Desing
Foto: P. Amand Kraml
2. Stock, Südseite, neu
Raumsimulation am Modell der Sternwarte von Anselm Desing
Foto: P. Amand Kraml
Aber nun hier unser Hinweis auf den Umbau im zweiten Stock. P. Franz Schwab
schreibt nämlich in seinem Tagebuch von einem für ihn recht vorteilhaften Einzug in den Turm.
Am 23. Juni 1892 Übersiedlung aus dem Convent in die Sternwarte. Es ist das eine große Erleichterung für jeden
Adjuncten der Sternwarte, denn er hat nun bei Tag und bei Nacht alle Behelfe bei der Hand.
Dem Hr. Director Coloman gebührt großer Dank, dass er vom ehemaligen physicalischen Cabinet ein Zimmer mit
einem Fenster nach Süden abrtennen ließ. Die Arbeit war höchst einfach. Die Zwischenmauer stützt sich auf die im
ersten Stock, der Camin war ohnehin eingemauert, wovon man freilich anfangs nichts wusste, da die Öffnung vermauert
war. Der Zimmerboden ist auf den alten aufgeschraubt. (SCHWAB, 182)
Der Zugang erfolgte dann vom Stiegenhaus durch den nach Osten gerichteten Vorraum,
das ehemaligen Bilderzimmer.
Als Direktor behielt P. Franz seine Wohnung auch nach seinem Rücktritt. So zog erst dann der nachfolgende
Direktor P. Thiemo Schwarz in die Räume im dritten Stock, die auch
P. Ansgar Rabenalt bewohnte. Die Wohnung im zweiten Stock wurde zur
Kustoden-Wohnung, die P. Amand als Kustos Anfang der 1980er Jahre bezog. Zum Direktor geworden, wechselte er die Räume nicht und für P. Jakob Krinzinger wurde dann
nach seinem Rücktritt als Prior 1996 im dritten Stock das Kustodiat eingerichtet.
So denke ich, dass die Raumverteilung in der Sternwarte nicht einer philosophisch-weltanschaulichen Idee
folgt, sondern immer den praktischen Bedürfnissen entsprechend organisiert wurde.
Dies zeigt auch die Auflistung der wechselnden Raumverteilung, die uns
P. Bonifaz Schwarzenbrunner in
seinen Materialen zu einer Geschichte der Sternwarte 1827 zusammenstellt.
Quellen und Literatur:
GAMBER, Ortwin 1977: Aufbau der Sammlungen in der Sternwarte, in: 1200 Jahre Kremsmünster. Stiftsführer. Geschichte, Kunstsammlungen, Sternwarte, Linz, 226-230
KLAUNER, Friderike 1967: Der "Mathematische Turm" des Stiftes Kremsmünster und die Gemäldegalerie, Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege XXI/1967 Heft 1, Wien, 1-16
KRINZINGER, P. Jakob 1976: Die Sternwarte - eine gebaute Idee, in: Kremsmünster 1200 Jahre Benediktinerstift, Linz, 259-287
SCHWAB, P. Franz 1855-1896: Tagebuch, Manuskript, Stifts-Archiv, Ms. P 600, Kremsmünster
SCHWARZENBRUNNER, P. Bonifaz 1827: Materialien zu einer Geschichte der
Sternwarte und der Sammlungen in derselben, MS, Archiv der Sternwarte Bd. VII, XLV, und Transkription P. Amand Kraml
WINTERSTELLER, Fr. Benno & O'SHEA, Fr. Henry o.J.: The Abbey of Kremsmünster and its Art-Treasures, Typoskript, Archiv der Sternwarte