Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Juli 2023



Antennendolch
Antennendolch aus Hallstatt 6. Jh. v. Chr.
aus der Sammlung Franz Steinkogler, Eisen, Kupfer, Rückseite der Scheide fehlt.
Inv. Nr. 2027 (F57), 41 x 8 x 3 cm
Foto: P. Amand Kraml (202507012265)


Antennendolch aus der jüngeren Hallstattzeit

Antennendolch
Antennendolch, Abbildung in Dicklberger, Tab. VIII Original im OÖ. Landesarchiv, MS Nr. 38, Salzoberamtsarchiv Gmunden
Repro aus Barth, 1991
Die veröffentlichte Transkription der Salinen-Geschichte von Anton Dicklberger durch Thomas Nussbaumer mit beigelegter DVD ermöglicht es nun, den bis jetzt ältesten Hinweis auf unsere Hallstatt-Funde leicht einzusehen. Dicklberger erhielt 1812 von der Hofkammer in Münz- und Bergwesen den Auftrag, eine Beschreibung des Salzbergbaus im Salzkammergut zu erstellen und 1813 auch die Erlaubnis, eine Geschichte der Salinen Oberösterreichs zu verfassen. In P. Benno Waller und P. Ulrich Hartenschneider hatte Dicklberger Auskunftgeber aus Kremsmünster gefunden, die mit eben so tiefer Gelehrsamkeit als freundschaftlicher Gefälligkeit seine Fragen beantworteten. (DICKLBERGER, Vorbericht, o. S. [9])
Auf den Seiten 12 und 13 berichtet Dicklberger:
Die Originalien, davon befinden sich in dem sehenswürdigen mathematischen Thurm des berühmten Stiftes Kremsmünster. Davor erfahren wir über diese Objekte: Man fand nähmlich in deßen Umgebung [Salzberg zu Hallstatt] mehrere römische Münzen, und im Jahre 1710 in einer Sandgrube nache bey dem dortigen Salzthurm, welcher der Rudolphsthurm genannt wird, einen vermoderten Körper mit einem Spieß, so wie späterhin mehrmahl daselbst andere Alterthümer, als menschliche Skelete, das Eisen von einem Jagdspieß, einen beynahe ganz in Oxyd verwandelten Dolch, wovon sich nur der Grief und der obere Theil der Scheide, die von Bronze sind, erhalten haben ... (DICKLBERGER, 12-13)
Eine erste Abbildung unseres Dolches fügt Dicklberger auf der Tafel VIII an. Da diese verschiedenen Alterthümer in dem besonders merkwürdigen mathematischen Thurme zu Kremsmünster im Original aufbewahrt werden, so hat der Verfasser [=Dicklberger] zur nähern Einsicht dieselben in den Beylagstabellen Nro IV bis VIII abgebildet angeschloßen. (DICKLBERGER, 143) Wie genau diese Objekte zu uns gekommen sind, ist zur Zeit nicht bekannt. Dass es in der Sternwarte einen Alterthum-Kasten gab, wissen wir aus dem Notizbuch von Simon Lettenmayr jun., in dem er angibt, dass er dort im April 1823 eine römische Münze verwahrt hätte. (LETTENMAYR, 5) Auf jeden Fall waren Hallstatt-Funde 1817 bereits in der Sternwarte, wie aus der Publikation Dicklbergers hervorgeht. Sie müssen dann 1850 mit den Kunstgegenständen und Antiquitäten aus der Sternwarte in die von Abt Thomas Mitterndorfer errichtete Kunstsammlung des Stiftes in den Räumen über der Winter-Abtei (heute Gemäldegalerie) gebracht worden sein. Denn P. Leonhard Angerer führt bei der Errichtung des Anthropologischen Kabinetts im fünften Stock der Sternwarte 1904/05 17 Bronzegeräte, meist in Hallstatt vor 1800 gefunden an, die ihm wie vieles anderes durch P. Sebastian Mayr aus dem Kunst- und Antiquitäten Kabinett übergeben wurden. ( vgl. ANGERER, 1902-1911, 35-39)

P. Leonhard sah es als sinnvoll an, die neu entstandene Prähistorische Sammlung im Anschluss an seine Geologie im Jahresbericht des Gymnasiums vorzustellen. Dabei beschreibt er natürlich auch unseren Dolch.
Die Hallstätter Funde liegen zum großen Teile im Hallstätter, Linzer und Wiener Hofmuseum aufbewahrt. Auch wir haben eine allerdings recht kleine Sammlung von 25 Stücken, welche vor 1800 vom Unterbergmeister Franz Steinkogler angelegt worden ist, die Objekte wurden aus dem Schotter südwestlich von dem im Jahre 1846 aufgedeckten Gräberfelde von Arbeitern aufgelesen. Neben "Fibeln", Gewandnadeln nach Art der heutigen Sicherheitsnadeln — eine davon ist brillenförmig mit zwei Drahtspiralen geziert —, Zierringen, Haarnadeln, Armringen, einer rechtwinkeligen Gürtelschnalle, einem 12 cm langen Bronzebeil, zwei bronzenen und einer eisernen Lanzenspitze findet sich in dieser kleinen Sammlung ein schöner Dolch von 41 cm Länge. Griff und Scheide desselben sind aus Bronze, die Klinge aus Eisen. Die Scheide und der Griff sind elegant geformt und mit Email verziert. (ANGERER 1910, 109)



Antennendolch
Bronzedolch Variante Aichach, Abbildung Sievers, Tafel 32, 174
Zum ersten Mal literarisch erwähnt wird der Unterbergmeister Franz Steinkogler bei Schultes. Er berichtet:
Noch vor 3 Jahren waren 3 Männer hier zu Hallstadt, die von jedem Historiker und Naturhistoriker besucht zu werden verdienen: ...
Der vormalige Unterbergmeister, Hr. Franz Steinkogler, war endlich der dritte merkwürdige Mann in Aussee, oder viel mehr der dritte merkwürdige Greis, denn er ward den 25. März 1735 geboren. Er war beynahe schon blind, als ich ihn das letzte mal im Jahre 1804 sah, und unterhielt sich mit Schleifen der schönen Marmorarten und Alabaster, die um Hallstadt einbrechen. In seiner Jugend zeichnete er sehr schön, und er würde vielleicht ein Meister in der Landschaftmahlerey geworden seyn, wenn man sein Genie für die Kunst gebildet hätte. ...
Dieser liebenswürdige Greis hatte ferner ein kleines Münz- und Antikencabinet zusammen gebracht, das vorzüglich durch den Ort, wo diese Stücke gefunden wurden, merkwürdig ist. Er fand nämlich Alles, was ich Ihnen aufführen werde, in der Gegend um Hallstadt ...
Hr. Steinkogler zeigte mir und Hrn. Dr. Klinger mehrere antike Werkzeuge und Galanterien aus Bronze, die man am Hallstädter Salzberge fand; mehrere Fibeln, ein Opfermesser, eine Art von Scepter, eine Pickelhaube, mehrere Ringe von Bronze, und zwey Todtenköpfe, die man neben einem zertrümmerten Sarkophage daselbst gefunden hat ...
Als ich bey meiner letzten Durchreise im Salzkammergute (am 19. Sept. 1808 zu Hallstadt) nach den Schätzen des während meiner Abwesenheit in Galicien verstorbenen guten Steinkogler fragte, wusste kein Mensch mir Bescheid zu geben, wohin sie gekommen sind. Einige vermutheten, Hr. Hofschauspieler Lange hätte dafür gesorgt, dass die numismatische Sammlung in gute Hände kam.
(SCHULTES, 96-98)
Auch in einem Brief des Chorherrn von St. Florian Herrn Franz Kurz vom 11. August 1814 wird Franz Steinkogler erwähnt und angegeben, dass unbekannt sei, wohin Steinkoglers Sammelstücke gekommen seien. (BERGMANN, 596)
Dass unsere kleine Sammlung direkt von Franz Steinkogler an uns gekommen sei, ergibt sich aus diesen Angaben allerdings nicht.

Ein Aquarell, das sich im Archiv der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien befindet, zeigt die als Sammlung Steinkogler bei uns befindlichen Fundgegenstände. Es stammt von Isidor Engl (1832-1918) etwa um 1850. Bei Barth findet sich die Angabe, dass es wahrscheinlich von J. G. Ramsauer an Herrn von Spaun um etwa 1925 nach Wien ans Museum gekommen sei. Das gefaltete 36 x 47 cm große Blatt trägt die Inventarnummern von P. Leonhard Angerer. Nach Barth sind die von Adolf Mahr zusammen mit der Beschriftung Funde aus Hallstatt im anthropologischen Kabinett des Stiftes Kremsmünster ... aufgebracht worden. (BARTH, 1992, 33-34 und BARTH 1991, Abb.)
Bei Lindenschmit findet sich als Vergleichsobjekt zu den Funden in Niederraunau (Krumbach, Schwaben) unser Dolch abgebildet mit dem Hinweis auf Friedrich Simonys Publikation Die Alterthümer vom Hallstätter Salzberg mit der dazugehörigen Beilage. Die Jahresangabe 1856 im Zitat ist allerdings falsch. (LINDENSCHMIT, 125-126) In Simonys Werk von 1851 ist zwar das Öllämpchen aus unserer Sammlung abgebildet, nicht aber der Dolch. In der Beschreibung wird angeführt: 4. Lampe aus Bronze (in Hallstatt gefunden, jetzt im Besitze des Stiftes Kremsmünster). (SIMONY, 11 und TAF VII)
In ihrer Dissertation über die mitteleuropäischen Hallstattdolche hat Susanne Sievers 1978 eine Präsentation der verschiedenen Dolchtypen geliefert. Unser Antennendolch wird dort eingeordnet unter die Bronzedolche mit entwickelter Knauf- und Scheidengestaltung - und zwar in der Variantengruppe Aichbach. Die Buchform ihrer überarbeiteten Dissertation bietet mit Nr. 174 auf Tafel 32 eine Abbildung unseres Dolches in seinem Zustand vor der Restaurierung. (SIEVERS, 46 u. Tafel 32)
Unter dem Kustos der Sternwarte für die Anthropologischen Sammlungen P. Jakob Krinzinger bearbeitete der damalige Leiter der Prähistorischen Abteilung am Naturhistorischen Museum in Wien Dr. Fritz Eckart Barth 1991 unsere kleine Sammlung von Hallstatt-Funden. 1992 erschien dann sein umfassender Bericht. Im Zuge dieser Bearbeitung wurde unser Dolch in Wien in den Werkstätten der Prähistorischen Abteilung des NHM von Peter Schindler in vorbildlicher Weise restauriert. (BARTH, 1992, 34)
Im Zuge des Fundes der jungpaläolithischen Frauenstatuette vom Galgenberg in Stratzing auf Kremsmünsterer Stiftsgrund 1988 veranlasste P. Jakob die Neuaufstellung der Prähistorischen Sammlung - anschließend an das Paläontologische Kabinett - in einem eigenen Raum im ersten Stockwerk der Sternwarte. Dr. Otto H. Urban übernahm 1992 die Koordination der Neuaufstellung. Dabei wurden die prähistorischen Objekte aus dem fünften Stock heruntergebracht.

Im ADV-Heft Nr. 26 über den Prähistorischen Raum spricht Otto H. Urban von unserem prächtigen Antennendolch als das bedeutendste Stück der prähistorischen Sammlung. (URBAN, 24) In der Objektbeschreibung führt er an:
Antennendolch mit fein verzierter Dolchscheide;
FO: Hallstatt; H: Sammlung Steinkogler; Dat. jüngere Hallstattzeit;
Lit.: S. Sievers, Die mitteleuropäischen Hallstattdolche, Prähistorische Bronzefunde VI/8, München 1982, AB, Taf. 32/174 (im unrestaurierten Zustand).
Bem.: Kennzeichnende Waffe des "freien Kriegers" der jüngeren Hallstattzeit.

Quellen und Literatur:


ANGERER, P. Leonhard 1902-1911: Tagebuch der Naturalien-Kabinette und des botan. Gartens in Kremsmünster, I. Band, MS, Kustodiatsarchiv der Sternwarte, Kremsmünster

ANGERER, Leonhard 1910: Geologie und Prähistorie von Kremsmünster, in: 60. Programm des kais. kön. Obergymnasiums der Benediktiner zu Kremsmünster für das Schuljahr 1910, Linz, 29-118

BARTH, Fritz Eckart 1991: Hallstätter Funde im Stift Kremsmünster. Zusammenstellung der Quellen, Juli 1991, Typoskript Kustodiats-Archiv

BARTH, Fritz Eckart 1993: Hallstätter Funde im Stift Kremsmünster, in Fundberichte aus Österreich Nr. 31, 1992, Wien, 41-50

BERGMANN, Joseph 1858: Pflege der Numismatik in Österreich im XVIII. und XIX. Jahrhunderte, Dritte Abtheilung, in: Sitzungsberichte der Philosphisch-Historischen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, 28. Bd, Wien, 537-598

DICKLBERGER, Anton 1817: Salinen-Geschichte Oberösterreichs und benachbarte alpenländische Salinen, [transkribiert und ediert von Thomas Nussbaumer, 2017 inkl. DVD] 2 Bände, Weitra

HOFMEISTER, Gertrude 1985: Die Hallstatt-Sammlung im Anthropologischen Kabinett, in: Naturwissenschaftliche Sammlungen, Berichte des Anselm Desing Vereins, Nr. 7, Kremsmünster, 5-6

LETTENMAYR, Simon jun. 1819..34: Notizenbuch. Sammlungen, Zuwächse von 1819 - 1834, MS, Direktionsarchiv der Sternwarte

LINDENSCHMIT, Ludwig 1860: Die vaterländischen Alterthümer der fürstlich Hohenzoller'schen Sammlungen zu Sigmaringen, Mainz

RIEDL-DORN, Christa 1996: Die Sammlungen Friedrich Simonys am Naturhistorischen Museum/Wien, in: Stapfia 43. zugleich Kataloge des O. Ö. Landesmuseums N. F. 103, Linz 199-266

SCHULTES, J. A. 1809: Reisen durch Ober-Österreich in den Jahren 1794, 1795, 1802, 1803 und 1808. Tübingen, Thl. 1, (S. 797)

SIEVERS, Susanne 1982: Die mitteleuropäischen Hallstattdolche. - Prähistorische Bronzefunde, Abteilung VI, Band 6, München

SIMONY, Friedrich 1851: Die Altherthümer vom Hallstätter Salzberg und dessen Umgebung. Als Beilage zu den Sitzungsberichten der philos. histor. Classe der kais. Akademie der Wissenschaften (Band IV, 1950, S 338), Wien

URBAN, Otto H. 1992: Der Prähistorische Raum der Sternwarte Kremsmünster, Berichte des Anselm Desing Vereins, Nr. 26, Kremsmünster

ZIBERMAYR, Ignaz 1933: Die Gründung des oberösterreichischen Musealvereines im Bilde der Geschichte des landeskundlichen Sammelwesens, in: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines, Nr. 85, Linz, 69–180



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