Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

November 2023



Knischka-Rubin
Knischka Created Ruby in Form einer Madonnenstatue
Höhe ohne Sockel: 17 mm
Foto: P. Amand Kraml (201104276979)


Paul Otto Knischkas Created Rubies


Besonderer Dank gebührt Herrn Professor Paul Otto Knischka, der uns das große Rubinkreuz, das in der „Knischka-Vitrine" seit 1990 als Leihgabe ausgestellt war, als „Abt-Kreuz" dediziert hat und dazu ein zweites, etwas kleineres Rubinkreuz mit 4 Rohprismen von Knischka-Created-Rubies (als „Prior-Kreuz") geschenkt hat. Das Andenken an diesen Großmeister der Edelstein-Züchtung wird in Kremsmünster stets hochgehalten werden. (KRINZINGER 1993, 127)
Das schreibt P. Jakob Krinzinger 1993, damals Kustos der Anthropologischen und Erdwissenschaftlichen Sammlungen. Er war zu dieser Zeit auch Prior des Stiftes und war als solcher auch besonders für das Prior-Kreuz dankbar. Im Einsatz waren die beiden Kreuze nie. Sie wurden weder vom Abt noch vom Prior getragen. Sie kamen bereits 1990 in die Sternwarte. Damals waren sie Leihgaben, die die kleine Ausstellung über Knischkas künstliche Rubin-Kristalle zierten.
Wenn P. Jakob dann schreibt, das Andenken an diesen Großmeister der Edelstein-Züchtung werde in Kremsmünster stets hochgehalten werden, dann sehe ich das als einen Auftrag, den zumindest ich noch erfüllen möchte.
Ich lernte ja Prof. Knischka schon zur Zeit meines Biologie-Studiums in Wien kennen, als Prof. Zirkl, P. Jakob und ich ihn in Steyr besuchten. Von diesem Besuch habe ich in meiner Schreibtischlade noch - aus späterer Sicht gesehen - einen winzigen Knischka-Rubin, der mir damals verehrt wurde. Mit dem stets Hochhalten eines Andenkens ist das so eine Sache. Wer wird das wohl nach mir noch tun. Das Porträt Knischkas in der Fensternische des Mineralogischen Kabinetts ist durch das Sonnenlicht ausgebleicht. Die Erneuerung wird schwierig, da sich die Suche nach dem Original zur Zeit aussichtslos zeigt. Ich hoffe jedoch einen passenden Ersatz zu finden.
Dass wir das Andenken hochhalten sollten, ergibt sich schon aus der Tatsache, dass wir Prof. Knischka ein durchaus repräsentatives Geschenk zu verdanken haben. Schreibt doch P. Jakob bei den Zugängen zum Mineralogischen Kabinett 1989: Als Geschenk von Herrn Prof. P. O. Knischka, Steyr, bekamen wir 15 Stück gezüchtete Rubine, die einen Wert von S 142.496,- darstellen. Die Kollektion wird den Kern einer Ausstellung über „künstliche" Kristalle in einer Fenstervitrine des Mineralogischen Kabinetts bilden. (KRINZINGER JB-1989, 159) Da sind die oben angegebenen Prachtstücke noch gar nicht dabei.
Nun aber zu unserem Objekt - das war ja eigentlich der Anlass, mit Prof. Knischka, der im Schuljahr 1932/33 unser Gymnasium besuchte, wiederum in Kontakt zu kommen. Als in einer noch frühen Phase der Synthese von Rubinen ein kleiner Kristall entstand, der für Knischka die Form einer Madonnen-Statue hatte, montierte er diesen Kristall auf eine Metallbasis und verehrte ihn seinem Kollegen im Lehrkörper der HTL Steyr, dem Religionslehrer Johann Willnauer. Beide vereinbarten, dass nach dem Tod von Willnauer der Kristall der Sternwarte Kremsmünster übereignet werden solle. Am 10. Juli 1985 verstarb Willnauer und wir erhielten die "Madonna". (KRINZINGER 1985, 7-8) Sie bildet heute das Zentrum der kleinen Knischka-Vitrine. Diese wurde am 9. April 1990 in Gegenwart von Prof. Knischka publikumswirksam erstmals vorgestellt. (KRINZINGER JB-1990, 180)
Zirkl, Knischka, P. Jakob
Prof. Zirkl, Prof. Knischka, P. Jakob
bei der Präsentation der "Knischka-Vitrine" am 9. April 1990
Foto: P. Amand Kraml


P. Jakob Krinzinger stellte 1989 die Lebensdaten von Paul O. Knischka im ADV-Heft Nr. 18 zusammen:

In Steyr am 17. 6. 1919 geboren, absolvierte P. 0. Knischka 1931—1933 eine erste Studienetappe in Kremsmünster.
1938: Matura an der Staatsgewerbeschule in Linz.
1938 (Herbst) — 1945:Militärdienst bei der deutschen Luftwaffe. Ausbildung als Funkmeßingenieur.
1943: Heirat.
1945 — 1973: Einstellung in der HTL Steyr; Gründung einer Fachabteilung für Hochfrequenz- und Rundfunktechnik.
1962: Berufung zum Fachvorstand dieser Abteilung durch Unterrichtsminister Dr. Drimmel.
1963 — 1973: Einführung neuer Unterrichtsgegenstände (Halbleitertechnik, Impuls- und Regeltechnik, Bool’sche Algebra).
Quarz- und später weitere Kristallsynthesen.
1971: Ernennung zum Studienrat.
1973: Ruhestand, Wiederaufnahme der Versuche zur Quarz- und Korundsynthese,insbesondere Beschäftigung mit Rubinen als edelsten Produkten dieser Reihe.
1979: Gründung des Unternehmens für Kristallzucht mit einem österreichischen und einem amerikanischen Patent.
1979 — 1989: Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen.
1982: Ernennung zum Konsulenten für Wissenschaft der OÖ. Landesregierung.
1985: Übergabe des ersten Knischka-Created-Ruby (aus natürlichen Rubinen rekristallisiert).
1984 — 1989: Vortragstätigkeit (Universität Linz, Edelsteinzentrum Königstein, Gemmologisches Institut in Valenza).
1988: Verleihung der Medal of Merit durch den District-Governor des D 114 M (Hofrat Dr. Catharin).
1989: Groß- und Kleinhandel für Edelmetalle und Edelsteine.
1988/89: Weltweite Exklusivität an Created Rubies (z.B. größter Rohrubin der Welt mit ca. 400 ct; größter facettierter Rubin mit 67,0 ct im Edelsteinmuseum Idar-Oberstein als Leihgabe; ein Kreuz aus Rubinprismen als temporäres Ausstellungsstück - dzt. im Mineralogischen Kabinett der Sternwarte Kremsmünster). (KRINZINGER ADV-1989, 2)
P. O. Knischka ist am 22.5.1995 verstorben. P. Jakob nahm am Begräbnis in Steyr teil.

Prof. Erich J. Zirkl gibt eine kurze Zusammenfassung über die Knischka-Rubine im Jahresbericht des Gymnasiums 1990: Rubin ist die feuerrote Edelstein-Varietät des Korund, dem trigonal kristallisierenden Aluminiumoxid A12O3. Wegen der Seltenheit schön gefärbter und reiner Kristalle ist der Rubin einer der wertvollsten Edelsteine. Deshalb hat man sich schon vor ca. 100 Jahren bemüht, Rubine künstlich herzustellen.
Die ersten Synthesen in größerem Umfang gelangen August Verneuil um 1901 im sogenannten Flammenschmelzverfahren. Seither ist es einigen Wissenschaftlern (Chatham, Gilson) und Schmuckindustrien gelungen, durch verschiedene andere Verfahren Rubine zu züchten.
Schöne und große Rubinkristalle künstlich entstehen und wachsen zu lassen, gelang Paul Otto Knischka ab 1979 nach einer von ihm entwickelten besonderen und patentierten Methode.
Die „Knischka-Created-Rubies“ genannten Kristalle wachsen in einer schmelzflüssigen Phase bei etwa 1000°C. Sie sind derzeit die farblich besten, größten und schönsten von Menschenhand und Menschengeist geschaffenen Rubine der ganzen Welt. Seine Verdienste wurden durch die Ernennung zum Konsulenten für Wissenschaft der oberösterreichischen Landesregierung, 1982, und durch die Verleihung der Medal of Merit durch den District-Governor, Mag. Dr. F. Brandl und Hofrat Dr. Catharin, gewürdigt.
(ZIRKL, 180)

Quellen und Literatur:



GÜBELIN, E. J. 1982: New synthetic Rubies made by Professor P. O. Knischka, in Gems & Gemology. The quarterly journal of the Gemological institute of America, Fall 1982, Vol. 18, No. 3, 165-168

KNISCHKA, & GÜBELIN, E. 1980: Synthetische Rubine mit Edelsteinqualitiit, isometrischem Habitus und hoher Zahl unbeschädigter Kristallflächen, in: Zeitschrift der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft, Idar-Oberstein, Bd. 29, Nr. 314, 155-186. 168

KÖNIG, Johann 1998: Professor Paul Otto Knischka zum Gedenken, in: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster, 141. Jahrebericht 1998, Linz, 170-171

KRINZINGER, P. Jakob 1985: Knischka - Rubin, in: Naturwissenschaftliche Sammlungen Kremsmünster, Berichte des Anselm Desing Vereins, Nr. 8, Kremsmünster, 7-8

KRINZINGER, P. Jakob 1989: Created Rubies. Aus dem Lebenswerk des Prof. Paul Otto Knischka, in: Naturwissenschaftliche Sammlungen Kremsmünster, Berichte des Anselm Desing Vereins, Nr. 18, Kremsmünster, 1-2

KRINZINGER, P. Jakob 1989: Kabinette der Sternwarte, Abteilung Geowissenschaften und Anthropologie, in: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster, 132. Jahresbericht 1989, Linz, 159

KRINZINGER, P. Jakob 1990: Von der Sternwarte. 1. Abteilung Geowissenschaften und Anthropologie, in: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster, 133. Jahresbericht 1990, Linz, 180-181

KRINZINGER, P. Jakob 1993: Von der Sternwarte. 1. Abteilung Geowissenschaften und Anthropologie, in: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster, 136. Jahresbericht 1993, Linz, 126-127

KRAML, P. Amand 2009: Zugänge der naturhistorischen Sammlungen der Sternwarte Kremsmünster veröffentlicht in den Programmen bzw. Jahresberichten des Gymnasiums, Typoskript, Kustodiatsarchiv der Sternwarte

ZIRKL, Erich J. 1990: P. O. Knischka - Created Rubies, in: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster, 133. Jahresbericht 1990, Linz, 180



Zurück zur Homepage
Objekte früherer Monate
(c) P. Amand Kraml 2025-07-18
Letzte Änderung: 2025-07-19