Mikroskop Zetopan von Reichert Nr. 315 347
mit Interferenzkontrast und UV-Lampe für Fluoreszenzmikroskopie,
Niedervoltlampe von Leitz und aufgesetzter Digitalkamera OM-D E-M5II
Foto: P. Amand Kraml (202507213064)
Universal-Forschungsmikroskop Zetopan von Reichert
Nicht jedes unserer Objekte des Monats ist musealisiert und katalogisiert. Diesmal stellen wir ein Werkzeug vor, das aber
nicht minder bedeutend und wertvoll ist. Auch wenn ich bei den Zugängen für das Jahr 1993/94 im Gymnasial-Jahresbericht
nur ganz lapidar geschrieben habe: Im heurigen Jahr kaufte das Stift für das Kustodiat ein großes Forschungsmikroskop aus
zweiter Hand. Es handelt sich um ein Zetopan der Firma Reichert, Wien mit Einrichtungen für Interferenzkontrast
nach Nomarski und für die Fluoreszenzmikroskopie. Schon 1988 fragte mich Abt Oddo einmal, ob wir in der
Sternwarte nicht ein Mikroskop brauchen könnten. Er wollte damals einem Bekannten, der in finanzielle
Schwierigkeiten geraten war, helfen. Natürlich wusste ich noch nichts über wie und was. Als wir aber dann
das Gerät besichtigten, war ich vor Erstaunen und Freude überwältigt. Ich sollte für das Kustodiat der
Sternwarte ein Zetopan mit Interferenzkontrast bekommen. Ich kannte das Gerät als ein wahres Wunderwerk
von Reichert, der berühmten Wiener Mikroskop-Firma. Prof. Walter G. Url, bei dem ich die Lehrveranstaltung
Mikroskopie und wissenschaftliche Fotografie besuchte, schrieb einmal: Das Zetopan ... von
Reichert — nach dem Krieg in den Handel gekommen — bezeichnet, was Arbeitskomfort und Vielseitigkeit
betrifft, auf diesem Gebiet einen Höhepunkt. (URL, 1962, 78) Bereits in meiner frühen Jugend habe ich mich
mit dem Mikroskopieren beschäftigt und als ich das erste Mal in einer Vorlesung ein projeziertes Bild sah, das
mit dem Differenziellen Interferenzkontrast (DIK) aufgenommen worden war, blieb mir - wie man so sagt - der
Mund offen stehen. Nach der Besichtigung mit Abt Oddo schaute ich bei meinem nächsten Wien-Besuch bei Prof. Url vorbei
und erzählte ihm davon, gleichzeitig bat ich ihn, uns bei der Preisfindung objektiv weiterzuhelfen. Er war wiederum voll des
Lobes über das Zetopan und er vermittelte dann auch den Kontakt mit den Optischen Werken Reichert-Jung. Ich erfuhr von dort,
dass das Zetopan Nr. 315.347 1965 geliefert wurde und zusammen mit allen Zubehörteilen ca. 70.000,-- öS
kostete. (Brief vom 88-06-15) Es dauerte dann noch ein wenig, bis das Gerät bei mir im Kustodiat stand.
Aufnahme kleiner Wassertröpfchen ohne Deckglas zur Demonstration des Reliefkontrastes beim
DIK
Foto: P. Amand Kraml (199404280010)
Die Ausstattung als Fluoreszenzmikroskop habe ich zwar ausprobiert aber nie genutzt.
Das gleiche gilt für die Dunkelfeld-Mikroskopie. Der Interferenzkontrast allerdings ist fast immer
bei meinem Mikroskopieren im Einsatz. Beim Differenziellen Interferenzkontrast wird ein
Reliefkontrast erzeugt, der Strukturen sichtbar macht. Man muss sich allerdings bewusst sein,
dass dieses Reliefbild mehr aus den optischen als aus den geometrischen Eigenschaften des
Objektes resultiert.
Ursprünglich produzierte die Firma Barbier, Bénard et Turenne in Paris dieses Verfahren. Es wurden
jedoch Lizenzen an andere Firmen, wie Reichert und Zeiss vergeben. (vgl. GERLACH, 731)
Die Bedienung dieses Gerätes ist jedesmal ein Genuss. Es stammt eben aus einer Zeit und aus einem
Werk, wo man Werkzeuge noch "für die Ewigkeit" gebaut hat. Jeder der ein wenig Gefühl für
Geräte dieser Art hat, ist davon begeistert, wie all die Triebknöpfe und Hebel für die Manipulation
des Zetopan "in der Hand liegen".
Eine genauere Übersicht über all das, was das Zetopan kann und hat, findet sich im Prospekt der Firma Reichert,
aus dem wir hier die einleitende Vorstellung wiedergeben:
Dieses Forschungsmikroskop ist in Naturwissenschaft und Technik ein unentbehrliches Werkzeug zur Lösung zahlreicher Probleme geworden. Seine außerordentliche Anwendungsbreite bringt ein Höchstmaß an Leistung und Flexibilität und erlaubt die Realisierung aller zur Zeit bekannten Untersuchungsmethoden.
Durchlicht, Auflicht oder Mischlicht — Hellfeld, Dunkelfeld, Phasenkontrast, Interferenzkontrast, Polarisation oder Fluoreszenz — jede dieser Methoden kann wahlweise verwendet und mühelos gewechselt werden.
Die in allen Verfahren gleichermaßen optimale Bildqualität ist das Ergebnis neuartiger Berechnungsverfahren, der Verwendung neuer Glassorten und der Einsatz von Mehrfach-Vergütungsschichten. Damit wurde die vollkommene Abstimmung aller Optikkomponenten zueinander erreicht — hochpräzise Fertigungsmethoden sichern diese Leistung in der großen Serie.
Alle Objektive sind zueinander parfokal und punktzentriert. Entsprechend der verwendeten Untersuchungsmethode, der gewünschten
Vergrößerung und der benötigten numerischen Apertur können aus unseren SEMPLAN- und Planachromatobjektiven beliebige Mischsätze kombiniert werden.
Die Plan-Kompensokulare ergeben bei allen Optikkombinationen weite, ebene Gesichtsfelder; ihre Farbkorrektur genügt höchsten Anforderungen. Sowohl für die visuelle Betrachtung als auch für die Mikrophotographie in Schwarzweiß und Farbe ergeben sich kontrastreiche und brillante Abbildungen.
Der Ausbau des Grundgerätes kann in beliebigen Stufen erfolgen. Die einfache Bedienung sichert die optimale Nutzung aller Zusatzeinrichtungen.
Tische, Kondensoren, Tuben, Photo- und Kinokameras sowie Lichtquellen können einfach angesetzt und rasch gewechselt werden. Die mechanische und optische Justierung bleibt dabei erhalten, daher ist auch der nachträgliche Ausbau des Mikroskops im Wege der Nachlieferung ohne jede Schwierigkeit möglich.
Die Grob- und Feineinstellung wirkt auf den Objekttisch. Die Triebknöpfe sind koaxial angeordnet. Für Tiefenmessungen ist die Feineinstellung auf 1 μm genau ablesbar.
Alle Kondensoren werden auf einer horizontalen Schlittenführung eingesetzt und im Kondensorträger zentriert. Dieser ist mit Zahntrieb höhenverstellbar und kann im Bedarfsfall abgenommen werden.
Alle Mikroskoptische sind auf Träger wechselbar.
Der Kreuztisch Nr. 27 hat eine freie Tischfläche von 120 x 130 mm. Das Präparat kann über die beidseitig angeordneten, koaxialen Triebknöpfe in zwei aufeinander senkrechten Richtungen um 50x70 mm verschoben werden. Die Stellung des Tisches kann an den Teilungen mit Nonien auf 0,1 mm genau abgelesen und damit jederzeit reproduziert werden. Der Präparathalter ist abnehmbar und kann gegen einen speziellen Auflicht-Präparathalter ausgetauscht werden.
Für Durchlichtobjektive steht wahlweise ein 4facher oder 6facher Revolver zur Verfügung, dessen Drehung kugelgelagert und daher hochpräzise, leichtgängig und wartungsfrei ist. Die Revolver sind auf Schlitten rasch wechselbar.
Für Auflicht wird anstelle des Revolvers einer unserer Opakilluminatoren eingesetzt.
Der abnehmbare Tubuskopf trägt Phototubus, Einblicktubus, Analysatoren, Kompensatoren und Filterschieber. Die eingebaute Bertrandlinse erlaubt im Hellfeld die Kontrolle der Aperturirisblende und der Ringblenden bei Phasenkontrast, in der Polarisationsmikroskopie die Beobachtung und Photographie des konoskopischen Bildes.
Der Einblicktubus kann seitlich geschwenkt und das mikroskopische Bild durch nebeneinander sitzende Personen abwechselnd
beobachtet werden. (ANONYMUS, Zetopan, 2-3)
Quellen und Literatur:
ANONYMUS o. J.: Gebrauchsanweisung für das Zweilampenaggregat "Binolux II", Reichert, Wien
ANONYMUS o. J.: Interferenzkontrast-Einrichtung nach Nomarski, Reichert, Wien, K I-III D 4/62
ANONYMUS o. J.: Zetopan, Reichert, Wien [Prospekt mit der Beschreibung der verschiedenen Anwendungsgebiete]
GÖKE, Gerhard 1985: Methoden der Interferenzmikroskopie. 4. Differenzieller Interferenzkontrast (DIK), in: Mikrokosmos 74. Jg.,
Stuttgart, 274-279
GERLACH, Dieter 2009: Geschichte der Mikroskopie, Frankfurt a. Main
KRAML, P. Amand 1994: Von der Sternwarte. 2. Abteilung Biologie und Bibliothek, in: Öffentliches Stiftgymnasium Kremsmünster, 137. Jahresbericht 1994, Linz, 145-147
URL, Walter 1962: Makro- und Mikrophotographie in Vergangenheit und Gegenwart, Vortrag, gehalten am 11. Januar 1961, in: Schriften des Vereins zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse Wien, Bd. 101, Wien, 43-84
VOLGGER, Michael 2008: Lichtmikroskopie - Theorie und Anwendung, Wien [im Internet: https://web.archive.org/web/20210730182930/http://www.univie.ac.at/mikroskopie/pdf/Lichtmikroskopie.pdf]