Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

November 2024



Diakopiergerät
Gerät zum Dia-Digitalisieren mit OM-1, der Aufbau trägt die Steuereinheit mit dem Mikrocontroller, das Kabel mit dem Akku-Adapter wird für die Stromversorgung dieser Kamera nicht mehr gebraucht.
Foto: P. Amand Kraml (202507042385)


Eigenbau-Gerät zum Digitalisieren von Kleinbilddias

Wer viele Dias fotografiert hat und dieAufnahmen erhalten möchte, steht wahrscheinlich irgendwann vor der Herausforderung, diese zu digitalisieren. Durch mein Fotografieren vor allem von Pflanzen und Ausstellungsstücken der Sammlungen hat sich schon bald einmal gezeigt, dass eine gewisse Ordnung und geordnete Archivierung angesagt sind. Um die Dias - zu guter Letzt waren es an die 25.000 - ordentlich und platzsparend zu archivieren, baute ich mit Diamagazinen zwei drehbare Türme, wo schließlich 2001 alles untergebracht war. Mit einer Datenbank, die auch Miniaturansichten einschloss, war es dann möglich, ziemlich schnell ein gewünschtes Bild zu finden. Kollegen haben immer wieder gestaunt, wie schnell ich das Bild einer Pflanze oder einer Situation bei einer Exkursion ausheben konnte. Schon für die Miniaturansichten war es notwendig, die Dias zu digitalisieren. Mit einfachen käuflichen Diascannern, bei denen man jedes Dia einzeln in eine Ausnehmung stecken musste, wurde das ziemlich zeitaufwendig bewerkstelligt. Als es dann darum ging, die Fotos in vernünftiger Auflösung (auch für Publikationen) zu digitalisieren, war klar, da muss ein Gerät gebaut werden, das diese Aufgabe mit einigermaßen erträglichem Zeitaufwand bewältigen könnte. Zwei Sprüche ehemaliger Lehrer und Mitbrüder kamen zum Tragen: "Man kann noch so blöd sein, man muss sich nur zu helfen wissen" (P. Nikolaus Zacherl) und "Nichts leichter wia dös" (P. Maximilian Schwediauer)
Die Realisierung der Version 1 erfolgte im Februar 2015. Ein alter Diaprojektor erhielt an Stelle der Niedervoltlampe die LED-Hintergrundbeleuchtung eines kleinen Displays, wie sie heute in so vielen Geräten eingebaut sind. Es fehlte noch eine Digitalkamera mit Makroobjektiv und die Vorrichtung diese so zu montieren, um damit die beleuchteten Dias zu fotografieren. Wer aber schaltet das Wechseln der Dias, die im Schlitten sind und wer löst die Kamera aus, sobald das Dia ruhig vor der Lichtquelle positioniert ist. Klar, das macht ein Mikrocontoller (hier ein ATMEGA328). Dem kann man, richtig programmiert (natürlich in Assembler), die zeitliche Abfolge der Steuerimpulse anvertrauen. Damit man den Akku der Kamera nicht zwischendurch nachladen musste, erhielt sie den Strom aus einem Netzteil, das sich leicht noch an den vorhandenen Trafo des Projektors anhängen ließ.

Das Gerät neben dem Schreibtisch aufgestellt, kann man neben der üblichen Arbeit immer wieder die Diamagazine wechseln und es gelang so, den größten Teil der Dias mit einer Olympus-D-EM-5 Mark II befriedigend und innerhalb einiger Wochen zu digitalisieren.
Es blieben dann 2024 noch ein paar letzte Dias, die ich in speziellen Serien zusammengestellt hatte, weil sie bestimmte Ereignisse im Stift dokumentieren sollten (z. B. Jugendwochen). Um auch diese auf ein digitales Medium zu bringen, baute ich eine Version 2. Das betrifft aber nur den Umbau der Kamera-Montage. Der Erwerb eines recht guten Macro-Objektives und die Verwendung der neuen Kamera Olympus OM-1 machten diese Änderung notwendig. Unser Bild zeigt diese Version 2, die nun der Größe des Objektivs wegen etwas weniger elegant ausschaut, dafür aber für spätere Änderungen flexibler ist.
Die Qualität der Dias ließ nach und es stellte sich die Frage, ob man nicht auf die Originale verzichten sollte. Im Frühjahr 2023 entsorgte ich dann die Dias und baute die Archiv-Türme ab. Ein wenig leid war mir schon, aber ich war auch froh über den gewonnenen Platz und meine "analoge" Fotografie war ohnedies nicht für die Jahrhunderte, in denen wir denken - wie ich gerne sage - zu erhalten. Heute kann ich alle meine Fotografien zusammen mit allen nach 2005 (anlässlich meiner Spanienreise zur ringförmigen Sonnenfinsternis) gemachten digitalen Aufnahmen in der Hosentasche mittragen. Ein Laptop oder so etwas Ähnliches sollte natürlich auch noch in der Nähe sein, sonst bleibt es beim Mittragen. Und mit dem Anschauen - so wie das bei der analogen Fotografie möglich war - wird's dann aber nichts.


Quellen und Literatur:


KRAML, P. Amand 2004ff: Elektronische Eigenbau-Geräte, Archiv der Sternwarte



Zurück zur Homepage
Objekte früherer Monate
(c) P. Amand Kraml 2025-07-05
Letzte Änderung: 2025-07-07