Tschermak-Medaille
1901, Bronze, Durchmesser: 5 cm
Foto: P. Amand Kraml (199003040019)
Gustav Tschermak Medaille
ZUR FEIER DES
40-JÄHR.DOCENTEN-
JUBILÄUMS
GEWIDMET VON
SCHÜLERN u. VEREHRERN
WIEN
10. JULI 1901
Foto: P. Amand Kraml (199003040009)
Erich Tschermak als Gymnasialschüler
Foto im Archiv der Sternwarte
Die Originalmedaille in Bronze, mit dem Portrait von Tschermak Durchmesser 50 mm, wurde vom Medailleur Rudolf Marschall
(MACK, HÖLBLING) geschaffen.
Gustav Tschermak wurde am 19. April 1836 in Littau in Mähren geboren, war 1868 - 1907 Professor für Mineralogie und starb
am 4. Mai 1927 in Wien.
Die gezeigte und bei uns aufbewahrte Medaille gibt Anlass, etwas zur Beziehung von Gustav Tschermak zur Sternwarte in Kremsmünster zu beschreiben.
P. Anselm Pfeiffer hörte an der Universität Wien im ersten Semester des ersten Jahres 1874/75 bei Prof. Tschermak Allgemeine Mineralogie (3 Wochenstunden) und Petrographie (2 Wochenstunden).
Im Kustodiats-Archiv sind zahlreiche Briefe von Gustav Tschermak an seinen Schüler P. Anselm erhalten.
Mit Ausnahme eines einzigen,
der über den von Tschermak beschriebenen Orthoklas-Kristall handelt (1887-06-05), beziehen sich alle anderen ausschließlich auf pädagogische Belange, seine beiden Söhne Armin und Erich betreffend. Der erste Brief für die Anmeldung von Sohn Armin ist vom Dezember 1880 erhalten. Armin durchlief die Gymnasialzeit in den vorgesehenen acht Jahren (1881/82 - 1889) und gehörte immer zu den Vorzugsschülern. Sein jüngerer Bruder - der heute wesentlich berühmtere - Erich war ein sehr schwacher Schüler. Er begann im Schuljahr 1882/83. Als nach der fünften Klasse die Wiederholung drohte, wollte der Vater dem Buben den moralischen Druck einer solchen ersparen und ließ ihn unter väterlicher Aufsicht in Wien im Hernalser Gymnasium fortsetzen (Brief vom 17. 09. 1887). Da auch das nicht so recht klappen wollte, wurde Erich für das zweite Semester
wieder nach Kremsmünster geschickt und mit viel Unterstützung von Seiten P. Anselms und durch
P. Franz Schwab (KRAML, 2001, 21-22) gelang trotz des vom Vater bedauerten geringen Talents,
doch durch viel Fleiß den Erich durchaus zeigte, der Abschluss mit der Matura 1891 am Gymnasium in Kremsmünster.
Die Matura bestand auch er schlussendlich mit Auszeichnung (PROGRAMM, 1891, 121). Armin wurde Mediziner und Professor für Tierphysiologie. Erich wurde Professor an der Hochschule für Bodenkultur in Wien und zu einem der Wiederentdecker der
Mendelschen Regeln in der Vererbungslehre.
Ein paar Passagen aus den Briefen mögen die Sorgen des Vaters wiedergeben:
Brief vom 8. Juli 1885: Erich - Für eine Gelehrtenlaufbahn hat er keine Begabung, doch für das gewöhnliche
Brotstudium dürfte sein Talent ausreichen.
Brief vom 26. Febr. 1887: Ich bin sehr glücklich darüber, dass Armin sich immer gleich wacker hält.
Bei Erich aber muss ich froh sein, wenn's nur beiläufig weiter geht, denn obwohl
über Mangel an Fleiss nicht geklagt wird, so zeigen sich doch in den Sprachen
keine solchen Fortschritte, dass ich hierin ausser Sorge sein könnte. Darüber
jedoch bin ich vollkommen beruhigt, dass alles geschieht, um ihn vorwärts zu bringen
und so viel sein Talent es erlaubt ihn zu einem tüchtigen Menschen heranzubilden.
Hoffentlich wird die Mühe gelohnt und gelingt es, auch Erich für eine seiner Begabung
entsprechende Laufbahn vorzubereiten.
Brief vom 10. Februar 1888:
Meinem Erich geht es in dem Hernalser Gymnasium, wo er dieses Semester zubrachte,
keineswegs gut, zumal dort auf das Auswendiglernen allzugrosses Gewicht gelegt wird
und dies meinem Erich, der kein starkes Gedächtnis besitzt, recht schwer ankommt.
Ich habe mich aber während dieser Zeit, da er unter meinen Augen studierte überzeugt,
dass er einen enormen Fleiss entwickelt und auch so viel Intelligenz besitzt, um
den im Gymnasium zu verarbeitenden Stoff zu verstehen. Obwohl er nun immer ein
schwacher Student bleiben wird, so glaube ich, ihn doch das Gymnasium absolviren
lassen zu sollen. An dieser Anstalt verliert er mir aber alle Lust am Studieren
und daher möchte ich ihn sehr gerne wieder auf den ursprünglichen Weg zurückbringen.
Brief vom 21. Februar. 1888: Armins Zeugnis hat mir Freude gemacht umsomehr als ich daraus erkannte,
dass nun alle Herren Professoren mit ihm zufrieden sind und er auch die beste Sittennote erhielt. ... Mein Erich ist nun wieder zu Ihnen zurückgekehrt wo er einer humaneren und
freundlicheren Behandlung als hier gewärtig sein darf. Für diesen Jungen bitte ich
freilich um besondere Geduld, weil seine Anlagen keine so vorzüglichen sind als die
seines Bruders.
Quellen und Literatur:
KORRESPONDENZ von P. Anselm Desing, Konvolut im Kustodiats-Archiv der Sternwarte Kremsmünster
Anmeldungsbuch des Studierenen Pfeiffer Anselm aus Spital am Pyhrn Oberösterreich, Inscribirt in der philosophischen Facultät
der k. k. Universität zu Wien, Kustodiats-Archiv
ANONYMUS 1938: Verzeichnis der Kremsmünsterer Studenten 1871 - 1938. Hrsg. von der Direktion des Obergymnasiums der Benediktiner zu Kremsmünster, Wels.
BECKE, F. 1927: Gustav Tschermak †. – Almanach der Akademie der Wissenschaften in Wien, 77, 187–195.
FRITSCHER, B. 2004: Mineralogie und Kultur im Wien der Donaumonarchie – Zu Leben und Werk Gustav Tschermaks. – Jb. Geol.
B.-A., 144/1, 67–75.
HAMMER, V. M. F. & PERTLIK, F. 2001: Ein Beitrag zur Geschichte des Vereines "Wiener Mineralogische Gesellschaft"
(27. März 1901–24. November 1947). – Mitt. Österr. Miner. Ges., 146: 407–416.
HÖLBLING, L. 1998: Medaillen der Wissenschaft. Die Sammlung des Archivs der Universität Wien, in: Schriftenreihe des Universitätsarchivs, Universität Wien. 13. Bd. Hrsg.: K. Mühlberger und F. Skacel, Wien
KRAML, Gerhard (P. Amand) 2001: Flora Cremifanensis. Analyse historischer und aktueller Verbreitungsmuster der Farn- und Blütenpflanzen in der Umgebung von Kremsmünster (Oberösterreich) auf der Grundlage einer Feinrasterkartierung, Dissertation, Wien
MACK, G. 1992: Leben und Werk des Medailleurs Rudolf Marschall, 1873-1967. – Diplomarbeit Universität Innsbruck.
MEYER-LÜBKE, W. 1927: Gustav Tschermak. – Die feierliche Inauguration des Rektors der Wiener Universität für das Studienjahr 1927/28, Wien, 34-38
PERTLIK, Franz 2009: Gustav Tschermak, Edler von Seysenegg (1836-1927): Widmungsmedaille anlässlich seines 40. Dozentenjubiläums 1901,
in: Berichte der Geologischen Bundesanstalt, Bd. 45, Wien, 28-29
PERTLIK, Franz 2010: Gustav Tschermak, Edler von Seysenegg (1836-1927): Widmungen, Ehrentitel und Bezeichnung von Mineralen mit seinem Namen,
in: Scripta geo-historica. Grazer Schriften zur Geschichte der Erdwissenschaften, 4, 167-178.
41. PROGRAMM des kais. kön. Ober-Gymnasiums der Benedictiner zu Kremsmünster für das Schuljahr 1891, Linz, 1891
TSCHERMAK-SEYSENEGG, Erich von, 1958: Leben und Wirken eines österreichischen Pflanzenzüchters. Beitrag zur Geschichte der
Wiederentdeckung der Mendelschen Gesetze und ihre Anwendung für die Pflanzenzüchtung, Berlin - Hamburg.