Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

November 2025



Canis lupus
Canis lupus, Stopfpräparat
Inv. Nr. 860601/03
Foto: P. Amand Kraml (202509204338)


Stopfpräparat eines Wolfes, Canis lupus

Zur Zeit der Landesausstellung zum Stiftsjubiläum 1977 gab es - ganz im Gegensatz zu heute - bei uns in Oberösterreich keine Wolfsichtungen. So konnte Dr. Herbert Schifter bei der Erstellung des Konzeptes für das Zoologische Kabinett eine Vitrine für besonders interessante Säugetiere in Form eines Diaramas einrichten: Besonderes Interesse verdienen die historischen Exemplare aus Oberösterreich, die größtenteils in dem als Diarama gestalteten Schauraum (35) ... zu sehen sind. Ihr Vorkommen gehört längst der Vergangenheit an. Braunbären (Ursus arctos) gab es aber zumindest in der ersten Hälfte des 19. Jhs. noch im Mühlviertel; so ist das ausgestellte Stück 1833 im Sonnenwald nächst Ulrichsberg bei Schlägl vom Kooperator Gregor Hain erlegt worden. Der Wolf (Canis lupus) wurde 1811 in Pernstein bei Kirchdorf geschossen und für die Sternwarte präpariert. Auch der Luchs (Lynx lynx) und die Wildkatze (Felis silvestris) gehörten einst zu den Bewohnern der Umgebung Kremsmünsters. ... Auch der Biber ist schon frühzeitig aus der Umgebung des Stiftes verschwunden; zumindest 1700 wurde aber noch ein Biber in der Krems gefangen. (SCHIFTER, 282-283)
Nach genaueren Recherchen scheint nun festzustehen, dass es sich bei unserem Wolf im Diarama nicht um den in Pernstein 1811 geschossenen Wolf handelt. Bei der Auflistung der Sammlungs-Zugänge für das Schuljahr 1855/56 wird nämlich ein weiteres Exemplar eines Wolfes, Canis lupus, angeführt. (PROGRAMM, 25) Leider ist dort sonst nichts verzeichnet, was auf die Herkunft des Wolfes schließen ließe. Man hofft, dass durch einen Zufallsfund im Archiv vielleicht irgendwann etwas darüber ans Licht kommt.
Jedenfalls können wir durch die Wiedergabe des Berichtes von C. Ehrlich von 1854 durch Munganast feststellen, dass sich der Wolf von 1811 auch tatsächlich in unserer Sammlung befand: Ein anderes Auftreten von Wölfen in Oberösterreich fällt zurück auf das Jahr 1811, wo bei Kirchdorf im Kremstale gleichfalls zwei Exemplare erlegt wurden. Das eine befindet sich in der zoologischen Sammlung des Stiftes Kremsmünster, während das andere in späterer Zeit durch die Güte des genannten Stiftes an das Museum in Linz abgegeben wurde. (MUNGANAST, 5)
Das alte Stopfpräparat von 1811 war wahrscheinlich nicht mehr ansehnlich oder gar ganz von Schädlingen zerstört. Denn es findet sich heute nur noch ein Wolf-Präparat in unseren Zoologischen Sammlungen und dessen Art der Präparation lässt doch eher auf die Mitte des 19. Jhs. schließen.



Quellen und Literatur:


PROGRAMM des kaiserl. königl. Gymnasiums zu Kremsmünster für das Schuljahr 1856, Linz

EHRLICH, Carl 1854: Zur Charakteristik des Wolfes, in: Linzer Zeitung, Nr. 135, 7. Juni, Linz, 547

KRAML, P. Amand 2009: Zugänge der naturhistorischen Sammlungen der Sternwarte Kremsmünster veröffentlicht in den Programmen bzw. Jahresberichten des Gymnasiums, Typoskript, Kustodiatsarchiv der Sternwarte

MUNGANAST, E. 1909: Wölfe in Oberösterreich, in: Linzer Volksblatt, 41. Jg. Nr. 50, 3. März 1909, Linz, 5

PLASS, Jürgen & HEROLD, Lauren 2023: Wolf. Canis lupus LINNAEUS 1758 (Zusammenstellung historischer Angaben), in: PLASS (Red.) Atlas der Säugetiere Oberösterreichs, Denisia 45, Linz, 556-589

SCHIFTER, Herbert 1977: Zoologisches Kabinett/VII/4, in: 1200 Jahre Kremsmünster. Stiftsführer. Geschichte, Kunstsammlungen, Sternwarte, Linz, 266-283

SCHWAB, P. Franz 1905: Über Jagd und Jagdtiere in vergangenen Tagen, Linzer Volksblatt für Stadt und Land, 24. 9. 1905, 37. Jg. Nr. 219, Linz, 1




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(c) P. Amand Kraml 2025-09-21
Letzte Änderung: 2025-10-18