Ansichtskarte des Ostafrikanischen Kabinetts
Kustodiats-Archiv
Repro (202509062505)
Ansichtskarte vom Ostafrikanischen Kabinett
Die Ansichtskarte stammt aus einer Serie, die vom Stift verkauft wurde. In der Serie
befindet sich auch die Karte des bereits durch P. Ansgar Rabenalt
1958 neu eingerichteten Astronomischen Kabinetts. So ist wohl
auch das Foto für diese Karte nach 1958 aufgenommen worden.
Nach dem Tod von P. Leonhard Angerer 1934 wurde
P. Reinhard Windischbauer Kustos der Sternwarte
in einer recht schwierigen Zeit. Er übernahm im Schuljahr 1937/38 auch von P. Leonhard
die Aushilfe als Naturgeschichtslehrer am Gymnasium der Kreuzschwestern in Linz.
Gleich zu Beginn seines Kustodiats-Amtes erhielt die Sternwarte 1936 eine interessante größere
Sammlung. Im Bericht über die Zugänge im Jahresbericht des Gymnasiums erfahren wir:
Das zoologische und anthropologische Kabinett erfuhren eine wertvolle Bereicherung
durch H. Prof. Dr. Edmund Baumgartinger, der eine Privatsammlung seines verstorbenen
Bruders Dr. Heinrich Mayer spendete. Die Sammlung enthält 89 Hörner und 12 Geweihe
aus Deutschostafrika, ferner zwei Schädel vom afrikanischen Warzenschwein, einen
Flußpferdschädel, verschiedene Felle und anderes. An volkskundlichen Gegenständen
enthält die Sammlung zahlreiche Speere, Schilde, Stöcke aus Ebenholz und verschiedene
Gebrauchsgegenstände. Die Sammlung wird als Ganzes in einem eigenen Kabinett
aufgestellt werden. Dem hochherzigen Gönner Prof. Dr. Edmund Baumgartinger sei an
dieser Stelle nochmals der gebührende, herzliche Dank ausgesprochen. (WINDISCHBAUER, 1937, 7)
Im darauffolgenden Jahresbericht kann P. Reinhard bereits die Einrichtung des neuen
Sammlungsraumes im 5. Stock vermelden:
Die im vorigen Jahresberichte erwähnte Privatsammlung aus dem Nachlasse des Herrn
Dr. Heinrich Mayer wurde in einem Raum des 5. Stockes der Sternwarte aufgestellt.
Ebenso wurden alle anderen Schaukästen und Sammlungsgegenstände des 5.
Stockwerkes einer gründlichen Erneuerung unterzogen. Sr. Gnaden, der hochwürdigste
Herr Abt, stellte dazu in hochherziger Weise die nötigen Geldmittel zur Verfügung.
(WINDISCHBAUER, 1938)
Dieser in der Folge als Ostafrikanisches Kabinett bezeichnete Raum befand sich
im 5. Stock auf der Seite zum Gymnasium hin. Hier ist der Boden erhöht durch die
Decken-Restaurierung nach dem Wassereinbruch und die Zerstörung der Stuckdecke im
Zoologischen Kabinett darunter gegen Ende des 19. Jhs.
Durch die Auflösung des Kremsmünsterer Gymnasiums im Sommer 1938 durch die Nationalsozialisten, war auch
die Zukunft der Sternwarte äußerst ungewiss. Es war also die letzte Umgestaltung in der
Sternwarte vor der Beschlagnahme des Stiftes durch die neuen Machthaber am 4. April 1941.
Am 11. Juni 1945 kam P. Reinhard von seinem Kriegseinsatz als Soldat zurück und übernahm
umgehend wieder die Betreuung der Sternwarte-Sammlungen. (RANKL, 71)
Bis zur Umgestaltung der Sternwarte im Zuge der Landesausstellung 1977 blieb dieses
Kabinett in der auf der Ansichtskarte dargestellten Form erhalten.
Dann wurde der Raum als Depot für die naturhistorischen Sammlungen gewählt. Dort sind
heute die Herbarien, Teile der Insektensammlung, Depotbestände der Zoologie und der
anthropologischen Sammlungen untergebracht.
Quellen und Literatur:
RANKL, P. Richard 1946: Stift und Gymnasium in den Jahren 1938 - 1946, in: 89. Jahresbericht des Obergymnasiums der Benediktiner zu Kremsmünser, Schuljahr 1946, Kremsmünster, 49-79
WINDISCHBAUER, P. Reinhard 1837: Die naturhistorischen Sammlungen, in: 87. Jahresbericht des Obergymnasium der Benediktiner zu Kremsmünster, Schuljahr 1937, Kremsmünster, 7-8
WINDISCHBAUER, P. Reinhard 1938: Die naturhistorischen Sammlungen, in: 88. Jahresbericht des Obergymnasiums der Benediktiner zu Kremsmünster, Schuljahr 1938, Kremsmünster, 7