Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Oktober 1997


Laserpitium Laserpitium archangelica WULFEN, Engelwurz-Laserkraut
(Foto: P. Amand  Kraml)


Die Sternwarte Kremsmünster beteiligt sich als Forschungsstätte verschiedener Naturwissenschaften zur Zeit auch an aktuellen Fragestellungen, wie z. B. der Erstellung von Verbreitungsangaben für die Pflanzen der Österreichischen Flora.


Laserpitium archangelica, ein interessanter Pflanzenfund in Oberösterreich:

Abstract: New locality of Laserpitium archangelica WULFEN in Upper Austria near Bad Ischl. This plant was already found in 1949 in Hallstatt.

Die südböhmisch-oberösterreichischen Botanikertreffen treiben nicht nur jedes Jahr die Kartierungsarbeiten für das Bundesland Oberösterreich voran, sondern sind auch immer wieder gut für interessante floristische Besonderheiten. Beim achten dieser Treffen in Bad Goisern (21. - 27. Juli 1997) konnte - bedingt durch das Regenwetter - ein interessanter Pflanzenfund gemacht werden. Höhere Lagen waren für die Arbeit am vorletzten Exkursionstag (1997-07-26) unerreichbar, sodaß wir uns mit einer Wanderung entlang der Traun zwischen Lauffen und Bad Ischl zufriedengeben mußten. An einem kleinen Weg am linken Traunufer, ca. 500 m nördlich des Schlosses Engleithen (Kartierungsquadrant 8347/2) in einer Seehöhe von etwa 480 m, fiel unter den drei stattlichen Apiaceen Laserpitium latifolium, Pleurospermum austriacum und Angelica sylvestris eine vierte durch ihre borstige Behaarung auf. Nach einigen Überlegungen stellte sich heraus, daß es sich dabei um das uns aus dem „Großen Kessel" des Mährischen Altvatergebirges (Hrubý Jeseník) bekannte Laserpitium archangelica handelte.

In der neuen Exkursionsflora von Österreich (ADLER, W. et al.) ist diese Umbellifere nicht angeführt. Die Liste der Gefäßpflanzen Mitteleuropas (EHRENDORFER) gibt einen Verbreitungshinweis auf Österreich in Klammern wieder, was bedeutet, daß diese Pflanze vorübergehend eingeschleppt ist.

Laserpitium archangelica ist von WULFEN durch JACQUIN erstmals aus Krain, Bischoflak 1781 beschrieben worden. SCOPOLI führt die Pflanze bereits 1772 mit Hinweis auf WULFEN unter dem Namen Laserpitium Chironium (S. 197). Ihr Verbreitungsgebiet hat die Pflanze also im westillyrischen und darüber hinaus im karpatischen und sudetischen Bereich. Ihr Vorkommen wird immer als selten bezeichnet.

Genaueres Nachprüfen im Herbar des OÖ. Landesmuseums in Linz und in der Literatur brachte zutage, daß diese Pflanze bereits am 25. Juli 1949 von Ing. Bruno WEINMEISTER am Hallstätter Salzberg unterhalb des Maschinenhauses an einem Waldrand am Nordfuß des Siegkogels gefunden und belegt wurde (Kartierungsquadrant 8447/2, das ist ca. 14 km südlich der jetzigen Fundstelle). WEINMEISTERs Fund wurde 1950 im Jahrbuch des OÖ. Musealvereins (S. 28) und bei MORTON (S. 3) publiziert. Diese Angaben fanden Aufnahme in JANCHENs Catalogus (S. 436): „Eingeschleppt in OÖ (Hallstätter Salzberg 1949)". Weitere Herbarbelege WEINMEISTERs - ebenfalls vom Salzberg - stammen vom 21. August 1957. Durch eine gewisse Diskontinuität in der Botanischen Arbeitsgemeinschaft am Biologiezentrum geriet dieses Vorkommen in Vergessenheit, obwohl WEINMEISTER seinen Fund auch in Form eines Vortrages bei der Arbeitsgemeinschaft vorstellte. In unserem Atlas der Gefäßpflanzenflora des Dachsteingebietes blieb daher dieses alte Vorkommen unerwähnt.

An der Traun oberhalb von Bad Ischl kommt Laserpitium archangelica in einigen -zig Individuen in einem flußbegleitenden Hochstaudengebüsch zusammen mit den oben genannten Doldenblütlern vor. Dieser Aubereich erscheint im Gesamten als ziemlich gestört.

Eine Kontrolle mehrerer Standorte flußabwärts bis Mitterweißenbach brachte vorläufig keine weiteren Funde. Eine Kontrolle des Fundortes am Hallstätter Salzberg ist noch nicht erfolgt.


Literatur:

ADLER W., FISCHER R. & OSWALD K. (1994): Exkursionsflora von Österreich. Stuttgart, Wien.

BOTANISCHE ARBEITSGEMEINSCHAFT (1996): Atlas der Gefäßpflanzenflora des Dachsteingebietes. - Stapfia 43: 267-355.

EHRENDORFER F. (Hrsg.) (1973): Liste der Gefäßpflanzen Mitteleuropas.- 2. Aufl. Stuttgart.

HEGI G. (1966): Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Bd. V/2.- Nachdruck der 1. Aufl. Berlin, Hamburg.

Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines 95. Bd. Linz, 1950.

JACQUIN N. (1781..93): Icones plantarum rariorum. Wien

JANCHEN E. (1957): Catalogus Florae Austriae. I. Teil, Heft 2. Wien.

MORTON F. (1950): Bemerkenswerte Pflanzenfunde im Salzkammergute im Jahre 1950. - Arb.Bot.Stat.Hallstatt 120.

SCOPOLI I. A. (1772): Flora Carniolica, Tom I. Wien.


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