Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

März 1999


Antependium

Antependium im Kapellenzimmer
Foto: P. Amand Kraml


Antependium

Ölgemälde auf Leinwand, 138 x 74 cm, Maler unbekannt


Das Antependium am Altar der Sternwartekapelle zeigt ein ikonographisch interessantes Motiv. Dargestellt ist auf der rechten Seite die Kreuzigung Jesu auf dem Kalvarienberg. Im Hintergrund ist die Verfinsterung der Sonne, von der die Passionsberichte erzählen, angedeutet. Auf der linken Seite des Bildes sieht man Dionysius Areopagita, der den Angaben seines Polykarp-Briefes nach diese Naturereignisse beobachtet hat.

P. Laurenz Doberschiz gibt in seiner Beschreibung der Sternwarte (S.354) folgende Angaben:
Das Antipendium des Altares ist eben auf das Sternsehen alludirend. Es ist nämlich Christus am Creutz gemahlen auf dem Calvariberg sterbend bey verfinsterter Sonne, und Verwirrung aller Elementen. Gegenüber stehet auf einer Anhöhe der atheniensische Weltweise Dionysius von Areopago mit seinen Meßinstrumenten, der diese Zerrüttung der Sonne, des Mondes, der Sterne und aller Elementen sehend voll des Schreckens ausrufet: Aut Deus naturae patitur: aut mundi Machina dissolvetur.

Die Darstellung des Areopagiten als Ahnherrn der christlichen Naturwissenschaften finden wir auch in zwei Deckenfresken von Paul Troger. Eines befindet sich in St. Pölten im Bischofshof in der ehemaligen Bibliothek des Augustiner Chorherrenstiftes. Es ist 1734 entstanden. Das zweite - um 1742 gemalt - ist das Hauptkuppelfresko der Bibliothek des Benediktinerstiftes Altenburg.

Aldersbach
Fresko in der Apsis der Portenkirche in Aldersbach
Foto: P. Amand Kraml
In der aufgehobenen Zisterzienserabtei Aldersbach in Bayern schmückt die Apsis der Portenkirche ein Fresko von Matthäus Günther, das ebenfalls die Figur des Hl. Dionysius Areopagita mit dem gleichen Ausspruch wie auf unserem Antependium zeigt. Diese Portenkirche wurde 1767 als Kirche für die studierende Jugend von Aldersbach eingerichtet. Eigentlich stellte der Altar die Kreuzigung Jesu mit der Schmerzensmutter in Form einer Figurengruppe dar. Anstelle des Altarblattes wurde der Blick auf das Fresko des Dionysius freigegeben. Kreuzigungsgruppe und Altar stehen jetzt in Aholming in der Nähe von Plattling.


Literatur:

DOBERSCHITZ, P. Laurenz 1764: Specula Cremifanensis, MS CCn 1048 (Herausgegeben von P. Amand Kraml als Heft Nr. 40 der Berichte des Anselm Desing Vereins, Februar 1999)

KRAML, P. Amand 2008: 250 Jahre Sternwarte Kremsmünster, in: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster 151. Jahresbericht, 33-83, Thalheim

NEUMÜLLER, P. Willibrord (Hrg.) 1961: Archivalische Vorarbeiten zur Österreichischen Kunsttopographie (Gerichtsbezirk und Stift Kremsmünster)

ASCHENBRENNER, Wanda & SCHWEIGHOFER, Georg (Bearb.) 1965: Paul Troger. Leben und Werk, Salzburg

RITTER, M. A. 1974: Dionysius Areopagita, in: Lexikon der christlichen Ikonographie, 6. Bd., Rom - Freiburg - Basel - Wien, Sp. 60-61

LOIBL, Georg o. J.: Die Pfarrei Aholming mit ihren Kirchen und Kapellen, Osterhofen

ANONYMUS [Hauer, Willibald] 1996: Aldersbach, 850 Jahre Zisterzienserkirche, Peda-Kunstführer Nr. 019/1996, Passau

GRAUSBECK, Johann Adam 1835: Ausführliche Untersuchung über die Finsterniss bei dem Tode Jesu. Tübingen


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(c) P. Amand Kraml, 1999-03-04
Letzte Änderung: 2012-06-11