Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Oktober 1999


Doppellinse

Doppellinse von Brander
Inv. Nr.: 12012603
Foto: P. Amand Kraml


Doppellinse von G. F. Brander

Material: Glas, Holz, Eisen; Maße: Gesamthöhe mit fahrbarem Gestell : 147 cm, Linsendurchmesser : groß 39 cm, klein 23 cm, Linsenabstand : 55 cm; Linsen samt Fassung gefertigt von G. F. Brander in Augsburg, Montagegestell von Arbeitern im Stiftsbereich angefertigt.

Georg Friedrich Brander (1713-1783) war in Augsburg ein bekannter Instrumentenbauer. Durch P. Eugen Dobler aus Irsee, der in Kremsmünster an der Einrichtung der "Mathematischen Stube" und an der Errichtung der Sternwarte maßgeblichen Anteil hatte, wurden die Kontakte mit Brander geknüpft. Hatte sich Dobler doch seine Kenntnisse in der Bearbeitung von Messing und im Instrumentenbau bei Brander in Augsburg erworben. Das Archiv der Sternwarte verwahrt 22 Briefe aus Branders Hand aus der Zeit von 1766 bis 1775, die an P. Placidus Fixlmillner gerichtet sind. Brander weist darinnen immer wieder auf neue Instrumente hin, die er angefertigt hat und die er dem Direktor der Sternwarte anbietet. Einige der Briefe enthalten auch genauere Beschreibungen von Instrumenten und Hinweise zum Zusammenbau für die von ihm gelieferten physikalischen Gerätschaften. Eine beträchtliche Anzahl von wissenschaftlichen Instrumenten wurden damals von Brander gekauft und sind noch erhalten, so z. B. auch die zweistiefelige Luftpumpe nach Musschenbroek, einen Perspektiv-Proportionalzirkel, ein Hygrometer, ein Inklinatorium und einen Hohlspiegel.

Recht aufschlussreich sind die beiden Briefe, die mit dem Kauf der Doppellinse in Verbindung stehen:

10. Brief vom 20. April 1771:
...Und dann befindet sich noch in diesem Fach Ein Brennglas so Ew. Hochwürden zwar nicht verlangt, von dem ich aber als bald die Raison so mich zu übersenden bewogen, angeben werde. Unter dem Zwischen Boden oder auf dem Boden der Küste ist ein großes Brennglas so hochdieselben begehret, festgemacht unter demselben aber ist das verlangte Prospect-Glas so zwischen 20 Blat deformirter Conischer Figuren gepackt ist, befindlich, welche ich Ew. Hochwürden als ein Surplus versprochen.
Die Ursache warum ein zweytes Brennglas dem anverlangten beygeleget, ist diese. Ich wollte Ew. Hochwürden gerne das gröste so ich noch beseßen zu Händen kommen laßen welches das Collectiv-glaß ist als worzu ich studio noch ein zweytes kleineres verfertigte und einen ausnehmend starcken Effect gewähren wenn sie in behöriger Distanz gesezet und combiniret werden. Ich hatte nicht mehr wie 4 solche Gläser oder 2 paar Cameraden: das erste Paar habe ich nach Prag gesandt, und nebst der Bewunderung große Ehre bey R. P. Stepling damit eingeleget. Ich hätte Ew. Hochwürden wohl ein einzles großes Brennglas übersenden können, jedoch nicht das nun zu überkommende so das allergröste und reineste an der Glas materie ist, und welches ich von seinem Cameraden niemals getrenneter weggeben haben würde. Ich weis Ew. Hochwürden werden auch gar nichts wegen dem Surplus so es im Preise beträgt einzuwenden haben, weil Hochdieselben dadurch in den Stand gesezet werden zu Zeigen wie weit sieht auch in diesen Experimenten mit Gläsern bringen läßet und zu dem Besize von Stücken gelangen so der Augenschein sogleich als etwas schönes und seltnes approbiren wird.
Die Zusammensezung dieser Gläser erfordert eine besondere Stellage von Holz, welche aber sehr groß und pretieuse in Ansehung der Fracht würde. Und da mir öfters von R. P. Eugeni Dobler angerühmet worden was vor geschickte Arbeits-Leuthe sich in dem Gotteshaus Kremsmünster befinden besonders Schloßer und Schreiner, so gewinnen Ew. Hochwürden noch mehr wenn es in Costi verfertiget wird. Wollen Ew. Hochwürden etwa seiner Zeit meinen Gedanken eines solchen Stativs wißen, so werde ein Dessein einschicken. ...

Wie aus dieser Rechnung, die dem Brief 10 (1771/04/20) beigefügt ist, hervorgeht, hatte die Sternwarte für die beiden Brenngläser 75 Gulden zu bezahlen.

Im 11. Brief vom 20. Mai 1771 liefert Brander dann die Anleitung für den Aufbau der Doppellinse:

... Anschluß ist der von Ew. Hochwürden verlangte Gedanke von einer Stellage zu beeden Brenngläßern, so eben just als eine Vorschrift zu genauester Befolgung behandelt oder angesehen werden darf. Vielleicht dienet es zu einem neuen Gedancken.
Der Tisch A bestünde aus zwey Blättern oder Tafflen nach proportionirter Größe so in der Mitte eine eiserne Axis haben um welche sich das obre Blatt bewegen ließe und mit einer Mutter befestiget werden könte. In das obre Blatt sollten bey a a a unterhalb 3 kleine Meßinge Rollen eingelaßen seyn damit sich die horizontal Bewegung leicht vornehmen läßet. Die Focal Längen der zwey übersandten Brenngläßer habe ich mir zu notiren vergeßen, sonsten könte ich ihrer beeden Abstand von einander angeben, welcher meinem Gedüncken nach 18 bis 20 Zoll seyn wird. Diese Anrichtung kan meines Erachtens leicht mit 4 eisernen Stängel geschehen, die wenn die Rahmen nicht breit genug daß sie durch selbige gehen und mit Mütterl vestgeschraubt werden können, von außen an beeden Rahmen wie b b angeschraubt werden könnten. Bey B wären zwey aufrecht stehende hölzerne Stücke durch welche ein hölzerner Cylinder gehet um eine starcke Schnur darüber zu winden welche an dem andern Ende an den Rahmen des Größen Collectiv-Glases in einem Hacken hienge, mit diesem Cylinder oder Avix kan die Vertical Bewegung der beiden Gläser leicht bewürcket werden, da die ganze Anrichtung an den 2 Pivots des großen Collectiv Glases bey cc der zwey aufrecht stehenden Säulen nur in zwey Gablen der nemlichen hölzernen Säulen liegt. Bey D könte an das kleine Glas unterhalb ein leichtes eisernes Rohr angeschraubt werden so allenfalls aus einem dünen Flintenlauf gemacht seyn könte. Bey E ist ein kleineres dergleichen Rohr so aufrecht stehet und an welchem sich ein aufgelöhteter Eiserner Dorn oder Stängel befindet so sich in dem Rohr D hin und her schieben läßet.
In dem kurzem Rohr E schiebet sich auch ein dergleichen Stängel welches mit einer Gabel versehen in welcher ein Schüßerl hängt worein verschiedene zu Versuchen gewidmete Dinge geleget werden können. Diese Anrichtung dienet den Brennpunct bälder zu finden, und bey zu behalten. Dieses ist also kürzlich meine Idee welche ich glaube, daß sie nicht zu sehr die Sache componirt und operose machet, und in einem Musaeo gut aussehen soll. ...

Die wohl dem Brief beigefügte Zeichnung ist leider nicht mehr erhalten.
Eine ähnliche Doppellinse von G. F. Brander verwahrt und zeigt das Museo del Dipartimento di Scienze Fisiche della UNIVERSITA' di NAPOLI "Federico II"

Nach einem zeitgenössischen Kupferstich hatte Jean Charles Trudaine, Generalintendant der französischen Finanzen und Ehrenmitglied der Pariser Akademie um 1774 eine riesige fahrbare Doppellinse anfertigen lassen. Die Gläser dazu lieferte die Manufaktur von St. Gobain. Die Hauptlinse war allerdings nicht aus einem Stück sondern aus zwei Gläsern zusammengefügt und mit Alkohol gefüllt. Mit dieser Vorrichtung erreichte man sehr hohe Temperaturen, die das Schmelzen von Silber und Platin erlaubten. Im Oktober 1774 wurden damit neun Diamanten verbrannt.



Quellen und Literatur:

ANONYMUS, 1778: Sur le grand verre ardent Établi au Jardin de l'Infante, au commencement do mois d'Octobre 1774, in: Histoire de l'Académie Royale des Sciences. Année M.DCCLXXIV avec les Mémoires de Mathematique & de Physique, pour la meme Année, Paris, 1-5

BRACHNER, Alto (Hrsg.), 1983: G. F. Brander, 1713 - 1783, wissenschaftliche Instrumente aus seiner Werkstatt, München

FELLÖCKER, P. Sigmund, o. J.: Zusammenfassung der Briefe Branders. Manuskript im Archiv der Sternwarte Kremsmünster, veröffentlicht in:

RABENALT, P. Ansgar, 1985: Briefe Friedrich Branders, mechanici in Augsburg an Placidus Fixlmillner OSB 1. Direktor der Sternwarte Kremsmünster (Ein Beitrag zur Gründungsgeschichte des "Mathematischen Turmes" von Kremsmünster, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktiner-Ordens und seiner Zweige, Jg. 1985, Bd 96, I/II, 144-195

TRUDAINE de Montigny, MACQUER, CADET, LAVOISIER & BRISSON, 1778: Pemier Essai du Grand Verre Ardent de M. Trudaine, Établi au Jardin de l'Infante, au commencement du mois d'Octobre de l'année 1774, in: Histoire de l'Académie Royale des Sciences. Année M.DCCLXXIV avec les Mémoires de Mathematique & de Physique, pour la meme Année, Paris, 62-72

SCHETTINO, Edvige & Spadaccini, Rossana, 1995: Le Macchine del Re. La Collezione Reale nel Museo del Dipartimento di Scienze Fisiche, Napoli


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(c) P. Amand Kraml, 1999-11-16

Letzte Änderung: 2017-08-11