Nachruf auf P. Basil Schönberger


Der von P. Amand Baumgarten stammende Nachruf auf P. Basil Schönberger wurde für die "Zeitschrift für österreichische Gymnasien" (I. Jg. S 700) verfasst und in P. Sigmund Fellöckers Geschichte der Sternwarte abgedruckt.

Es ist für Schönberger's Lebensrichtung bezeichnend, dass er lehrend, im Raume der ihm so lieben Schule, von den Vorboten des überraschend nahen Todes erholt wurde. Die Schule war ja das Ziel seines Lebens; in ihr sollte er auch sein Lebensziel finden. Es gibt wohl wenige Männer, die so wie er für Unterricht und für Alles begeistert waren, was nahe oder fern mit selbem zusammenhing. Nicht nur, dass er zuerst in den Grammatical-, dann in den Humanitäts-Klassen, endlich als Lehrer der griechischen Sprache mit einer Glut wirkte, der die Alles erlöschende Zeit nur neue Nahrung lieferte, mit einer Glut, die an Beschwerden, Hindernissen, Enttäuschungen nur heller aufleuchtete. Er hatte auch für andere, er hatte für alle Gebiete des Unterrichtes gleich begeisterte Theilnahme in Bereitschaft und bewies diese nicht nur, während er als Präfect Vorstand des Gymnasiums war, sondern auch früher und später bis zum letzten seiner Tage. Dem Wachsthum der jugendlichen Erkenntnisse mit forschendem Blicke nachzuspüren, die Blüthen derselben mit sorglicher Hand zu eröffnen, an dem Baume des jugendlichen Wissens mit gewandtem Arme zu rütteln: das war seine Freude, sein Glück. Darüber vergass er die gewöhnlichen Bedürfnisse, die Sorgen des Tages, seinen hinfälligen Körper; dieser erhielt da neue Spannkraft, sein ganzes Wesen Erregung und Leben. Mochte es ihm auch hin und wieder an der nöthigen Ruhe fehlen; feurige Liebe zum Lehrfache besass er im reichsten Masse. Aber der Verstorbene war nicht bloss ein Mann der Schule; er war auch ein Mann der Wissenschaft im vollen Sinne des Wortes. Mit glücklichem Talente und riesigem Fleisse ausgerüstet, brachte er es in mehreren Fächern zu nicht gewöhnlicher Ausbildung. Er war ein tüchtiger Philologe, und manche seiner Aufsätze in verschiedenen Sprachen zeigen, mit welchem Geschick er aus der unversiegbaren Quelle alles Schönen, den unsterblichen Werken der Alten geschöpft. Frühzeitig von der Betrachtung der Natur angezogen, durch die Vorlesungen des berühmten Mohs, seines geliebten Lehrers, noch mehr geweckt, weihte er von den Jünglingsjahren an sich auch dem Studium der Naturgeschichte und besass in der Entomologie, in der Botanik, in der Mineralogie und Geologie einen Schatz reicher Kenntnisse. Gönnte ihm sein Liebling, die Schule, Musse und Freiheit, sah man ihn alsbald hinwandeln von Berg zu Thal, von Kluft zu Schlucht. Könnten die Steine reden, in manchem Gebirgswinkel würde Kunde ertönen von ihm, dem emsigen Forscher, der über Schwäche und Ermüdung sieghaft, sie aus langer Ruhe aufrüttelte. Die ruhelose Anstrengung in und ausser der Schule ihm eigen, hat uns wohl auch den 43jährigen Mann mit hinweggerafft.

Doch

Quem sui raptum gemuere cives,
Hic diu vixit.
(Sarbiev. lib. II. od. 2.)

(Fellöcker, 314-315)


Quellen und Literatur:

FELLÖCKER, P. Sigmund 1864: Geschichte der Sternwarte der Benediktiner-Abtei Kremsmünster, Linz

KELLNER, P. Altman 1968: Profeßbuch des Stiftes Kremsmünster, o. O.


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(c) P. Amand Kraml, 2009-09-30
Letzte Änderung 2009-09-30