Titelseite von Volkamers Nürnbergische Hesperiden
gebunden in Schweinsleder mit dem Wappen des Abtes Martin Resch
Foto: P. Amand Kraml
Nürnbergische Hesperides von Johann Christoph Volkamer
Es kommt gar nicht so selten vor, dass spezielle Gäste in die Sternwarte kommen, die dann für die Bibliothek ein
schönes Buch als Geschenk hinterlassen. So hat mir auch unser langjähriger Freund Christian Schmidt ein Buch übergeben,
das ich aufgeschlagen habe und gleich beim ersten Hinschauen eine Gedenktafel eines bekannten Botanikers entdecken
konnte. Es handelt sich um den Autor der Nürnbergischen Hesperides Johann Christian Volkamer. Mit dem Wissen, dass
da in der Bibliothek nebenan doch dieses Werk stehen müsste ... ein Blick in die Bibliotheks-Datenbank und ... nicht
wie es dann oft heißt und das Suchen beginnt ... sondern ein paar Schritte, ein Griff und das Buch ist auf meinem Schreibtisch.
Und aus dem geschenkten Buch über St. Johannis darf ich zitieren:
Die Hesperidengärten
Seit dem späten 15. Jahrhundert mussten die Obst- und Gemüsegärten innerhalb der Stadtmauern Nürnbergs einer verdichteten Bebauung weichen. Den Bürgern wurde genehmigt, vor den Befestigungsanlagen Gärten mit Gartenhäusern anzulegen, sodass
es dort schließlich 360 Gärten gab. Die Patrizier und Bürger gestalteten diese im Stil der italienischen Renaissancegärten;
später wurden viele davon barock umgestaltet. Mit dem Anwachsen der Stadt verschwanden fast alle Gärten. Durch den
Bürgerverein St. Johannis und das städtische Gartenbauamt wurden einige dieser Gärten zu Beginn der 1980er Jahre rekonstruiert, so dass man nun wieder eine gute Vorstellung von der hohen Nürnberger Gartenkultur erhält.
Grabinschrift am Grab von Johann Christoph Volkamer
Foto: P. Amand Kraml (202310278780)
Der Kaufmann und Botaniker Johann Christoph Volkamer verfasste 1708 ein mit zahlreichen Kupferstichen versehenes Werk über die Zitrusfrüchte; in Anlehnung an die antike Mythologie nannte er es "Hortenses hesperides". Der Name dieses Titels wurde
bald auf die Gärten übertragen. Wie gut, dass der Bürgerverein St. Johannis den großen Gelehrten mit einem Epitaph an seinem Grab (Joh I P 25-1) geehrt hat. Gott der Herr pflan[t]ze einen Garten in Eden gegen Osten und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten
und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. ... Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden,
dass er ihn bebaute und bewahrte. Genesis 2, 8-9. 15
Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.
Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide;
Narzissus und die Tulipan,
die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide.
Paul Gerhard 1653 (EG 503, 1-2)
Quellen und Literatur:
MAUÉ, Claudia, SCHMIDT, Christian & WILLMER, Ulrich 2022: inspirationen. Nürnberg St. Johannis ... auf den Reim gebracht, Regensburg
J. C. V. 1708: Nürnbergische Hesperides oder Gründliche Beschreibung Der Edlen Citronat/ Citronen/ und Bomerantzen-Früchte/ Wie solche/ in selbiger und benachbarten Gegend/ recht mögen eingesetzt/ gewartet/ erhalten und fortgebracht werden/ Samt einer ausführlichen Erzehlung der meisten Sorten/ welche theils zu Nürnberg würklich gewachsen/ theils von verschiedenen fremden Orten dahin gebracht worden/ Auf das accurateste in Kupffer gestochen/ in Vier Theile eingetheilet und mit nützlichen Anmerckungen erkläret. Beneben der Flora, Oder Curiosen Vorstellung Verschiedener rarer Blumen/ Samt Einer Zugabe ethlicher anderer Gewächse/ und ausführlichem Bericht/ wie eine richtig zutreffende Sonnen-Uhr im Garten-Feld von Bux anzulegen/ und die Gärten nach der Perspectiv leichtlich aufzureissen/ Wie auch einem Bericht von denen in des Authoris Garten stehenden Colvmnis milliaribus, Mit Röm. Kayerl. Maj. allergnädigst-verliehenem Privilegio, Nürnberg
NISSEN, Claus 1966: Die Botanische Buchillustration. Ihre Geschichte und Bibliographie. Durchgesehener und verbesserter Abdruck der zweibändigen Erstauflage ergänzt durch ein Supplement, Stuttgart