Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Juni 2006


Koniferengarten Plan des Koniferengartens von Josef Runkel, Detail


Planskizze des Coniferengartens

Josef Runkel
Der Stifts-Obergärnter
Josef Runkel
Im Kustodiatsarchiv der Sternwarte befinden sich vom ehemaligen Stifts-Obergärtner Josef Runkel (1817-1899) zwei Planskizzen eines Koniferengartens, der im ehemaligen Zimmermannsgarten angelegt wurde.

P. Leonhard Angerer hat dazu folgende Notiz im Kustodiatsarchiv der Sternwarte hinterlegt:

"Abt Augustin Reslhuber war selber ein tüchtiger Naturhistoriker, als Freund der Botanik zeigte er sich u. a. auch durch die Koniferenanlage im "Zimmergartl" nächst der "Schnegerhütten", der Winterwerkstätte der Stiftszimmerleute, ebenerdig im Volksschulgebäude. Die früher leere Fläche wurde in den letzten Regierungsjahren des Abtes Augustin mit ausländischen Nadelhölzern gepflanzt, so wie die beiden beigelegten Pläne angeben. Die Ausführung besorgte der Stiftsgärtner Josef Runkel. So lange die beiden lebten und die Regierung ihrer Ämter führten, wurde die Anlage sauber instandgehalten.
Park beim Pfarrheim
So präsentiert sich der ehemalige Koniferengarten heute als Park vor dem Pfarrheim.
Aus der alten Bepflanzung ist einzig die Nr. 24, der Gingko-Baum (im Bild rechts) übriggeblieben.
Foto: P. Amand Kraml
Doch in den folgenden Jahren (nach 1880) kümmerte sich niemand mehr darum. Um 1906 - in der ersten Blütezeit der Jungendspiele - begehrte die hiesige Volksschule auch ihren Spielplatz und erhielt die Hälfte des Platzes nächst dem Volksschulgebäude. Die Koniferen dieser Hälfte mußten fallen. Dafür wurde der übrigbleibende Teil in besserem Zustand erhalten.
Leider habe ich auch einen Fehler damals begangen. Ich trug - eigenmächtig - dem Arbeiter auf, die den Boden richteten, hängende und wieder aufsteigende Äste der Gruppe 20, 21, 22 wegzunehmen, damit die Wildheit in dieser Gruppe beseitigt würde. Später sah ich im Schloßpark in Achleiten, daß diese hängenden, wurzeltreibenden und wieder aufsteigenden Äste eine diesen Bäumen eigentümliche Art der Vermehrung darstelle.
Einige der anno ca. 1905 noch lebenden Koniferen hat mir der Inspektor des botanischen Gartens in Wien August Wiemann bestimmt. Dieselben sind in einem eigenen Faszikel im botanischen Kabinett aufbewahrt.
Kremsmünster, 26. XII. 1919, P. Leonh. Angerer"

Verzeichnis der hier angepflanzten Nadelholz-Sorten mit der ursprünglichen Nomenklatur:

1. Taxus baccata erecta: Eibe
2. Taxus baccata
3. Taxus baccata foliis aureo variegatii
4. Taxus baccata criccides
5. Taxus baccata erecta
6. Abies Pinsapo: Weiß-Tanne
7. Abies amabilis
8. Abies Apollinis
9. Pinus Cembra: Zirbelnuß Kiefer
10. Abies Nordmanniana: Weiß Tanne
11. Abies Douglasii
12. Biota longifolia: Lebensbaum
13. Juniperus Sabina: Segenbaum
14. Juniperus virginiana pyramidalis
15. Juniperus communis: Wacholder
16. Taxus hibernica erecta: Eibe
17. Chamaecyparis Nutkaensis: Cypresse
18. Chamaecyparis Laucosoniana
19. Chamaecyparis erecta caeruleo glauca
20. Pinus Strobus: Weymouts Kiefer
21. Pinus excelsia: Trauer Kiefer
22. Pinus pinea: Pinioli
23. Thuya pyramidalis: Lebensbaum
24. Gingko biloba: Salsisburgia ...
25. Abies Menziesii: Edeltanne
26. Thuya articulata
27. Thuya cunadensis:
28: Thuya nepalensis
29. Pinus montana: ...holz Kiefer
30. Thuya Vervarneana
31. Psiola Laxenburgensis
32. Juniperus glauca: Wacholder
33. Juniperus /:communis:/ virginiana
34. Juniperus communis
35. Juniperus glauca peneula
36. Wellingtonia gigantea: Mammut-Fichte
37. Relinospera pisifera
38. Relinospera crioidea
39. Pinus Salzmannii: Kiefer
40. Cryptomeria japonica
41. Thuya articulata orientalis
42. Thuya dumosa
43. Thuya tartarica
44. Cephalotaxux Fertunci
45. Biota compaeta
46. Biota compaeta area
47. Thuya Warrcana


Quellen und Literatur:

ANGERER, P. Leonhard, 1993: Zur Geschichte des botanischen Gartens. Transskription und Register von P. Amand Kraml 93-08-28, Aus der Geschichte des Botanischen Gartens begonnen von P. Anselm Pfeiffer, Kremsmünster

BAURNHUBER, Josef, 1971:Festschrift. 100 Jahre Männergesangsverein "Harmonie" Kremsmünster, Kremsmünster

KRAML, Gerhard (P. Amand), 2001: Flora Cremifanensis. Analyse historischer und aktueller Verbreitungsmuster der Farn- und Blütenpflanzen in der Umgebung von Kremsmünster (Oberösterreich) auf der Grundlage einer Feinrasterkartierung, Dissertation, Wien

RUNKEL, Josef, 1867: Verzeichniss der Obst-Sortimente, welche in dem Hofgarten und den Nebengärten des Benediktiner-Stiftes zu Kremsmünster kultiviert werden, Wels



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Letzte Änderung: 2007-05-30