aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster
Oktober 2021
Foto: P. Amand Kraml
rechts oben: Fähnchen mit den Buchstaben AE E P C für
P. Aegidius Everard Professus Cremifanensis
und dem Schild mit der schwarzen Kugel (Wappen derer von Raitenau)
Foto: P. Amand Kraml (20220C099746)
Eine Übersicht über den Umfang und den Inhalt der einzelnen Textbände sei hier so angeführt, dass sie allgemein verständlich bleiben. Es werden daher die Themen der Traktate in deutscher Übersetzung angegeben. Eine ausführliche Auflistung der Traktate folgt weiter unten.
Band I: Das Material für diesen Band sammelte Fr. Ägid während seiner Studienzeit in Graz. Ausgearbeitet hat er diesen Teil zwischen 1643 und 1646. Der Textband umfasst inklusive Index und der paar leeren Blättern 328 Blätter mit 42 Figuren im Text und 30 Tabellen. Der Figurenband führt 147 mit römischen Ziffern bezeichnete und 26 lateinisch nummerierte Figuren an, wobei manchmal unter einer Nummer zwei oder mehr Zeichnungen auf aufeinanderfolgenden Seiten zu finden sind. Beschrieben werden in acht Traktaten nach einer Einleitung über allgemeine mathematische Probleme Themen wie die verschiedensten Sonnenuhren, die Konstruktion und Herstellung geometrischer und astronomischer Instrumente, das Geometrische Quadrat, die Verwendung und der Nutzen des geometrischen stabilen und beweglichen Quadranten, die Quadrantaluhren, der Gebrauch des „Prätorianischen Tischleins“ und als Letztes die Herstellung und Verwendung einer Kombination aus dem Astrolabium des Johannes de Rojas und dem des Ptolomaeus.
Band II: Der Band wurde in den Jahren 1653 bis 1655 verfasst und der Textband enthält 610 paginierte Seiten mit gar 126 Figuren im Text, dazu 48 unpaginierte Seiten als Index und 40 Tabellen. Der Figurenband zählt 124 nummerierte Figuren und auf den letzten Seiten 63 – 70 Zeichnungen der verschiedenen Säulenarten. In sieben Traktaten sind die folgenden Themen behandelt: Konstruktion und Gebrauch eines Proportionalzirkels, Mathematisches Universalinstrument, aus Instrumenten mehrerer Autoren nach eigener Invention zusammengesetzt, Errichtung von Befestigungsanlagen, Praktische Geometrie und Messungen, ausgeführt mit unserem Universalinstrument, Grundzüge der Ballistik und wie Geschoße durch unser Universalinstrument gesteuert werden sollen, Architektur der verschiedenen Säulentypen, der gestirnte Himmel oder die astronomische Kugel des Caspar Vopel.
Band III: Der Großteil des Bandes entstand in den Jahren 1658 bis 1659, einzelne Teile auch erst 1668. Der Textband umfasst samt Index 691 Seiten. Behandelt werden die Themen: Konstruktion einer mathematischen Schere und ihrer Teile, die Verwendung derselben, Grundzüge der Arithmetik, Geometrie und Stereometrie, Gnomonik und Lehre von den Sonnenuhren, die Harmonie der Glocken, die Landvermessung, die militärische Architektur, Grundzüge der Ballistik und zivile Architektur.
Band IV: Der letzte Teil seines Opusculums entstand in P. Ägids Ruhejahren zwischen 1666 und 1674. Gerade in dieser Zeit wurden für das Stift viele naturwissenschaftliche Werke angekauft, die P. Ägid die Einarbeitung der zeitgenössischen Literatur in sein Werk ermöglichten. Von besonderer Bedeutung ist der vom Stiftsbibliothekar P. Simon Rettenpacher (1634 - 1706) dokumentierte Bücherankauf vom Jahr 1665. In der Handschrift CCn 425 listet RETTENPACHER 875 Bände aus den Fachbereichen Medizin (428), Oratores (188), Mathematik (110), Philosophie (70) Ecclestiastici (9) und Juristae (4). So konnte P. Ägid seine Studien erweitern und aktualisieren. Dieser letzte Band seines Opusculums enthält 444 Seiten mit 28 Tabellen und als Index des Bandes und dem Gesamtindex des ganzen Werkes noch zusätzliche 116 Seiten. Der Figurenband weist 137 nummerierte Figuren auf. Zwei Figurenblätter ohne Nummern sind am Anfang des Bändchens eingebunden. Die folgenden Themen sind in 11 Traktaten behandelt: Militärarchitektur und Auszüge aus dem Mathematikkurs des P. C. Schott, Raptologica des John Neper, Spezielle praktische Arithmetik, Herstellung und Gebrauch eines Pantometers nach A. Kircher, Ferdinandäisches Richtscheit oder kaiserliche Mathematik von C. Schott, Verwendung des Proportionalzirkels von Andreas Alexander, das Salzburger Salzfass des hl. Bischof Rupert (Sonnenuhr nach eigenem Entwurf), über eine allgemeine Sonnenuhr für Tag und Nacht und dann noch Vermischtes in 13 Teilen.
[EVERARD], P. Aegidius 1622: Opusculum Mathematicum primum, dazu Figurenband ohne Titel
[EVERARD], P. Aegidius o. J: Opusculum Mathematicum secundum, dazu Figurenband ohne Titel
[EVERARD], P. Aegidius o. J: Opusculum Mathematicum tertium, Cremifanij, dazu Figurenband ohne Titel
[EVERARD], P. Aegidius 1674: Opusculum Mathematicum quartum, Cremifanij, dazu Figurenband ohne Titel
DOBERSCHITZ, P. Laurenz 1764: Specula Cremifanensis. Beschreibung der in dem mathematischen Thurne zu Kremsmünster befindlichen Naturalien, Instrumenten und Seltenheiten, MS CCn 1048, Kremsmünster
FELLÖCKER, Sigmund, Geschichte der Sternwarte Kremsmünster der Benediktiner-Abtei Kremsmünster, Linz 1864
GRUBER, Maria, Die Mathematik in Österreich im 17. Jahrhundert anhand der Biographie zweier Benediktiner, Dissertation eingereicht an der Technischen Universität Wien (Technisch Naturwissenschaftliche Fakultät), Wien 1996
GRUBER, Maria, Der erste mechanische Taschenrechner, P. Aegid Everards Raptologia Neperiana, in:
Berichte des Anselm Desing Vereins, Nr. 35, Kremsmünster 1997, 5-14
KRAML, P. Amand (Hrsg.) 1999: Specula Cremifanensis, 1. Band. Beschreibung der in dem mathematischen Thurne zu Kremsmünster befindlichen Naturalien, Instrumenten und Seltenheiten von P. Laurenz DOBERSCHITZ,
Berichte des Anselm Desing Vereins, Nr. 40, Kremsmünster
KRAML, P. Amand 2023: P. Ägid Everard von Altenau, Mönch und Naturwissenschafter im Stift Kremsmünster, in: Salome Alt von Altenau und ihre Kinder. Eine Spurensuche in und um Wels, Hrsg.: Walter Aspernig, Quellen und Erläuterungen zur Geschichte von Wels, Sonderreihe zum Jahrbuch des Musealvereines Wels, Bd. 18, Jubiläumsausgaben 70 Jahre Musealverein Wels 1953-2023, Wels, 145-160
KRAML, P. Amand 2023: P. Ägid Everards Werke der angewandten Mathematik, in: Salome Alt von Altenau und ihre Kinder. Eine Spurensuche in und um Wels, Hrsg.: Walter Aspernig, Quellen und Erläuterungen zur Geschichte von Wels, Sonderreihe zum Jahrbuch des Musealvereines Wels, Bd. 18, Jubiläumsausgaben 70 Jahre Musealverein Wels 1953-2023, Wels, 161-188
PACHMAYR, P. Marian 1777: Historico-chronologica Series Abbatum et Religiosorum Monasterii Cremifanensis, Steyr
PITSCHMANN, P. Benedikt 1963: Abt Bonifaz Negele von Kremsmünster (1639 - 1644). Ein Beitrag zur Kirchengeschichte des 17. Jahrhundert, Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades an der philosophischen Fakultät der Uni Wien, Wien
RABENALT, P. Ansgar 1992: P. Aegid Everard de Raitenau: Ordensmann und Mathematiker (1605-1675), ÖGGNW Jg.12, 3-4 1992, Wien, 113-121
SCHUSTER, Petrus, CREMIFANUM. Professbuch des Benediktinerstiftes Kremsmünster, Band II Die Klosterfamilie von der Gründung bis zum II. Weltkrieg 777-1940, Kremsmünster 2020
SCHWAB, P. Franz 1898: P. Aegyd Everard von Raitenau, 1605-1675. Benedictiner von Kremsmünster, Mathematiker, Mechaniker und Architekt. Ein Lebensbild nach Quellen entworfen, Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 38, Heft 1, Salzburg, 1-105