Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

November 2013


Branders Brief
Brief Georg Friedrich Branders an P. Plazidus Fixlmillner
mit Grüßen an P. Eugen Dobler im Post Scriptum Augsburg, 31. Dezember 1771


Georg Friedrich Brander schickt Grüße an P. Eugen Dobler

P. S. R. P. Eugen von Yrsee bitte meine wahre Ergeben-
heit zu versichern, mit Bekandtmachung meiner
Freude daß er sich noch in Europa befindet; denn man
sagte mir Er habe sich ein ruhiges Pläzchen in dem
neu entdeckten fünften Welttheile ausgesuchet
um Wein-Faltern daselbst zu sammeln.

P. Eugen Dobler aus dem Kloster Irsee in der Nähe von Kaufbeuern wurde über Vermittlung von P. Anselm Desing nach Kremsmünster berufen, um hier Mathematik und vor allem Experimentalphilosophie an der Ritterakademie zu unterrichten. Darüber hinaus oblag ihm der Aufbau eines physikalischen Museums. Für diese Aufgabe war er in besonderer Weise geeignet, da er beim über Bayern hinaus berühmten Instrumentenbauer Georg Friedrich Brander eine Ausbildung erhalten hatte. Als man 1749 in Kremsmünster den Bau der Sternwarte begann, wurde Dobler mit der wissenschaftlichen Leitung betraut. Nach dem Einsturz am 23. Mai 1755 ging Dobler zur weiteren Fortbildung nach Paris. 1757 von dort zurückgekehrt, konnte er viele Impulse für die endgültige Ausführung des Sternwartebaus geben. 1761 kehrt Dobler nach Irsee zurück. 1771 bis 1779 ist aber P. Eugen Dobler wieder als Gast im Kloster. Aus dieser Zeit stammt das Postscriptum am Ende von Branders Brief an P. Plazidus Fixlmillner.

Der von Brander erwähnte neu entdeckte fünfte Kontinent wurde auf der ersten Südseereise von Kapitän James Cook am 28. April 1770 als New South Wales für die britische Krone in Besitz genommen. Dies geschah, nachdem der erste Zweck dieser Reise, die Beobachtung des Venustransits von 1769 am 3. Juni auf Tahiti erfolgreich für die Royal Society abschließen konnte.
Neben der Verfertigung physikalischer Geräte, hatte sich Dobler auch der Präparation von Tieren verschrieben. So beherrschte er die Kunst des Ausstopfens vor allem von Vögeln, die er besonders lebensnah zu präsentieren verstand. Der Reisebericht von Zapf (S. 281) gibt darüber Auskunft. Diese Fertigkeit hat er auch für das Museum von Abt Erenbert Meyer in der Abtei ausgeübt. Erenbert Moll berichtet darüber in seiner bei Bernoulli veröffentlichten Reisebeschreibung: ... kömmt man in ein Zimmer, darinn man eine ansehnliche Sammlung von inländischen Vögeln – Conchylien – sehr vielen Marmorarten, theils aus der Gegend von Kremsmünster, theils aus anderen Provinzen – incrustata aus dem Karlsbade – ziemlich viel von einheimischen Schmetterlingen – etwas weniges von Käfern – und sehr künstlich aus Muscheln zusammengesezte Blumen findet. Diese letzten, so wie die Einrichtung der Vögelsammlung, sind ganz das Werk des oben genannten Hrn. Prof. Doblers. (MOLL, 321)
So ist es nicht verwunderlich, dass Brander gerade das Sammeln von "Wein-Faltern" - von Tagschmetterlingen also - als adäquate Beschäftigung für seinen Freund annimmt. In unserer Gegend werden damals die Schmetterlinge vor allem als "Sommervögel" bezeichnet, wie wir von P. Laurenz Doberschitzens Beschreibung der Specula Cremifanensis wissen.



Quellen und Literatur:

MOLL, Karl Ehrenbert von 1783: Briefe an den Herrn Professor Heinrich Sander in Karlsruhe über eine Reise von Kremsmünster nach Moßheim im Salzburgischen. Im Herbste 1780, Erste Abteilung. Reise bis Salzburg, in: Bernoulli, Johann, Sammlung kurzer Reisebeschreibungen und anderer zur Erweiterung der Länder- und Menschenkenntnis dienender Nachrichten, Jg. 1783, 11. Bd. Berlin, 283-358

KRÜNITZ, Johann Georg 1856: Oekonomische Encyklopädie, oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- u. Landwirtschaft, in alphabetischer Ordnung, [Lemma: Weinfalter], Bd. 236, Berlin

KRAML, P. Amand 2018: P. Eugen Dobler OSB. Mathematiker, Naturforscher, Tierpräparator und Gründungsmitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, in: Katholische Aufklärung im Benediktinerreichsstift Irsee. Hrsg. von Markwart Herzog, Alois Schmid, Irseer Schriften N. F. 13, Konstanz – München, 171-187

RABENALT, Ansgar 1982: P. Eugenius Dobler OSB und Kremsmünster, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktiner-Ordens und seiner Zweige, Jg. 1982, Heft III-IV, St. Ottilien, 959-1009

ZAPF, 1783: Über meine literarische Reise in einen Theil von Bayern, Franken und Schwaben im Jahr 1782 . An Herrn Karl Benjamin Lennich, Archidiakonus in Danzig, in: Bernoulli, Johann, Sammlung kurzer Reisebeschreibungen und anderer zur Erweiterung der Länder- und Menschenkenntnis dienender Nachrichten, Jg. 1783, 11. Bd. Berlin, 195-282



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Letzte Änderung: 2017-12-03