Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Dezember 2021



Flechtenherbar
Vier Mappen des Flechten- und Moosherbars von P. Hermann Patzalt
Holz, Papier, 21 x 17 x 9 cm
Foto: P. Amand Kraml (202307085048)


Flechten- und Moosherbar des P. Hermann Patzalt

Zweimal gingen Sammlungen von P. Hermann Patzalt an Gymnasium und Sternwarte. 1857 vermerkt P. Gotthard Hofstädter im Programm des Gymnasiums über das sogenannte Schulherbar: Herr Prof. Gotth. Hofstädter hat ein Herbar zum Schulgebrauch zusammengestellt. Den einzelnen Familien sind die vortrefflichen, von einstigen Studirenden der Anstalt über Anregung des verdienstvollen Hochwürdigen Herrn P. David Landmann selig. gemalten Abbildungen, 372 an der Zahl eingereiht. Dieses Schulherbar umfaßt nahe 200 Species Kryptogamen (die Moose größtenteils von Herrn Professor Hermann Patzalt geliefert) und 780 Species Phanerogamen. Die Flora Oberösterreichs ist vollständig vertreten, die Abbildungen stellen die gebräuchlichsten inländischen und fast alle exotischen Pflanzen dar, deren in Bill's Lehrbuche wegen ihrer Anwendung oder ihres sonstigen Interesses Erwähnung geschieht. (Programm 1857, 27)

Den wesentlich bedeutenderen Zugang vermerkt P. Lambert Guppenberger im Gymnasial-Programm des Jahres 1875: Dem Stiftsherbarium wurden überdies die mit größtem Fleiß, unermüdlicher Ausdauer und Genauigkeit angelegten Flechten- und Moossammlungen des seligen P. Hermann Patzalt einverleibt, von denen die eine 19 Fascikel mit ungefähr 500 Exemplaren, die andere aber 21 Fascikel mit nahezu 1000 Exemplaren umfaßt. (Programm 1875, 31)

Über die weitverbreitete Sammeltätigkeit der "Kryptogamenfreunde" berichten der Kremsmünsterer Stifts- und Konviktsarzt Ignaz Sigismund Poetsch und Karl Schiedermayr: Gleichzeitig mit "Weishäupl beschäftigte sich mit der Sammlung und Erforschung von Laubmoosen in der Umgegend von Linz Franz Aspöck, geboren 1814 zu Hohenzell im Innkreise , gestorben 1856 als Lehrer der Normalhauptschule zu Linz. Aspöck war mit mehreren Botanikern im Tauschverkehre. Ein grosser Theil seines Herbares wurde im Besitze des ihm befreundet gewesenen Apothekers und Bürgermeisters Kyrie zu Schärding gefunden, und ging von diesem an Herrn Prof. Hermann Patzalt über, während ein kleinerer Theil im Musealherbar zu Linz, im Herbarium Hasibeder (später Eigenthum des Domscholasters Schropp) und in verschiedenen anderen Herbarien getroffen wurde. Die Angabe des Standortes fehlt leider sehr häufig oder ist wenigstens nicht genau, wesshalb wir auch nicht alle seine Funde für unsere Arbeit verwerthen konnten. (POETSCH & SCHIEDERMAYR, X)

P. Hermann Patzalt wurde auch mit der Benennung einer Flechten-Spezies durch Dr. Poetsch aus der Gattung Leptorrhaphis geehrt: Leptorrhaphis Patzaltii. POETSCH nov sp. Er fand diese neue Art an Graphis serpentina an Ahornstämmen in der Pestleiten nahe dem Stift. Diese neue Flechte, welche wir zu Ehren unseres Freundes, des um die Krytogamenflora unseres Landes vielfach verdienten Herrn Pfarrers Hermann Patzalt, benennen, werden wir später beschreiben, bis wir die Begutachtung eines botanischen Freundes, dem wir ein Exemplar einschicken, in Händen haben werden. (POETSCH & SCHIEDERMAYR, 180)


Flechtenherbar
Ein Band des Flechtenherbars geöffnet
Foto: P. Amand Kraml (202307085059)


Quellen und Literatur:


ANONYMUS 1857: Die naturhistorische Sammlung, in: Programm des kaiserl. königl. Gymnasiums zu Kremsmünster für das Schuljahr 1857, Linz, 27-28

ANONYMUS 1875: Naturhistorische Sammlungen, in: Programm des kaiserl. königl. Gymnasiums zu Kremsmünster für das Schuljahr 1875, Linz, 29-31

POETSCH, I. S. & SCHIEDERMAYR, K. B. 1872: Systematische Aufzählung der im Erzherzogthume Oesterreich ob der Enns bisher beobachteten samenlosen Pflanzen (Kyptogamen), Wien





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(c) P. Amand Kraml 2023-06-29
Letzte Änderung: 2025-07-03