Bogenlampe von C. Reichert Austria
Inv. Nr. 11090303
über alles: 30 x 25 x 8 cm
Foto: P. Amand Kraml (202509224373)
Bogenlampe für Optische Bank
Abbildung 7 aus SCHEERPELTZ, 31 Mikroskopierbogenlampe der optischen Werke C. Reichert in Wien - für alle
Zwecke der Mikroskopie, Mikroprojektion und Mikrophotographie.
Unabgedeckte Type mit Uhrwerksregulierung des Kohlennachschubes.
Abbildung und Text aus dem Reichert-Katalog von 1936, S. 27 Reichert-Mikrobogenlampe "Lux LLA"
Mikrobogenlampe von hoher Lichtstärke und sehr einfacher
Handhabung, zur Mikrophotographie, Mikroprojektion und
für Dunkelfeldbeleuchtung. - Rechtwinklige Kohlenstellung;
automatischer Vorschub durch Uhrwerk; lichtabschließendes gut
durchlüftetes Gehäuse; verstellbarer Linsenkollektor; auf
Tischstativ, in der Höhe verstellbar und neigbar.
Es ist uns ein Anliegen, Sammlungszugänge zu präsentieren, die mit besonderen Persönlichkeiten in Verbindung stehen,
die wir noch gut gekannt haben. Eine dieser Persönlichkeiten, die ich im Krankenhaus und in der Kirche der Barmherzigen
Brüder in Wien zur Zeit meines Studiums häufig getroffen habe, ist Hofrat Dr. Josef Nagler. P. Wolfram Austaller,
der damals auch in Wien an der Universität zum Studium der Mathematik, Physik und Klimatologie war, hatte mit Herrn
Dr. Nagler als Physiker noch näheren Kontakt und so kam es, dass die Sternwarte Kremsmünster mit wichtigen Objekten aus
dem Nachlass dieses bedeutenden Mannes beschenkt wurde.
Die Auswahl aus diesem Nachlass fiel vorerst einmal auf die vorgestellte Bogenlampe, da sich Dr. Nagler vielfach in seiner
Forschung mit optischen Fragen auseinandersetzte.
Eine Bogenlampe - auch als Kohlebogenlampe bezeichnet - ist eine elektrische Lichtquelle.
Zwischen zwei Graphit-Elektroden entsteht wie bei einem Schweißgerät ein Lichtbogen, der ein sehr helles Licht abstrahlt.
Natürlich ist das auch mit starker Hitze-Entwicklung verbunden. Damit der Lichtbogen über längere Zeit mit gleichmäßiger
Abstrahlung funktioniert, muss der Abstand der Elektroden trotz Abbrand gleichgehalten werden. Das kann natürlich von
Hand nachgestellt werden. Eine automatische Nachregulierung wurde bei Reichert auch mit einem Uhrwerk angeboten.
Unsere Abbildung aus dem Beitrag von Scheerpeltz zeigt eine Version der Reichert-Mikrobogenlampe mit Uhrwerk zum
Vortrieb der beiden Elektroden.
Bogenlampen waren früher überall dort im Einsatz, wo man ein möglichst helles elektrisches Licht erhalten wollte.
Ich erinnere mich z. B., dass im Stift Kremsmünster anfangs der 60er Jahre Szenen für einen Kinofilm gedreht wurden und
dass man für die Beleuchtung riesige Scheinwerfer mit Bogenlampen verwendete. Unsere Bogenlampe stammt von der
Wiener Mikroskop-Firma C. Reichert.
Denn auch in der Mikroskopie verwendete man als Lichtquelle für die Mikroprojektion oder für die Fotografie beweglicher
Objekte das starke Licht von Bogenlampen. Im Einsatz bei der Mikroskopie wurde der Lampe meist ein Hitzefilter in Form einer Küvette mit
Eisen- oder Kupfersulfatlösung vorgesetzt.
1936 bot Reichert verschiedene Modelle der Reichert-Mikrobogenlampe an. Der Katalog
enthält drei Modelle. Das Modell Lux LLA mit rechtwinkliger Kohlenstellung, Uhrwerkregulierung des Kohlevorschubes und verstellbarem
Kollektor zeigt unsere Abbildung. Mitgeliefert wurden ein Widerstand für 110, 150 und 220 Volt (Nr. 344h) sowie 50 Paar Kohlen für
Gleich- oder Wechselstrom. Der Preis betrug 338,50 Schilling. Zwei gleiche Geräte werden im Katalog noch angeführt:
Lux LLVA das zusätzlich über einen Antrieb der Feineinstellung mittels Feineinstellstäben verfügte (Preis: S 383,50)
und das einfachere Modell Lux LL ohne Uhrwerkregulierung und ohne Feineinstellung zum Preis von S 273,50. (REICHERT-Katalog, Preisschlüssel, 24-25)
Es ist wahrscheinlich, dass die Verwendung der Mikrobogenlampe als Lichtquelle auf der Optischen
Bank auf Dr. Nagler zurückgeht. Ein Kollektor und die Abdeckung der Kohlestäbe sind nicht vorhanden. Der Kohlevorschub
ist per Hand auszuführen. Mit den beiden hellroten Rändelknöpfen ist das zu bewerkstelligen. Es ist dafür
ein Kettenantrieb eingebaut, der über eine Rutschkupplung beide Elektroden in dem einmal eingestellten Abstand bewegt.
Da die Kohle am positiven Pol der Stromquelle schneller abbrennt als die andere, ist auch der Vorschub entsprechend unterschiedlich.
Die beiden flexiblen Einstellvorrichtungen könnten der Feineinstellung des Modells Lux LLVA entsprechen.
Zur Person von Dr. Nagler fügen wir hier den Nachruf von Hermann Austaller an.
DR. JOSEF W. NAGLER
5. 3. 1901 - 26. 1. 1990
Physiker u. vielfacher Erfinder
Em. Direktor des Technischen Museums in Wien
Träger der Diesel-Medaille in Gold
HOFRAT DR. JOSEF NAGLER
5. März 1901 - 26. Jänner 1990
Am 21. Februar hatte ich die traurige und ehrenvolle Aufgabe, den ehemaligen Direktor des
Technischen Museums in Wien, Herrn Hofrat Dr. Josef NAGLER, in Pernitz zu beerdigen. Dr. Nagler,
der sich bescheiden immer nur als “Physiker” vorstellte, zählt zu den großen österreichischen
Erfindern dieses Jahrhunderts. Er teilte auch das typisch österreichische Erfinderschicksal: viele seiner
Patente wurden erst im Ausland berühmt.
Dr. Nagler erblickte am 5. März 1901 in Wien das Licht der Welt. Sein Vater war der nachmalige
Hilfsamtsdirektor am Österreichischen Museum, Ferdinand Nagler. Josef besuchte die Volksschule
der Schulbrüder in Wien III und maturierte am Landstrasser Gymnasium. 1920 belegte er mathematische
und physikalische Fächer an der Universität Wien. Er promovierte am 14. 7. 1925 mit der Arbeit:
“Über eine neue Methode zur Bestimmung spezifischer Wärmen”.
Am 31. 7. 1927 ehelichte er Henrietta Zehetbauer aus Eisenstadt, die ihm zwei Kinder schenkte:
Henriette Maria (1928) und Josef (1932).
Die wissenschaftliche Laufbahn Dr. Naglers begann bereits vor dem Abschluss des Studiums. 1923
wurde er Demonstrator am Mineralogischen Institut der Universität. Hier konnte er nach eigenen Verbesserungen
an der Versuchsschmelzanlage Teilarbeiten für den späteren Nobelpreisträger und Entdecker
des Hafniums, Georg Hevesy, beisteuern, indem er den Schmelzpunkt von Zirkon bei
verschiedenem Hafniumgehalt bestimmte. Während er noch an der Dissertation arbeitete, gelang ihm
eine bedeutende Entdeckung: die spektrale (quantenhafte) Ausleuchtung der Lenardschen Zentren bei
infolge radioaktiver Strahlung verfärbten Mineralien (Centralblatt für Mineralogie, 1924).
Am Tag nach der Promotion wurde er bei der Optikfirma Goerz (Wien X) eingestellt, wo er den
Goerzschen Richtungshörer nach Haschek Mauer entwickelte und zur Patentierung brachte. 1926
lieferte er Vorarbeiten für das Fleißnersche Kohletrocknungsverfahren.
Mit 1. März 1927 wurde Dr. Nagler am Technischen Museum als Physiker und Bibliothekar
angestellt und 1931 zum wissenschaftlichen Assistenten befördert. Seine erste Meisterleistung war
dort 1929 die Rekonstruktion (und eigenständige Ergänzung fehlender Teile) des Knauss’schen
Schreibautomaten von 17601). Die Maschine war
dann u. a. auf der Weltausstellung in Paris zu sehen.
- Für die Wiener Polizeidirektion entwickelte er 1930 ein Verfahren zur Feststellung
gefälschter Fingerabdrücke, später eine Methode zur Altersbestimmung von Tintenschrift
ohne chemische Schädigung des Originals.
1931 gelang eine aufsehenerregende Entwicklung. Zusammen mit Ing. Engelbert Reingruber baute
er nach dem Patent von Gustav Tauschek der Welt erste Maschine, die lesen, schreiben und rechnen
konnte. IBM sicherte sich die wirtschaftliche Ausbeutung des Geräts ebenso wie Naglers Konstruktion
von Magnetplatten als Datenspeicher.
Den Schritt zur Weltbekanntheit machte Dr. Nagler durch den Bau des “Leuchtenden Gehirns”,
eines Modells des menschlichen Gehirns in 7-facher Vergrößerung für den 1. Neurologenkongreß in
Bern. Die Einstein Universität in New York erwarb das Werk. - Ein zweites derartiges Modell in 10-
facher Vergrößerung baute er für den Anthropologenkongreß. Es besteht u. a. aus 2 km Kupferdraht
und über 600 farbigen Lämpchen. Es erregte Aufsehen in der Weltpresse und im Film. Das
Naturhistorische Museum in Wien verfügt heute darüber.
1932 machte er die Schrägtonschrift für den Schmalfilm. Akustische Berechnungen für ein
Tonfilmstudio in Kairo und der Umbau des Tonkinos am Flötzersteig, unter seiner technischen Leitung,
fallen in diese Zeit.
1934 entdeckte Dr. Nagler bei seinen Arbeiten auf der Klinik Pötzl den Nahfeldeffekt bei
Kurzwellen. Auf dem 1. Internationalen Kurzwellenkongreß in den USA (1937) wurde das Phänomen
von Henry Hallberg vorgestellt und wird nach dessen Vorschlag seither (in den USA) als Nagler-Effekt
bezeichnet. - Gleichzeitig entdeckte er, daß durch Leberbestrahlung mit Kurzwellen die Kupferschen
Sternzellen geschädigt werden. (Im Gespräch erwähnte er einmal, er habe Indizien dafür, daß sich in
der Umgebung des Kahlenbergs die Fälle von Leberzirrhose selbst bei Kleinkindern häuften. Den
Beweis konnte er nie erbringen, da ihm der Zugang zu den medizinischen Daten verwehrt wurde.)
Eine Serie von Patenten folgte, z. B. für chemische Diapositivreklame mit photo- und thermotropen
Substanzen; photoelektrische Steuerung der Blende für Photo-, Kino- und Kopiereinrichtungen
(1935). Er stellte die erste vollautomatische Photokamera her.
1935 entwickelte Dr. Nagler seine erste Version des Farbfernsehens nach dem Zeilensprungverfahren
mit farbigem Linienraster. - 1954 folgte eine andere Art des Farbfernsehens, die er zusammen mit
seinem Sohn ausarbeitete und patentierte. Sie wird als subjektives Farbfernsehen bezeichnet und
beruht auf dem Fechnerschen Gesetz, nach dem die Abfolge von Schwarz-Weiß-Mustern verschiedener
Helligkeit im menschlichen Gehirn einen Farbeindruck hervorruft. Daß man dadurch ohne
Farbfernsehgerät “Farbbilder” empfangen konnte, erregte beim ersten Einsatz des Systems in London
1956 großes Aufsehen. Nach dieser Erfindung sandten ab 1963 zehn amerikanische TV Stationen
jahrelang ihre Stationszeichen. (Beim österreichischen Fernsehen wurde die Erfindung nie verwendet.)
Für die Industrie entwickelte Dr. Nagler, um nur einiges aufzuzählen, ein neues Holzaufschlußverfahren,
ein Flotationsverfahren für Graphit, ein Stahlhärteverfahren, ein magnetisches Metallprüfverfahren
...
Auch als geschickter Organisator war Dr. Nagler bekannt. Er war 1932 technischer Leiter der
RAVAG Radio-Jubiläumsausstellung, wo er auch die beiden von ihm konstruierten Fernlenkboote
und seine “Lesende Maschine” vorstellte. Bei der Wiener Messe veranstaltete er die Schallplatten- und
Tonfilmsonderschau ebenso wie die Flugausstellung. Auch die Ausstellung 60 Jahre metrisches
System stand unter seiner Aufsicht.
Diesem tüchtigen und wachen Geist konnte der Aufstieg - trotz mancher Rückschläge - nicht lange
verwehrt bleiben. 1950 wurde er als Direktor des Technischen Museums in Wien berufen. Er leitete
es bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1966. Über diese Periode seiner Tätigkeit darf ich hinweggehen,
denn sie ist anderweitig zur Genüge dokumentiert.
Als Direktor hat er sich sehr für die Anerkennung und Ehrung der Arbeit der Erfinder, Entdecker und
Pioniere eingesetzt. Gemeinsam mit der Witwe Prof. Kaplans rief er die Viktor-Kaplan-Stiftung ins
Leben, die jährlich zehn österreichischen Studenten Stipendien verleiht.
Auch in der Pension forschte Dr. Nagler weiter. Beispielsweise arbeitete er an einem elektrischen
Herzmodell für die Universität Innsbruck. Viel Zeit verbrachte er bei spektroskopischen Untersuchungen
in seinem Labor in der Abt-Karl-Gasse im IX. Bezirk. Sein letztes großes Projekt, die Speicherung
von Wechselströmen, wurde durch einen Gehirnschlag (cerebraler Insult) unterbrochen. Er litt sehr
unter der damit verbundenen Vergeßlichkeit. In den letzten Lebensjahren wurde er von seiner Tochter
Henriette hingebungsvoll betreut und gepflegt.
Am 26. Jänner 1990 schloß Dr. Josef Nagler für immer die Augen.
Seine wissenschaftlichen und technischen Leistungen blieben nicht ohne Anerkennung. Am
meisten freute ihn die Auszeichnung mit der Dieselmedaille2)
in Gold durch den D. E. V. Nürnberg (das
deutsche Gegenstück zum Nobelpreis). Die Technische Hochschule Wien ehrte ihn mit der Prechtlmedaille,
die Wiener Photographische Gesellschaft mit ihrer Goldmedaille, schließlich die Genossenschaft
der Mechaniker und Maschinenbauer mit der Archimedesplakette.
Dr. Josef Nagler war nicht nur Techniker, eigentlich war er Künstler: “Wenn ich ganz ehrlich sein
soll, muß ich sagen, daß ich mich zu etwas ganz anderem berufen fühlte als zum Physiker. Ich wollte
eigentlich Maler und Bildhauer werden.” (Naglers Worte) Auf Wunsch der Mutter jedoch gab er das
an der Akademie der Bildenden Künste begonnene einschlägige Studium auf - trotz der von den
Professoren bescheinigten Begabung. Malen blieb auch sein Hobby. Hunderte von Aquarellen und
Ölgemälden sind in seinem Nachlaß.
Eine tragende Rolle in seinem Leben spielte der tiefe, streng römisch-katholische Glaube, für den er
sich stets engagierte. Schon in den Zwanzigerjahren war er leitend am Hilfswerk für das Barackenlager
in Simmering tätig: eine Seelsorgestation, eine Mutterberatung und ein Kindergarten (nach Montessori)
wurde errichtet. Vom Sekretariat sozialer Arbeit der Jesuiten aus kümmerte er sich um
“gestrandete Existenzen ohne Unterschied der Partei und Konfession”. In den Winiwarterschen
Wärmestuben betreute er Obdachlose.
Als einer der ersten Laien erhielt er 1939 die Predigterlaubnis in der Erzdiözese Wien (Kirche Am
Hof). 1939 bis 1949 war er auch im Diözesankirchenrat. Viele Jahre hindurch gab er Religionsunterricht
für Konvertiten und leistete Sterbenden Beistand. Eine von mehreren Bischofskonferenzen
(außer der österreichischen) empfohlene Ansprache “Moribundis” wird als Tonbandkasette vertrieben.
In den Pensionsjahren war er praktisch jeden Freitag beim Rosenkranzgebet bei der Mariensäule
Am Hof zu finden. Sein entschiedenes Engagement galt dem Schutz des Lebens (Schutz von
Verfolgten des NS-Regimes; Aktion Leben). An der Gründung der Michaelsbruderschaft war er
maßgeblich beteiligt. Jahre hindurch ministrierte er trotz seines fortgeschrittenen Alters bei den
Barmherzigen Brüdern. (Dort durfte ich seine Bekanntschaft machen. In vielen Gesprächen über
Religion, Physik und Gesellschaft bereicherte er mich in seiner geradezu väterlichen Güte.)
Bei der Neuelektrifizierung des Stephansdomes (1932) verfertigte Dr. Nagler die Pläne und hatte -
selbstverständlich ehrenamtlich - die Bauleitung inne. Mit Dr. Fackelmann war er sogar in der
Papyrusforschung tätig: mittels Beta-Bestrahlung versuchte er, ein Papyrusfragment (des Markusevangeliums
?) lesbar zu machen.
Seine Glaubensauffassung und der Einsatz für andere sorgten dafür, daß er mit seiner Familie immer
bescheiden lebte, manchmal nicht einmal die Schutzgebühr für seine weltweiten Patente bezahlen
konnte. Nach seiner eigenen Darlegung sei es seine entschiedene Ablehnung der Freimaurerei
gewesen, die ihn um die Früchte seiner Erfindungen gebracht habe.
Auch von der Kirche erhielt er Auszeichnungen: 1932 das Goldene Ehrenkreuz Pro ecclesia et
Pontifice; 1951 das Comturkreuz des Gregoriusordens.
Dr. Josef Nagler bleibt uns in Erinnerung als vielseitig begabter und engagierter Forscher, als
wohlwollender Mensch gegenüber anderen, aber streng gegen sich selbst. Rassismus und Nationalismus
konnte er nicht verstehen, geschweige denn billigen. Er hatte mehr Einblick in die Abläufe der
Natur als die meisten von uns. Er hatte aber auch mehr Weitblick. Häufig äußerte er seinen Unmut
darüber, daß sich Wirtschafter und Politiker viel zu wenig von den Wissenschaftern sagen ließen. Zu
viele Mahnungen zu Verantwortung und Vorsicht würden in den Wind geschlagen. Nicht Entdeckungen
und Wissen gefährdeten die Zukunft der Menschheit, sondern die Gier nach Geld und Macht. So
schloß er die Eröffnungsrede der Ausstellung “Atomkraft” im Künstlerhaus am 5. 3. 1955:
“Die Frage, ob die Atomwissenschaft uns in Zukunft nützen oder schaden wird, ist leicht zu
beantworten: Unser zukünftiges Wohl und Wehe liegt nicht in den Händen der Wissenschaftler, der
Physiker, der Ingenieure, es liegt in den Händen gewissenhafter oder gewissenloser Staatenlenker.”
Dr. P. Wofram H. Austaller
1)
Friedrich von Knaus (1724-1789) war Hofmechanikus und später auch Direktor des Physikalischen Hofkabinetts.
1760 präsentierte er Kaiser Franz I. und Maria Theresia einen Schreibautomaten, der selbsttätig
bis zu 68 gespeicherte Buchstaben mit einer Schreibfeder und Tinte auf ein Papier niederschreibt.
Als P. Laurenz Doberschitz am 14. Oktober 1773 mit seinen beiden
Begleitern die kaiserlich, königlich physicalische Maschin-, und Kunstkammer aufsuchte, wo wir gegen 10 Uhr die Stunde hatten
zu erscheinen wurden ihm dort zwei Maschinen gezeigt, deren eine alles, was man schreibet, und auf die Walze derselben
leget zum erstaunen nachschreibet; die andere aber die Wort: AUSTRIACAE DOMUI DEUS nec metas rerum
nec tempora ponat in Fractur und Currentschrifft schreibet ... (Anmerkung, KRAML, vgl. DOBERSCHITZ, 62, 63)
2)
Die „Diesel-Medaille“ ist die größte Erfinder-Auszeichnung des Internationalen Institutes
für Erfindungswesen in Nürnberg, welche der D. E. V. gemeinsam mit anderen Erfinderverbänden in
Nürnberg mit großem Aufwand unter zahlreicher prominenter in- und
ausländischer Beteiligung vergibt. Fünf Österreicher erhielten diese größte
Erfinder-Auszeichnung: 1954 Dr. Ing. Prof. Viktor Kaplan, 1961 Dr. Hans Ledwinka, 1962 Dr. Ing. Igo Etrich,
Prof. Arch. Ing. Ernst Cvikl und schließlich 1964 Hofrat
Dr. Josef Nagler für seine bedeutenden Erfindungen auf dem Gebiete des Farbfernsehers. (Internetseite OPEV)
Quellen und Literatur:
ANONYMUS 1936: Optische Werke C. Reichert. Mikroskope und Nebenapparate, Katalog DZ 14, Wien
AUSTALLER, P. Wolfram H. 1990: Physikalisches Kabinett der Sternwarte, in: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster 133. Jahresbericht 1990, Linz, 183-184
AUSTALLER, P. Wolfram H. 1990: Hofrat Dr. Josef Nagler, in: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster 133. Jahresbericht 1990, Linz, 184-187
BINDER, Hans 1999: "Selbstschreibende Wundermaschine". Gebaut von dem schwäbischen Tüftler Friedrich Knaus vor mehr als 200 Jahren, in:
Schwäbische Heimat, 1999/4, Stuttgart, 482-484
DOBERSCHITZ, P. Laurenz [1771..1778]: Beichtvaterreisln, Manuskript CCn 306, Stiftsbibliothek, Kremsmünster
DOBERSCHITZ, P. Laurenz 2015: Beichtvaterreisln, Transkription mit Originalseitenbildern transkribiert und zusammengestellt von P. Amand Kraml, Manuskript Typoscript, Sternwarte Kremsmünster
HARTMANN, Gerhard 2017: Dir. i. R. HR Dr. Josef Nagler, Internetseite des ÖCV (https://oecv.at/biolex/Detail/11000239) abgerufen : 2025-09-12
KEIMEL, Reinhard 1997: Josef Nagler, in: Neue Deutsche Biographie Nr. 18, 716-717
LACKNER, Helmut, JESSWEIN, Katarina, ZUNA-KRATKY, Gabriele (Hrsg.) 2009: 100 Jahre Technisches Museum Wien, Wien
SCHEERPELTZ, Otto 1927: Das Abbilden entomologischer Objekte und Präparate, in: Entomologischer Anzeiger, Jg. VII, 5. Febr. 1927, Nr. 3, Wien, 29-33