Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Juni 2025



Bogenlampe
Bogenlampe von C. Reichert Austria
Inv. Nr. 11090303
über alles: 30 x 25 x 8 cm
Foto: P. Amand Kraml (202509224373)


Bogenlampe für Optische Bank

Reichert Bogenlampe
Abbildung und Text aus dem Reichert-Katalog von 1936, S. 27
Reichert-Mikrobogenlampe "Lux LLA"
Mikrobogenlampe von hoher Lichtstärke und sehr einfacher Handhabung, zur Mikrophotographie, Mikroprojektion und für Dunkelfeldbeleuchtung. - Rechtwinklige Kohlenstellung; automatischer Vorschub durch Uhrwerk; lichtabschließendes gut durchlüftetes Gehäuse; verstellbarer Linsenkollektor; auf Tischstativ, in der Höhe verstellbar und neigbar.
Es ist uns ein Anliegen, Sammlungszugänge zu präsentieren, die mit besonderen Persönlichkeiten in Verbindung stehen, die wir noch gut gekannt haben. Eine dieser Persönlichkeiten, die ich im Krankenhaus und in der Kirche der Barmherzigen Brüder in Wien zur Zeit meines Studiums häufig getroffen habe, ist Hofrat Dr. Josef Nagler. P. Wolfram Austaller, der damals auch in Wien an der Universität zum Studium der Mathematik, Physik und Klimatologie war, hatte mit Herrn Dr. Nagler als Physiker noch näheren Kontakt und so kam es, dass die Sternwarte Kremsmünster mit wichtigen Objekten aus dem Nachlass dieses bedeutenden Mannes beschenkt wurde.
Die Auswahl aus diesem Nachlass fiel vorerst einmal auf die vorgestellte Bogenlampe, da sich Dr. Nagler vielfach in seiner Forschung mit optischen Fragen auseinandersetzte.

Eine Bogenlampe - auch als Kohlebogenlampe bezeichnet - ist eine elektrische Lichtquelle. Zwischen zwei Graphit-Elektroden entsteht wie bei einem Schweißgerät ein Lichtbogen, der ein sehr helles Licht abstrahlt. Natürlich ist das auch mit starker Hitze-Entwicklung verbunden. Damit der Lichtbogen über längere Zeit mit gleichmäßiger Abstrahlung funktioniert, muss der Abstand der Elektroden trotz Abbrand gleichgehalten werden. Das kann natürlich von Hand nachgestellt werden. Eine automatische Nachregulierung wurde bei Reichert auch mit einem Uhrwerk angeboten. Unsere Abbildung aus dem Beitrag von Scheerpeltz zeigt eine Version der Reichert-Mikrobogenlampe mit Uhrwerk zum Vortrieb der beiden Elektroden.
Bogenlampen waren früher überall dort im Einsatz, wo man ein möglichst helles elektrisches Licht erhalten wollte. Ich erinnere mich z. B., dass im Stift Kremsmünster anfangs der 60er Jahre Szenen für einen Kinofilm gedreht wurden und dass man für die Beleuchtung riesige Scheinwerfer mit Bogenlampen verwendete. Unsere Bogenlampe stammt von der Wiener Mikroskop-Firma C. Reichert. Denn auch in der Mikroskopie verwendete man als Lichtquelle für die Mikroprojektion oder für die Fotografie beweglicher Objekte das starke Licht von Bogenlampen. Im Einsatz bei der Mikroskopie wurde der Lampe meist ein Hitzefilter in Form einer Küvette mit Eisen- oder Kupfersulfatlösung vorgesetzt.
1936 bot Reichert verschiedene Modelle der Reichert-Mikrobogenlampe an. Der Katalog enthält drei Modelle. Das Modell Lux LLA mit rechtwinkliger Kohlenstellung, Uhrwerkregulierung des Kohlevorschubes und verstellbarem Kollektor zeigt unsere Abbildung. Mitgeliefert wurden ein Widerstand für 110, 150 und 220 Volt (Nr. 344h) sowie 50 Paar Kohlen für Gleich- oder Wechselstrom. Der Preis betrug 338,50 Schilling. Zwei gleiche Geräte werden im Katalog noch angeführt: Lux LLVA das zusätzlich über einen Antrieb der Feineinstellung mittels Feineinstellstäben verfügte (Preis: S 383,50) und das einfachere Modell Lux LL ohne Uhrwerkregulierung und ohne Feineinstellung zum Preis von S 273,50. (REICHERT-Katalog, Preisschlüssel, 24-25)
Es ist wahrscheinlich, dass die Verwendung der Mikrobogenlampe als Lichtquelle auf der Optischen Bank auf Dr. Nagler zurückgeht. Ein Kollektor und die Abdeckung der Kohlestäbe sind nicht vorhanden. Der Kohlevorschub ist per Hand auszuführen. Mit den beiden hellroten Rändelknöpfen ist das zu bewerkstelligen. Es ist dafür ein Kettenantrieb eingebaut, der über eine Rutschkupplung beide Elektroden in dem einmal eingestellten Abstand bewegt. Da die Kohle am positiven Pol der Stromquelle schneller abbrennt als die andere, ist auch der Vorschub entsprechend unterschiedlich. Die beiden flexiblen Einstellvorrichtungen könnten der Feineinstellung des Modells Lux LLVA entsprechen.

Zur Person von Dr. Nagler fügen wir hier den Nachruf von Hermann Austaller an.

HOFRAT DR. JOSEF NAGLER
5. März 1901 - 26. Jänner 1990


Am 21. Februar hatte ich die traurige und ehrenvolle Aufgabe, den ehemaligen Direktor des Technischen Museums in Wien, Herrn Hofrat Dr. Josef NAGLER, in Pernitz zu beerdigen. Dr. Nagler, der sich bescheiden immer nur als “Physiker” vorstellte, zählt zu den großen österreichischen Erfindern dieses Jahrhunderts. Er teilte auch das typisch österreichische Erfinderschicksal: viele seiner Patente wurden erst im Ausland berühmt.

Dr. Nagler erblickte am 5. März 1901 in Wien das Licht der Welt. Sein Vater war der nachmalige Hilfsamtsdirektor am Österreichischen Museum, Ferdinand Nagler. Josef besuchte die Volksschule der Schulbrüder in Wien III und maturierte am Landstrasser Gymnasium. 1920 belegte er mathematische und physikalische Fächer an der Universität Wien. Er promovierte am 14. 7. 1925 mit der Arbeit: “Über eine neue Methode zur Bestimmung spezifischer Wärmen”. Am 31. 7. 1927 ehelichte er Henrietta Zehetbauer aus Eisenstadt, die ihm zwei Kinder schenkte: Henriette Maria (1928) und Josef (1932).
Die wissenschaftliche Laufbahn Dr. Naglers begann bereits vor dem Abschluss des Studiums. 1923 wurde er Demonstrator am Mineralogischen Institut der Universität. Hier konnte er nach eigenen Verbesserungen an der Versuchsschmelzanlage Teilarbeiten für den späteren Nobelpreisträger und Entdecker des Hafniums, Georg Hevesy, beisteuern, indem er den Schmelzpunkt von Zirkon bei verschiedenem Hafniumgehalt bestimmte. Während er noch an der Dissertation arbeitete, gelang ihm eine bedeutende Entdeckung: die spektrale (quantenhafte) Ausleuchtung der Lenardschen Zentren bei infolge radioaktiver Strahlung verfärbten Mineralien (Centralblatt für Mineralogie, 1924).
Am Tag nach der Promotion wurde er bei der Optikfirma Goerz (Wien X) eingestellt, wo er den Goerzschen Richtungshörer nach Haschek Mauer entwickelte und zur Patentierung brachte. 1926 lieferte er Vorarbeiten für das Fleißnersche Kohletrocknungsverfahren.
Mit 1. März 1927 wurde Dr. Nagler am Technischen Museum als Physiker und Bibliothekar angestellt und 1931 zum wissenschaftlichen Assistenten befördert. Seine erste Meisterleistung war dort 1929 die Rekonstruktion (und eigenständige Ergänzung fehlender Teile) des Knauss’schen Schreibautomaten von 17601). Die Maschine war dann u. a. auf der Weltausstellung in Paris zu sehen. - Für die Wiener Polizeidirektion entwickelte er 1930 ein Verfahren zur Feststellung gefälschter Fingerabdrücke, später eine Methode zur Altersbestimmung von Tintenschrift ohne chemische Schädigung des Originals.
1931 gelang eine aufsehenerregende Entwicklung. Zusammen mit Ing. Engelbert Reingruber baute er nach dem Patent von Gustav Tauschek der Welt erste Maschine, die lesen, schreiben und rechnen konnte. IBM sicherte sich die wirtschaftliche Ausbeutung des Geräts ebenso wie Naglers Konstruktion von Magnetplatten als Datenspeicher.
Den Schritt zur Weltbekanntheit machte Dr. Nagler durch den Bau des “Leuchtenden Gehirns”, eines Modells des menschlichen Gehirns in 7-facher Vergrößerung für den 1. Neurologenkongreß in Bern. Die Einstein Universität in New York erwarb das Werk. - Ein zweites derartiges Modell in 10- facher Vergrößerung baute er für den Anthropologenkongreß. Es besteht u. a. aus 2 km Kupferdraht und über 600 farbigen Lämpchen. Es erregte Aufsehen in der Weltpresse und im Film. Das Naturhistorische Museum in Wien verfügt heute darüber.
1932 machte er die Schrägtonschrift für den Schmalfilm. Akustische Berechnungen für ein Tonfilmstudio in Kairo und der Umbau des Tonkinos am Flötzersteig, unter seiner technischen Leitung, fallen in diese Zeit.
1934 entdeckte Dr. Nagler bei seinen Arbeiten auf der Klinik Pötzl den Nahfeldeffekt bei Kurzwellen. Auf dem 1. Internationalen Kurzwellenkongreß in den USA (1937) wurde das Phänomen von Henry Hallberg vorgestellt und wird nach dessen Vorschlag seither (in den USA) als Nagler-Effekt bezeichnet. - Gleichzeitig entdeckte er, daß durch Leberbestrahlung mit Kurzwellen die Kupferschen Sternzellen geschädigt werden. (Im Gespräch erwähnte er einmal, er habe Indizien dafür, daß sich in der Umgebung des Kahlenbergs die Fälle von Leberzirrhose selbst bei Kleinkindern häuften. Den Beweis konnte er nie erbringen, da ihm der Zugang zu den medizinischen Daten verwehrt wurde.)
Eine Serie von Patenten folgte, z. B. für chemische Diapositivreklame mit photo- und thermotropen Substanzen; photoelektrische Steuerung der Blende für Photo-, Kino- und Kopiereinrichtungen (1935). Er stellte die erste vollautomatische Photokamera her.
1935 entwickelte Dr. Nagler seine erste Version des Farbfernsehens nach dem Zeilensprungverfahren mit farbigem Linienraster. - 1954 folgte eine andere Art des Farbfernsehens, die er zusammen mit seinem Sohn ausarbeitete und patentierte. Sie wird als subjektives Farbfernsehen bezeichnet und beruht auf dem Fechnerschen Gesetz, nach dem die Abfolge von Schwarz-Weiß-Mustern verschiedener Helligkeit im menschlichen Gehirn einen Farbeindruck hervorruft. Daß man dadurch ohne Farbfernsehgerät “Farbbilder” empfangen konnte, erregte beim ersten Einsatz des Systems in London 1956 großes Aufsehen. Nach dieser Erfindung sandten ab 1963 zehn amerikanische TV Stationen jahrelang ihre Stationszeichen. (Beim österreichischen Fernsehen wurde die Erfindung nie verwendet.)
Für die Industrie entwickelte Dr. Nagler, um nur einiges aufzuzählen, ein neues Holzaufschlußverfahren, ein Flotationsverfahren für Graphit, ein Stahlhärteverfahren, ein magnetisches Metallprüfverfahren ...
Auch als geschickter Organisator war Dr. Nagler bekannt. Er war 1932 technischer Leiter der RAVAG Radio-Jubiläumsausstellung, wo er auch die beiden von ihm konstruierten Fernlenkboote und seine “Lesende Maschine” vorstellte. Bei der Wiener Messe veranstaltete er die Schallplatten- und Tonfilmsonderschau ebenso wie die Flugausstellung. Auch die Ausstellung 60 Jahre metrisches System stand unter seiner Aufsicht.

Diesem tüchtigen und wachen Geist konnte der Aufstieg - trotz mancher Rückschläge - nicht lange verwehrt bleiben. 1950 wurde er als Direktor des Technischen Museums in Wien berufen. Er leitete es bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1966. Über diese Periode seiner Tätigkeit darf ich hinweggehen, denn sie ist anderweitig zur Genüge dokumentiert.
Als Direktor hat er sich sehr für die Anerkennung und Ehrung der Arbeit der Erfinder, Entdecker und Pioniere eingesetzt. Gemeinsam mit der Witwe Prof. Kaplans rief er die Viktor-Kaplan-Stiftung ins Leben, die jährlich zehn österreichischen Studenten Stipendien verleiht.

Auch in der Pension forschte Dr. Nagler weiter. Beispielsweise arbeitete er an einem elektrischen Herzmodell für die Universität Innsbruck. Viel Zeit verbrachte er bei spektroskopischen Untersuchungen in seinem Labor in der Abt-Karl-Gasse im IX. Bezirk. Sein letztes großes Projekt, die Speicherung von Wechselströmen, wurde durch einen Gehirnschlag (cerebraler Insult) unterbrochen. Er litt sehr unter der damit verbundenen Vergeßlichkeit. In den letzten Lebensjahren wurde er von seiner Tochter Henriette hingebungsvoll betreut und gepflegt.
Am 26. Jänner 1990 schloß Dr. Josef Nagler für immer die Augen.

Seine wissenschaftlichen und technischen Leistungen blieben nicht ohne Anerkennung. Am meisten freute ihn die Auszeichnung mit der Dieselmedaille2) in Gold durch den D. E. V. Nürnberg (das deutsche Gegenstück zum Nobelpreis). Die Technische Hochschule Wien ehrte ihn mit der Prechtlmedaille, die Wiener Photographische Gesellschaft mit ihrer Goldmedaille, schließlich die Genossenschaft der Mechaniker und Maschinenbauer mit der Archimedesplakette.
Dr. Josef Nagler war nicht nur Techniker, eigentlich war er Künstler: “Wenn ich ganz ehrlich sein soll, muß ich sagen, daß ich mich zu etwas ganz anderem berufen fühlte als zum Physiker. Ich wollte eigentlich Maler und Bildhauer werden.” (Naglers Worte) Auf Wunsch der Mutter jedoch gab er das an der Akademie der Bildenden Künste begonnene einschlägige Studium auf - trotz der von den Professoren bescheinigten Begabung. Malen blieb auch sein Hobby. Hunderte von Aquarellen und Ölgemälden sind in seinem Nachlaß.

Eine tragende Rolle in seinem Leben spielte der tiefe, streng römisch-katholische Glaube, für den er sich stets engagierte. Schon in den Zwanzigerjahren war er leitend am Hilfswerk für das Barackenlager in Simmering tätig: eine Seelsorgestation, eine Mutterberatung und ein Kindergarten (nach Montessori) wurde errichtet. Vom Sekretariat sozialer Arbeit der Jesuiten aus kümmerte er sich um “gestrandete Existenzen ohne Unterschied der Partei und Konfession”. In den Winiwarterschen Wärmestuben betreute er Obdachlose.
Als einer der ersten Laien erhielt er 1939 die Predigterlaubnis in der Erzdiözese Wien (Kirche Am Hof). 1939 bis 1949 war er auch im Diözesankirchenrat. Viele Jahre hindurch gab er Religionsunterricht für Konvertiten und leistete Sterbenden Beistand. Eine von mehreren Bischofskonferenzen (außer der österreichischen) empfohlene Ansprache “Moribundis” wird als Tonbandkasette vertrieben. In den Pensionsjahren war er praktisch jeden Freitag beim Rosenkranzgebet bei der Mariensäule Am Hof zu finden. Sein entschiedenes Engagement galt dem Schutz des Lebens (Schutz von Verfolgten des NS-Regimes; Aktion Leben). An der Gründung der Michaelsbruderschaft war er maßgeblich beteiligt. Jahre hindurch ministrierte er trotz seines fortgeschrittenen Alters bei den Barmherzigen Brüdern. (Dort durfte ich seine Bekanntschaft machen. In vielen Gesprächen über Religion, Physik und Gesellschaft bereicherte er mich in seiner geradezu väterlichen Güte.)
Bei der Neuelektrifizierung des Stephansdomes (1932) verfertigte Dr. Nagler die Pläne und hatte - selbstverständlich ehrenamtlich - die Bauleitung inne. Mit Dr. Fackelmann war er sogar in der Papyrusforschung tätig: mittels Beta-Bestrahlung versuchte er, ein Papyrusfragment (des Markusevangeliums ?) lesbar zu machen.
Seine Glaubensauffassung und der Einsatz für andere sorgten dafür, daß er mit seiner Familie immer bescheiden lebte, manchmal nicht einmal die Schutzgebühr für seine weltweiten Patente bezahlen konnte. Nach seiner eigenen Darlegung sei es seine entschiedene Ablehnung der Freimaurerei gewesen, die ihn um die Früchte seiner Erfindungen gebracht habe. Auch von der Kirche erhielt er Auszeichnungen: 1932 das Goldene Ehrenkreuz Pro ecclesia et Pontifice; 1951 das Comturkreuz des Gregoriusordens.

Dr. Josef Nagler bleibt uns in Erinnerung als vielseitig begabter und engagierter Forscher, als wohlwollender Mensch gegenüber anderen, aber streng gegen sich selbst. Rassismus und Nationalismus konnte er nicht verstehen, geschweige denn billigen. Er hatte mehr Einblick in die Abläufe der Natur als die meisten von uns. Er hatte aber auch mehr Weitblick. Häufig äußerte er seinen Unmut darüber, daß sich Wirtschafter und Politiker viel zu wenig von den Wissenschaftern sagen ließen. Zu viele Mahnungen zu Verantwortung und Vorsicht würden in den Wind geschlagen. Nicht Entdeckungen und Wissen gefährdeten die Zukunft der Menschheit, sondern die Gier nach Geld und Macht. So schloß er die Eröffnungsrede der Ausstellung “Atomkraft” im Künstlerhaus am 5. 3. 1955:
“Die Frage, ob die Atomwissenschaft uns in Zukunft nützen oder schaden wird, ist leicht zu beantworten: Unser zukünftiges Wohl und Wehe liegt nicht in den Händen der Wissenschaftler, der Physiker, der Ingenieure, es liegt in den Händen gewissenhafter oder gewissenloser Staatenlenker.”

Dr. P. Wofram H. Austaller


1)
Friedrich von Knaus (1724-1789) war Hofmechanikus und später auch Direktor des Physikalischen Hofkabinetts. 1760 präsentierte er Kaiser Franz I. und Maria Theresia einen Schreibautomaten, der selbsttätig bis zu 68 gespeicherte Buchstaben mit einer Schreibfeder und Tinte auf ein Papier niederschreibt. Als P. Laurenz Doberschitz am 14. Oktober 1773 mit seinen beiden Begleitern die kaiserlich, königlich physicalische Maschin-, und Kunstkammer aufsuchte, wo wir gegen 10 Uhr die Stunde hatten zu erscheinen wurden ihm dort zwei Maschinen gezeigt, deren eine alles, was man schreibet, und auf die Walze derselben leget zum erstaunen nachschreibet; die andere aber die Wort: AUSTRIACAE DOMUI DEUS nec metas rerum nec tempora ponat in Fractur und Currentschrifft schreibet ... (Anmerkung, KRAML, vgl. DOBERSCHITZ, 62, 63)

2)
Die „Diesel-Medaille“ ist die größte Erfinder-Auszeichnung des Internationalen Institutes für Erfindungswesen in Nürnberg, welche der D. E. V. gemeinsam mit anderen Erfinderverbänden in Nürnberg mit großem Aufwand unter zahlreicher prominenter in- und ausländischer Beteiligung vergibt. Fünf Österreicher erhielten diese größte Erfinder-Auszeichnung: 1954 Dr. Ing. Prof. Viktor Kaplan, 1961 Dr. Hans Ledwinka, 1962 Dr. Ing. Igo Etrich, Prof. Arch. Ing. Ernst Cvikl und schließlich 1964 Hofrat Dr. Josef Nagler für seine bedeutenden Erfindungen auf dem Gebiete des Farbfernsehers. (Internetseite OPEV)


Quellen und Literatur:


ANONYMUS 1936: Optische Werke C. Reichert. Mikroskope und Nebenapparate, Katalog DZ 14, Wien

AUSTALLER, P. Wolfram H. 1990: Physikalisches Kabinett der Sternwarte, in: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster 133. Jahresbericht 1990, Linz, 183-184

AUSTALLER, P. Wolfram H. 1990: Hofrat Dr. Josef Nagler, in: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster 133. Jahresbericht 1990, Linz, 184-187

BINDER, Hans 1999: "Selbstschreibende Wundermaschine". Gebaut von dem schwäbischen Tüftler Friedrich Knaus vor mehr als 200 Jahren, in: Schwäbische Heimat, 1999/4, Stuttgart, 482-484

DOBERSCHITZ, P. Laurenz [1771..1778]: Beichtvaterreisln, Manuskript CCn 306, Stiftsbibliothek, Kremsmünster

DOBERSCHITZ, P. Laurenz 2015: Beichtvaterreisln, Transkription mit Originalseitenbildern transkribiert und zusammengestellt von P. Amand Kraml, Manuskript Typoscript, Sternwarte Kremsmünster

HARTMANN, Gerhard 2017: Dir. i. R. HR Dr. Josef Nagler, Internetseite des ÖCV (https://oecv.at/biolex/Detail/11000239) abgerufen : 2025-09-12

KEIMEL, Reinhard 1997: Josef Nagler, in: Neue Deutsche Biographie Nr. 18, 716-717

LACKNER, Helmut, JESSWEIN, Katarina, ZUNA-KRATKY, Gabriele (Hrsg.) 2009: 100 Jahre Technisches Museum Wien, Wien

SCHEERPELTZ, Otto 1927: Das Abbilden entomologischer Objekte und Präparate, in: Entomologischer Anzeiger, Jg. VII, 5. Febr. 1927, Nr. 3, Wien, 29-33



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(c) Hermann Austaller und P. Amand Kraml 2025-09-10
Letzte Änderung: 2025-09-22