Schriftprobe der Selbstschreibenden Wundermaschine,
eingeklebt im CCn 306 der Stiftsbibliothek,
Beichtvaterreiseln von P. Laurenz Doberschitz
Schriftprobe der Selbstschreibenden Wundermaschine des Friedrich von Knaus
Selbstschreibende Wundermaschine von Friedrich Knaus
oberster Teil mit Tintengefäß und Feder
im Technischen Museum Wien
Foto: P. Amand Kraml (202510104599)
Ein Objekt, das nicht aus den Sternwarte-Sammlungen stammt, aber doch
durch die Verbindung des P. Laurenz Doberschitz mit der Sternwarte interessant
genug erscheint, hier vorgestellt zu werden. Durch die Beschäftigung mit dem Leben des
Dr. Josef Nagler wurden wir auf dieses Objekt aufmerksam. Austaller schreibt in seinem
Nachruf, Naglers erste Meisterleistung am Technischen Museum in Wien
sei 1929 die Rekonstruktion (und eigenständige Ergänzung fehlender Teile) des Knaus'schen Schreibautomaten von 1760 gewesen.
Die Maschine war dann u. a. auf der Weltausstellung in Paris 1937 zu sehen.
Durch die Transkription der Beichtvaterreiseln von P. Laurenz Doberschitz war mir bekannt, dass Doberschitz einen solchen Schreibautomaten in Wien in Betrieb gesehen hat.
Im Oktober 1773 besuchte Doberschitz zusammen mit zwei Absolventen der Ritterakademie, den beiden
Kapitularen aus Fulda Heinrich Reichsritter von Bibra und Benedikt Baron von Ostheim Wien. Am 14. Oktober war auf der Besichtigungstour
zu den Besonderheiten der Stadt die kaiserlich königliche Maschin- und Kunstkammer an der Reihe. Dort zeigte man ihnen auch
Zwo schreibende Maschinen, deren eine alles, was man schreibet, und auf die Walze derselben leget zum erstaunen nachschreibet;
die andere aber die Wort: AUSTRIACAE DOMUI DEUS nec metas rerum nec tempora ponat in Fractur und Currentschrifft schreibet,
wie es das beyliegende Blatt zeiget, so keine Copie, sondern die Originalschrifft dieser Maschine ist.
P. Laurenz Doberschitz (mitte) mit Heinrich Reichsritter von Bibra (links) und Benedikt Baron von Ostheim (rechts)
Gemälde aus der Galerie der Ritterakademiker und Kopie im Sternwarte-Archiv
Doberschitz hat dieses damals beschriebene Blatt in seine Reisebeschreibung nach Seite 63 beigelegt. Ob aus dieser Zeit noch
eine weitere Schriftprobe dieser Wundermaschine erhalten ist, ist uns nicht bekannt.
Friedrich von Knaus (1724-1789.08.14), gebürtig aus Schwaben kam mit seinem Bruder Ludwig 1759 an den Wiener Hof als Kunstmechaniker. Er wurde 1767 als Inspektor des k. k. Physikalischen Kabinetts angestellt. Recht ausführliche Unterlagen zu seiner Person finden sich in den Regesten des Archivbestand des k. k. Oberstkämmereramtes. (HASSMANN, Nr. 11, 14, 102, 103, 195 und besonders 203, Stellungnahme Nagels zu dem Buch, das die „Selbstschreibende[n] Wundermaschine, auch mehr andere Kunst- und Meisterstücke“ des Inspektors des k. k. Physikalischen Kabinetts Friedrich v. Knauß behandelt. S. 191-194)
Heute ist eine dieser Selbstschreibenden Wundermaschinen im Technischen Museum in Wien ausgestellt und kann dort im 4. Stock in den medien.welten bewundert werden. Denkt man sich ein Vierteljahrtausend zurück, so kann man sich vorstellen, wie P. Laurenz Doberschitz und seine beiden Begleiter vor dieser Wundermaschine stehen und abwarten, bis ihr Zettelchen fertig beschriftet ist.
Quellen und Literatur:
ANONYMUS [P. Marianus ?] 1780: Selbstschreibende Wundermaschinen Friedrichs v. Knaus
kay. könig. Direktors der physikalischen und mathematischen Kabinette an der Hof-Burg, und goldenen Ritters, auch
des Heil. päbstlichen und Lateraneser Hofes palatinischen Grafens &c. &c. Selbstschreibende Wundermaschinen, auch
mehr andere Kunst- und Meisterstücke etc. etc., MS, Wien
AUSTALLER, P. Wolfram H. 1990: Hofrat Dr. Josef Nagler, in: Öffentliches Stiftsgymnasium Kremsmünster 133. Jahresbericht 1990, Linz, 184-187
BINDER, Hans 1999: "Selbstschreibende Wundermaschine". Gebaut von dem schwäbischen Tüftler Friedrich Knaus vor mehr als 200 Jahren, in:
Schwäbische Heimat, 1999/4, Stuttgart, 482-484
DOBERSCHITZ, P. Laurenz [1771..1778]: Beichtvaterreiseln, Manuskript CCn 306, Stiftsbibliothek, Kremsmünster
DOBERSCHITZ, P. Laurenz 2015: Beichtvaterreiseln, Transkription mit Originalseitenbildern transkribiert und zusammengestellt von P. Amand Kraml, Manuskript Typoscript, Sternwarte Kremsmünster
HASSMANN, Elisabeth 2015: Quellen und Regesten zur Schatzkammer, Gemäldegalerie und zu den drei Kabinetten aus dem Archivbestand des
k. k. Oberstkämmereramtes. 1777 bis 1787 mit einem Nachtrag zu den Jahren 1748-1776, Jahrbuch des Kusthistorischen Museums Wien, Bd. 15/16,
Wien.
KURZEL-RUNTSCHEINER, Erich 1938: Zwei Meister der Kunstmechanik am Hof der Kaiserin Maria Theresia: Ludwig Knaus und Friedrich von Knaus.
Ein technikgeschichtliches Kulturbild. Blätter für Technikgeschichte, Heft 5, Wien, 21-41
PÄRR, Nora 2011: Maximilian Hell und sein wissenschaftliches Umfeld im Wien des 18. Jahrhunderts, Diss, Wien
PÄRR, Nora 2013: Maximilian Hell und sein wissenschaftliches Umfeld im Wien des 18. Jahrhunderts, Religionsgeschichte der frühen Neuzeit, Nordhausen