Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

April 2020


Susanna Titelseite vom 28. Stück der Kaiserlich Königlich allergnädigst privilegierten neuen Realzeitung, Wien 1777
vom 1. Oktober mit dem Dritten Schreiben über die Literatur Oberösterreichs von Ignaz de Luca


Beschreibung der Sternwarte von Ignaz de Luca 1777

Bei den Arbeiten an der Bibliogaphie der Sternwarte, die inzwischen 1200 Nummern erreicht hat, stießen wir wiederum auf eine externe Beschreibung der Sternwarte. Sie stammt von Ignaz de Luca und wurde im 27. und 28. Stück der Kaiserl. Königl. allerg. privil. neuen Realzeitung in Wien 1777 als Zweytes und Drittes Schreiben über die Literatur Oberösterreichs abgedruckt. De Luca (1746-1799) lebte in dieser Zeit als außerordentlicher Lehrer der politischen Wissenschaften am Lyceum in Linz. Sein zweytes Schreiben die Litteratur Oberösterreichs betreffend endet mit der äußeren Beschreibung der Sternwarte:

Dieser nämliche würdige Abt [Alexander Fixlmillner] erbaute die Sternwarte, der izt Placidus Fixlmillner mit so vielem Ruhm vorsteht. Der Grundstein wurde gelegt im Jahre 1748. Anselm Desing, nachmaliger Abt des Benediktinerstifts zu Ennsdorf, entwarf den Grundris hiezu. Sie steht 28 Klafter hoch über die Erde, und 3 und ein halb Klafter tief in die Erde. Beym Eingange ist zu lesen:

Ad gloriam
Altissimi
Bonarumque Disciplinarum
ornamentum
Hanc speculam posuit
Alexander III.
Abbas Cremifanensis
A MDCCLVIII.
O. D. O. M. B. V.

Einige Erweiterung, und Verbesserung dieser Sternwarte unternahm Herr Berthold Vogel, Abt des löbl. Stiftes zu Kremsmünster, der III. dieses Namens, und der ebenfalls die ansehnliche Würde eines k. k. geheimen Rathes begleitete. In dem nämlichen Gebäude befinden sich verschiedene Nebenzimmer, was darinn zu sehen ist, und dann noch eines und andere von den Studien zu Kremsmünster, damit werde ich Sie nächstens unterhalten. Leben sie wohl, und seyn Sie noch lange der Freund
Ihres
de Luca.

(DE LUCA, 428-429)

Fortsetzung findet der Bericht über die Sternwarte im Dritten Schreiben über die Literatur Oberösterreichs im 28. Stück der k. k. neuen Realzeitung vom 7. Oktober 1777:

Drittes Schreiben über die Literatur Oberösterreichs. Linz am 10. Julius 1777.
Ich endete meine lezte Zuschrift vom 1ten dieses mit der Sternwarte zu Kremsmünster, bey den Nebenzimmern, die sich in diesem Gebäude befinden, blieb ich stehn. Heute nun will ich Ihnen sagen, womit diese Zimmer erfüllet sind. Eines enhält Sammlungen aus allen 3 Reichen der Natur, nebst verschidenen künstlichen Stücken aus Elfenbein, Holz und Glas verfertiget. Ein kleines Münzkabinet, ein großer Vorrath von geometrischen, gnomonischen, mechanischen, hydrostatischen, hydraulischen, ärometrischen, optischen, elektrischen und astronomischen Instrumenten nimmt den Raum eines 2ten Zimmers ein. Die vorhandenen Brennspiegel und Brenngläser, und die neuvtonianischen Gläser sind vom Herrn Brander zu Augsburg. Die mikrometische Libelle, die dazu dienet, die Erhöhung oder Erniedrigung des Erdreichs von 7 Graden zu bestimmen, ist vom Herrn Illinger, einem geschickten Künstler. In meinem zu erscheinenden 2ten Theil des gelehrten Oesterreichs ist er dem Verzeichniße unserer izt lebenden Künstler in den k. k. Staaten einverleibet. Das goniometrische Instrument, durch welches man die Höhe und das Azimuth zugleich messen kann, ist vom Herrn Illinger verbessert zu sehen. Die Bildergalerie, nimmt die ganze Länge und Breite des Gebäudes der Sternwarte ein. Da die Stücke ihren Werth von den Künstlern entlehnen; so wird es Ihnen genug seyn, wenn ich die Vornehmsten davon anführe. Sie heißen: Abpfaltrer, Altomonte, Brandel, die 3 Brügel, Cordua, Dürer, Graf Firmian, Le Gran, Ferdinand und Georg Hamilton, Kobalt, Lukas von Leyden, Quinten, Rembrand, Rubens, Sandrat, Schwarz, Schinagel, und Titian. (In dem Kanonikatstifte zu St. Florian findet man auch ein kleines Bilderkabinet. Man findet hier einige gute Stücke, aber nicht in der Menge, wie zu Kremsmünster. Allein die Art der Einrichtung ist reizender, sie ist geschmakvoller angelegt, modern, und ganz fürs Aug gemacht.) Ober der Bildergallerie ist ein Kabinet von türkischen Waffen angebracht. Weiter hinauf öffnet sich der astronomische Saal. Hier sieht man eine kostbare pariser Sekundenuhr, zween Mauerquadranten, und einen Sektor, jedes Instrument von 9 Schuhen im halben Durchmesser, verfertiget vom Illinger. Von diesem nämlichen Künstler eine Skala, die das Mikrometrum Roemerianum vorstellet. Ein vom Herrn Brander von Magnet vortrefflich ausgearbeitetes Inklinatorium, und Deklinatorium. Von Herrn Dollond aus London ist ein vortrefflicher 10 Schuh langer Tubus vorhanden. Der Gnomon oder die Meridianlinie 14 Schuh hoh und 56 lang verherrlichen den Saal. Ober ihm kömmt man in eine Rundel, die ein bewegliches Dach hat. Mann kann es auf 2 Seiten eröffnen. Ein beweglicher Quadrant von 4 Schuh mit einem Azimuthalzirkel steht darunter. Der Fuß davon ist ganz Eisen. Der Tubus davon hat sein Fadenmikrometer. Der Zeiger des Azimuthalzirkels macht die kleinsten Abtheilungen sichtbar. Das ganze Instrument ist von Johann Illinger. Noch eine Menge anderer astronomischen, geometrischen u. d. g. Instrumenten ist vorhanden, ich habe nur einige davon genennet. Der Büchersaal ...
(DE LUCA, 424-435)

Darauf folgt die Beschreibung der Besonderheiten der Stiftsbibliothek. Danach kommt de Luca auf die Lehrtätigkeit an der Ritterakademie zu sprechen:

Izt noch etwas weniges von den Studien zu Kremsmünster. Mit dem Jahre 1747 ward das Studium der Philosophie auf einen bessern Fuß gesetzt. Man fieng an die scholastische Lehrart zu verlassen, und von dieser Zeit ward Wolf der Leiter bey dem Studium der Philosophie. Mit dem Jahre 1749 wurde zum erstenmal durch Eugen Doppler (er ward aus dem Benediktinerstift Irrse in Schwaben nach Kremsmünster berufen) die Meßkunst gelehret, und gab zugleich Unterricht in der Sternkunst ... (DE LUCA, 437)


Quellen und Literatur:

DE LUCA, Ignaz 1777: Zweytes Schreiben die Litteratur Oberösterreichs betreffend, in: Kaiserl. Königl. allerg. privil. neue Realzeitung, 27. Stück, Wien 1777, 424-429

DE LUCA, Ignaz 1777: Drittes Schreiben über die Literatur Oberösterreichs, in: Kaiserl. Königl. allerg. privil. neue Realzeitung, 28. Stück, Wien 1777, 433-438



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Letzte Änderung: 2020-05-08