Orthoklas-Zwilling aus Bečov nad Teplou (Böhmen)
Geschenk von Moritz Pfeiffer
Foto: P. Amand Kraml (202507032375)
Zwillingsartige Verwachsung von Orthoklas
Karteikarte der Mineraliensammlung
angelegt von P. Anselm Pfeiffer 1901
Moritz Pfeiffer, Foto im Kustodiats-Archiv
(Detail)
In den Jahren von 1880 - 1898 schreibt P. Anselm Pfeiffer in seinen Auflistungen der Zugänge der Naturalien-Sammlung immer wieder: durch die Güte des Herrn Moriz Pfeiffer[1],
Oberinspector der Buschtěhrader Eisenbahn.
In der Lebensbeschreibung von P. Anselm erfahren wir von P. Leonhard Angerer
einiges zu den Lebensdaten von Moritz Pfeiffer:
Moritz Pfeiffer (1835-1899) trat 1864 als Sekretär in die Direktion der Buschtěhrader Eisenbahn ein und stand zuletzt als Zentralinspektor der Finanzabteilung vor; er starb im 64. Lebensjahre am 9. Oktober 1899. Die "Bohemia" vom 10. Oktober 1899 rühmt seinen vornehmen und wohlwollenden Charakter, seine Zuverlässigkeit und Erfahrung, die er auf verschiedenen Vertrauensposten zeigte, seine vielseitige Tätigkeit in humanitären Vereinen. Sein Bild ist im paläontologischen Kabinett aufgehängt. (ANGERER, 10, Fußnote 2 oder
Internet) Eine lichtechte
Kopie im ursprünglichen Rahmen hängt auch heute noch dort.
Über die wichtigsten Funktionen, die Herr Moritz Pfeiffer innehatte gibt die Todesanzeige Auskunft. Dort wird angeführt:
Centralinspector der a. priv. Buschtěhrader Eisenbahn, Ritter des Franz Josefs-Ordens, Besitzer der
Erinnerungsmedaille für 40jährige treue Dienste, Mitglied des Verwaltungsrathes der Prager
Maschinenbau-Actiengesellschaft vorm. Ruston & Comp. und der Actiengesellschaft in Prag zur Kalk- und
Cement-Erzeugung, Directionsmitglied des Deutschen Casinos, Obmann der Vorschußcassa des Deutschen
Handwerkervereines in Prag, Ausschußmitglied des Vereines für Geschichte der Deutschen in Böhmen ec. ec.
(Prager Tagblatt, 20)
In den Memorabilia (zw. S. 210 u. 211) von P. Anselm Pfeiffer liegt das Briefkonzept eines Schreibens, das
P. Anselm am 12. Oktober 1899 an Frau Louise Pfeiffer gerichtet hat:
Hochwolgeborne gnädige Frau! Vom tiefen Schmerz ergriffen, erlaube ich mir, mein innigstes Beileid infolge des schmerzlichen
Verlustes, den hochw. gnädige Frau durch das Hinscheiden Ihres hochverehrten Herrn Gemals erlitten, Ausdruck zu geben.
Möge der liebe Gott Ihren Schmerz baldigst lindern! Sein Andenken wird nicht erlöschen; hat er ja doch dasselbe durch
sein unermüdliches Wirken u. Schaffen, durch seine außerordentliche Menschenfreundlichkeit allenthalben sicher gestellt.
Insbesonders verehrt den Dahingeschiedenen Kremsmünster mit seinen wissenschaftlichen Institutionen als einen
hervorragenden Gönner u. Wohltäter u. Freund. Der liebe Gott vergelte ihm u. den Seinigen alles hundertfach.
Indem ich mich Ihnen u. Ihrer ganzen hochverehrten Familie u. Ihren hochgeschätzten Verwandten achtungsvoll anempfehle
zeichnet sich d. Hochwolgeb. Frau ergebenster Diener Prof. P. A. Pf. Kr. 12./10 99
____
[1]
Die Schreibweise des Vornamens ist unterschiedlich. Es findet sich sowohl Moriz als auch Moritz,
P. Anselm schreibt immer Moriz. Aus der umfangreichen Korrespondenz ist der Vorname nicht zu eruieren,
denn Pfeiffers Unterschrift ist eher eine Paraphe.
Dieser Orthoklas-Zwilling, den Moritz Pfeiffer mit 4 weiteren den Sammlungen der Sternwarte vermachte, stammt wie die anderen aus
Koppenstein [=Homolka] bei Petschau [=Bečov nad Teplou] (Ellenbogener Gegend). Über den Eingang der Stücke gibt es zwar eine
Eintragung bei den Sammlungszugängen im Gymnasial-Programm (8 Orthoklas-Krystalle von Koppenstein bei Petschau) (PFEIFFER, 1885, 74),
in den Anmerkungen steht davon aber nichts. Dass von den acht gespendeten Stücken nur fünf in den Sammlungen sind,
erklärt sich aus der Tatsache, dass P. Anselm Karlsbader Zwillinge für Tauschgeschäfte einsetzte. In der Sammlung erhielten
die Stücke kleine Zettelchen mit den Bezeichnungen (a) ... (e). Diese fünf Etiketten liegen auch heute noch aufeinandergelegt
unter den vier gemeinsam ausgestellten Kristallen. Dabei trägt die Etikette für das Stück (a) den Vermerk in der Schule.
Die Suche nach dem Brief von A. Brandtner, der auf der Karteikarte angeführt ist, war leider erfolglos.
Unser Karlsbader Zwilling (e) ist aber nicht einfach so ein Karlbader Zwilling, wie sie dort in der Gegend vielfach
gefunden werden, sondern die Verwachsung ist, wie Gustav Tschermak schreibt bemerkenswerth.
Über Prof. Gustav Tschermak und seine Beziehung zu Kremsmünster soll einmal eigens berichtet werden.
(Objekt der Monats Jänner 2025)
Zwillingsartige Verwachsung von Orthoklas. In dem Granitporphyr am Fusse des Koppensteins bei Gängerhäuseln unweit Petschau in Böhmen finden sich Orthoklaskrystalle, welche scharfe Formen und ziemlich ebene Flächen zeigen und im Habitus den Krystallen von Manebach nahekommen, indem sie nach
der Kante PM gestreckt erscheinen und häufig Zwillinge nach den gewöhnlichen drei Gesetzen bilden.¹)
Ein Exemplar von diesem Fundorte, welches mir Herr Prof. P. Anselm Pfeiffer freundlichst zur Untersuchung überliess und welches der Sammlung des Stiftes Kremsmünster gehört, bietet eine regelmässige Verwachsung dar, welche bemerkenswerth ist. Zwei Krystalle sind mit einander so verbunden, dass ihre Endflächen P = 001 parallel erscheinen und gleichzeitig die Fläche l = 110 des einen Krystalls und eine Fläche l =110 des anderen in dieselbe Ebene fallen.
Beide Krystalle haben also die Zone Pl = [001 : 110] gemeinschaftlich. Obwohl
die Flächen matt sind, so ist doch die angegebene Uebereinstimmung ziemlich sicher. Wenn diese Verwachsung auch an anderen Exemplaren sich finden sollte, so wäre dieselbe nicht mehr als eine zufällige Erscheinung zu betrachten. Sie würde vielmehr als Zwillingsverwachsung ein Gesetz verwirklichen, das, wie mir scheint, am Orthoklas bisher nicht aufgefunden worden. Nach diesem wäre die Zwillingsebene senkrecht zur Kante Pl und demnach die Zwillingsaxe dieser Kante parallel. Die beiden Krystalle wären bei paralleler Lage ihrer P-Flächen in einer um 66° 44' verschiedenen Stellung mit einander verbunden.
Tschermak.
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¹) Zepharovich, Mineralog. Lexikon f. Oesterreich. II, pag. 232.
Quellen und Literatur:
ANGERER, P. Leonhard 1903: P. Anselm Pfeiffer, in: 53. Programm des kais. kön. Obergymnasiums der Benediktiner zu Kremsmünster
für das Schuljahr 1903, Linz, 3-22
HOCHSTETTER, Ferd. v. 1872: Orthoklaskrystalle vom Koppenstein bei Gängerhäuseln unweit Petschau im Karlsbader Gebirge: in:
Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt. Nr. 1 1872, Wien, 1-3
PFEIFFER, P. Anselm 1882ff: Anmerkungen für die naturhistorischen Museen der Sternwarte in Kremsmünster. Beginnt mit dem Jahre 81-82,
MS, Kustodiats-Archiv AP3
PFEIFFER, P. Anselm 1885ff: Anmerkungen für die naturhistorischen Museen der Sternwarte in Kremsmünster. Beginnt mit dem Jahre 85, Nr. 28 Schuljahr 84-85,
MS, Kustodiats-Archiv AP3
PFEIFFER, P. Anselm 1885: Naturalien-Sammlung, in: 35. Programm des Kais. Kön. Ober-Gymnasiums der Benedictiner zu Kremsmünster
für das Schuljahr 1885, Linz, 70-75
PFEIFFER, P. Anselm o. J.: Memorabilia, MS, Kustodiats-Archiv
TSCHERMAK, G. 1887: XV. Notiz. Zwillingsartige Verwachsung von Orthoklas, in: Mineralogische und
Petrographische Mittheilungen, Neue Folge 8. Bd. Wien, 414