Objekt des Monats

aus dem Museum der Sternwarte Kremsmünster

Dezember 2018


Titelseite von EMIL, Reise-Handbuch, Wien 1827


Beschreibung der Sternwarte im Jahre 1827 in dem Reise-Handbuch für Kranke oder Naturfreunde von J. F. E. Trimmel

Unter dem Pseudonym Emil veröffentlichte Joseph Franz Emil Trimmel einen Reiseführer für Kranke oder Naturfreunde, die Gastein besuchen. Von dort ausgeführte Exkursionen führen den Autor auch nach Kremsmünster, wobei wiederum die Beschreibung der Sternwarte nicht fehlen darf:

Die Sternwarte ist besonders, der Kunst und wissenschaftlichen Schätze wegen, bemerkenswerth. Sie stehet ganz frey im Garten, 29 Ruthen hoch, vom Abte Fixlmüllner - im Jahre 1749 erbauet, um während einer Theuerung den armen Unterthanen Brot zu verschaffen 1) An der Abendseite ist die analoge Aufschrift: Benedicite sol et luna Domino! Benedicite stellae coeli Domino! Über dem Haupteingange an der Ostseite ist der Nahme des Erbauers: Abt. Alexander der III. (Fixlmüllner).

Das Gebäude hat zwey Geschosse unter der Erde. Im ebenen Erdgeschosse ist ein, einem Türkischen Gouverneur errichtetes Denkmahl. [da irrt Trimmel!] Auf dem ersten Absatze der Treppe stehet die Statue des Ptolomäus, auf dem zweyten Tycho de Brahe, Kepler etc.

Erster Stock.
Erstes Zimmer links, der Entomologie gewidmet. Die Exemplare sind aus der Gegend von Kremsmünster. Die Insecten nach. Fabricius geordnet 2). Zweytes Zimmer, die Ornithologie enthaltend. Man findet da eine kleine Sammlung von Nestern und Eyern verschiedener Vögelgattungen; eine kleine Rohrdommel (Ardea minuta, L. 3); einen Gemsgeyer (Vulturbarbatus, L.); eine Rothschnepfe (Scolopax rufa, L.); die Säge eines Sägefisches (Squallus pristis, L.); die Zähne eines Nilpferdes (Hippopotamus, L.); das Horn des Einhornes (Monodon monoceros, L.) etc.

Zweyter Stock.
Erstes Zimmer rechts: Gemählde. Von besonderem Interesse sind die Porträte Albrecht Dürer's (von ihm selbst gemahlt), der Mahler Brand, Kremser-Schmid und Le Neve's.
Zweytes Zimmer: Physicalische Instrumente und Maschinen, Hohl- und Brennspiegel.
Drittes Zimmer: Mechanische und Modelle der im k. k. Salzkammergute bestehenden Maschinen; eine Maschine zum Ausreißen der Bäume; doppelte Feuerleitern; hydrostatische Maschinen etc.; ferner ein Tetrachord, Glastafeln zu den Klang Figuren von Chladny, mittelst deren man die Töne dem Auge darstellet etc.

Dritter Stock.
Erstes Zimmer: Feldmeß-Instrumente; zwey Uhren, wovon bey einer der Zeiger durch einen Magnet beweget wird; die andere hingegen den Lauf der Sonne, des Mondes und der Planeten darstellet.
Zweytes Zimmer: Mathematische Instrumente; dann ein Bücherschrank mit astronomischen Werken. Hier ist auch ein Tisch von Marmor, auf welchem ein immerwährender Kalender eingeätzet ist, von Andreas Pleninger, Organisten zu Gmunden, 1656 verfertiget. In einem anderen Zimmer stehet ein Kasten voll sehenswerther Kunststücke aus Elfenbein; dann Schränke mit Mineralien. Bemerkenswerth sind die seltener werdenden blauen Salze des Salzkammergutes; ferner Gypskrusten wie Eisenblüthe, Bergkrystalle, schöne Dendriten, Papier aus Cyprischem Asbest etc.; mehrere Köpfe (Skelette) von den bekannten Höhlenbären, die in einem nahen Steinbruche gefunden wurden.

Vierter Stock.
Dieses Geschoß bildet in der ganzen Weite des Thurmes einen Saal (Gemählde-Gallerie). Bemerkenswerth sind: Das Abendmahl von Sandrart; gegen über eines von Altomonte; Felsengegend von Salvator Rosa; vier weibliche Bruststücke, Allegorien der vier Jahreszeiten, von Rubens; mehrere Blumenstücke von Hamilton; ein Paar Jagdstücke von Titian; die Abnehmung Christi von van Dyk; die Kreuzziehung von Rubens; die zwölf Apostel von Altomonte dem jüngeren; mehrere Thierstücke von Hamilton; heil. Familie von Michael Coxy aus Mecheln; zwey Skizzen von Sandrart (die ausgeführten Bilder davon sind in der Kirche zu Lambach); Salvator und Maria von Dürer; die Geburt Christi von L. Cranach; zwölf Sibyllen aus Ruben's Schule, deren drey von ihm selbst und Porträte seiner drey Frauen sind; eine gelungene Copie von Christus im Grabe von M. Angelo (das Original war in der Sakristey des Vaticans, wurde aber von den Franzosen mit nach Paris genommen 4).

Fünfter Stock.
Ist fest gewölbt, um dem darauf ruhenden astronomischen Saale zur Stütze zu dienen. Das Gewölbe selbst ist ein Meisterstück der Baukunst. Wer in einem Ende des Gewölbes leise spricht, wird im anderen sehr vernehmlich verstanden. Es befinden sich hier viele Waffen, Kleidungen und Geräthschaften der Türken aus der im Jahre 1683 gemachten Beute zu Wien. (Das Meiste ist dermahl im Ritterschlosse zu Laxenburg.)

Sechster Stock.
Der astronomische Saal, mit den nöthigen Öffnungen und Vorrichtungen für die Fernröhre und mit Allem versehen, was zu astronomischen Beobachtungen nöthig ist. Der Professor, nachherige Abt Fixlmüllner
[da irrt Trimmel!] stellte hier seine Beobachtungen an (Decennium astronomicum Cremifanense).

Siebenter Stock.
Hat zwey kleine Altanen, nach Osten und Westen, und enthält ein Zimmer, worin der Astronom sich wärmen kann.

Achter Stock.
Die eigentliche Sternwarte, mit einer beweglichen Kuppel. Die meisten Beobachtungen wurden jedoch im astronomischen Saale gemacht. über dieß hat Kremsmünster noch eine Bibliothek von einigen 50,000 Bänden, darunter bey 40 Arabische und Türkische Gesetze; ein Chines‘sches Buch auf Seidenpapier etc.

Die Münzensammlung ist ebenfalls nicht unbedeutend. – Die Bildnisse aller Zöglinge der vom Abte Fixlmüllner gestifteten Ritter Akademie (von Joseph dem II. aufgehoben) sind in den Schulsälen aufgehangen. Später wurde Kremsmünster auf ein Gymnasium beschränkt, und unter dem bereits verstorbenen Abte Wolfgang Leuthner das Convict und die theologische Privat-Lehranstalt gegründet.

Den Reichthum, welchen Österreich an noch zu wenig bekannten Kunstschätzen besitzt, wie kein anderer Staat, mag es größten Theils den Klöstern verdanken; schon in dieser Rücksicht mögen sie einiger Aufmerksamkeit würdig seyn.


1) Dieser Umstand allein hätte Herrn Hofrath Schultes mit diesem Stifte versöhnen sollen.

2) Unter den Insecten finden sich hier: Scarabaeus casideus, Fabr. Demestes serta; Parnus auriculatus, Panz. Ripiphorus paradoxus, T. Rhagium elathratum; Gyrinus villosus; Rhynchaenus Pineti; Meloë tecta Panz. etc.

3) Rohrreiger; die eigentliche Rohrdommel ist Ardea stellaris.

4) General Lecourbe ließ ebenfalls im Jahre 1800 einige der besten dieser Gemählde nach Paris liefern.


Quellen und Literatur:

EMIL (Pseudonym für: Joseph Franz Emil Trimmel) 1827: Reise-Handbuch für Kranke und Naturfreunde, welche das Thal und Wildbad Gastein in naturhistorischer, archäologischer und pittoresker Hinsicht zu besuchen wünschen, Wien, 134-139


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Letzte Änderung: 2018-01-20